Sie lassen ihre Stammkunden jetzt nicht im Stich: Sägewerkschef Robert Wiedemann und sein Team haben es geschafft, den Betrieb durch schwierige Zeiten zu führen. Das auch, weil ihre Abnehmer zu ihnen hielten. Das Team von links: Sören Hermann, Robert Wiedemann, Thomas Sanktjohanser, Stefan Völk und Manfred Susanek.
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Sie lassen ihre Stammkunden jetzt nicht im Stich: Sägewerkschef Robert Wiedemann und sein Team haben es geschafft, den Betrieb durch schwierige Zeiten zu führen. Das auch, weil ihre Abnehmer zu ihnen hielten. Das Team von links: Sören Hermann, Robert Wiedemann, Thomas Sanktjohanser, Stefan Völk und Manfred Susanek.

Preise schnellen in die Höhe

Holzkrise trifft den Landkreis massiv

  • Jörg von Rohland
    VonJörg von Rohland
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Die Baubranche boomt, die Auftragsbücher sind voll, doch es fehlt das Material. Die Preise für Baustoffe schnellen auch im Landkreis in die Höhe, oft bleiben Lieferungen gänzlich aus. Den heftigsten Engpass bekommt derzeit das holzverarbeitende Gewerbe zu spüren. Zimmerer im Pfaffenwinkel denken über Kurzarbeit nach.

Landkreis – „Die Preise haben sich seit Dezember verdoppelt“, klagt Anni Schmölz von der gleichnamigen Zimmerei in Bernbeuren. Die Branche steht ihren Angaben nach vor einem großen Dilemma: Die höheren Einkaufspreise können die Zimmereien nicht einfach an ihre Kunden weitergeben. Abgegebene Angebote behalten schließlich ihre Gültigkeit. Nur bei Aufträgen, die jetzt dazukommen, kann laut Schmölz eine Holz-Preisklausel ins Angebot hineingeschrieben werden.

Nach Angaben der Kreishandwerkerschaft und ihrem Geschäftsführer Roland Streim schrecken davor aber viele Handwerksbetriebe zurück. Sie fürchten „einen Vertrauensverlust ihrer Kunden“, weiß Streim. Der Geschäftsführer ist in großer Sorge um die Betriebe im Landkreis: „Die Preise sind völlig außer Kontrolle, das kommt zu einer Unzeit“, sagt er mit Blick auf die vollen Auftragsbücher.

Die Preisturbulenzen auf dem Holz- und Baustoffmarkt sind das eine. Schlimmer ist die Tatsache, dass vielen Handwerkern das Material gänzlich ausgeht und kein Nachschub mehr zu bekommen ist. Die Verknappung des Angebots macht auch der Bernbeurer Zimmerei zu schaffen. Schon jetzt müsse wochenlang auf Lieferungen gewartet werden, berichtet Chefin Schmölz. Womöglich wird es im Sommer noch länger dauern. Die Ehefrau von Betriebschef Josef Schmölz kann nicht ausschließen, dass das Unternehmen mit seinen 20 Beschäftigten dann in Kurzarbeit gehen muss. Hoffnung macht den Eheleuten einzig, „dass wir Gott sei Dank Auftraggeber haben, die selbst genug Holz haben“.

Die Bernbeurer Zimmerei wäre längst nicht die einzige, die aufgrund des Materialmangels ihren Betrieb herunterfahren müsste. Fünf Anfragen zur Kurzarbeit habe er allein in den vergangenen eineinhalb Wochen aus den Landkreisen Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen, berichtet Kreishandwerkschaftsgeschäftsführer Streim.

Bei der Weilheimer Rieperdinger Holzbau GmbH stemmt man sich noch erfolgreich gegen die Krise. „Alles im grünen Bereich“, sagt der Zimmerermeister Thomas Bartl. Die Weilheimer Firma bezieht ihr Bauholz seit Jahren aus einem Sägewerk in Osterzell. Und Zimmerermeister Bartl ist sehr froh darüber: „Wer heute kein Stammkunde bei einem Sägewerk ist, braucht gar nicht erst anfangen“, weiß er. Bei der Industrieware, zu der neben Brettschichtholz auch Dämmstoffe, Styrodur- oder Grobspanplatten (OSB) zählen, hilft dagegen jede Stammkundschaft nichts. „Die Lieferzeit liegt bei zwölf bis 20 Wochen, da kann man oft nur blind vorausbestellen“, stöhnt der Weilheimer Zimmerermeister. Bei Rieperdinger in Weilheim und der dazugehörigen Dachdeckerei Vogt in Wielenbach habe man das Glück, mit den Bestellungen weit voraus zu sein, berichtet der Zimmerermeister.

Die Kollegen in Bernbeuren haben derweil eine Petition an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier unterschrieben, die das Übel an der Wurzel packen will. Gefordert wird in der Petition ein deutscher „Exportstopp des Rohstoffs Holz“. Bemängelt wird von den meisten Unterzeichnenden, dass die Großunternehmen ihr Material lieber nach China und in die USA verschiffen, statt es an die heimische Handwerkerschaft abzugeben. Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes waren die Holzexporte in die USA bereits 2020 um satte 40 Prozent gestiegen. In dem Land werde für deutsches Holz „der zwei- oder dreifache Preis bezahlt“, heißt es. Hausbesitzer in den USA kaufen es demnach, um mit ihren Corona-Hilfen die Eigenheime aufzumöbeln. Das Holz aus Kanada ist nicht so gefragt, weil dafür hohe Zölle fällig werden. Die deutsche Handwerkerschaft schaut jedenfalls mit dem Ofenrohr ins Gebirge.

Nach Meinung des Steingadener Sägewerksbesitzers Robert Wiedemann rächt sich jetzt das Kaufverhalten aus früheren Jahren. Viele Firmen griffen ihm zufolge damals lieber zur Industrieware, die Preise für Industrie- und Bauholz hielten sich damals noch die Waage. Wegen des Kaufrauschs von Amerikanern und Chinesen ist das Industrieholz jetzt knapp und deutlich teurer als das der kleineren Sägewerken. Er habe seine Preise heuer nur um 15 Prozent angehoben, erläutert Wiedemann, der in Steingaden jährlich rund 5000 Festmeter Rundholz verarbeitet. Sein Sägewerk hat den jahrelangen Preiskampf überlebt. Der Chef und sein Team ernten nun die Früchte. Verkauft wird das Holz nur an die Stammkundschaft, die auch in den schwierigen Jahren „auf uns gesetzt hat“. Das sind laut Wiedemann zehn bis zwölf Betriebe im Umkreis von 15 bis 20 Kilometern um Steingaden. Sie können sich auch in Zukunft auf ihr Sägewerk verlassen: „Ich mache keine Exporte“, betont der Chef. Und „brutale Preiserhöhungen“ kommen für ihn nicht infrage.

Das weiß auch Kreishandwerkschaftsgeschäftsführer Streim zu schätzen: „Wir haben das große Glück, dass wir ländlich strukturiert sind“, sagt er. „Künftig müssen wir wieder regionaler denken und aus der Krise lernen.“

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