Für einige Schüler ist immer noch Distanzunterricht angesagt – wenn nämlich sie oder ihre Eltern die Selbsttests in den Schulen ablehnen.
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Für einige Schüler ist immer noch Distanzunterricht angesagt – wenn nämlich sie oder ihre Eltern die Selbsttests in den Schulen ablehnen.

Homeschooling statt Corona-Test

Gegen Corona-Tests: Schüler verzichten auf Präsenzunterricht - und bleiben im Homeschooling

  • Boris Forstner
    VonBoris Forstner
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  • Kathrin Hauser
    Kathrin Hauser
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Seit einigen Wochen dürfen wieder alle Schüler in die Schulen. Dennoch geht in einigen Familien das Homeschooling weiter. Wenn die Kinder und Jugendlichen nicht auf Corona getestet werden wollen oder sollen, bleibt ihnen der Schulbesuch verwehrt.

Landkreis – Am Gymnasium Weilheim gibt es 14 Kinder, die dem Präsenzunterricht fernbleiben, weil sie oder ihre Eltern gegen die regelmäßig verpflichtenden Corona-Tests sind. „Das geht querbeet von der 5. bis zur 10. Klasse“, sagt Vize-Schulleiterin Adelheid Meyer, alle mussten ein Attest bringen. Es seien auch sechs Kinder wegen der Maskenpflicht dem Unterricht ferngeblieben, doch das sei mittlerweile ja passé.

Präsenzunterricht mit Corona-Test: Schüler machen lieber Homeschooling - Prüfungen schreiben sie im Freien

Die Schüler, die daheim bleiben, würden mit dem nötigen Unterrichtsstoff versorgt, „aber natürlich können die nicht so unterrichtet werden, wie es beim Distanzunterricht mit der ganzen Klasse der Fall war“, sagt Meyer. Begeistert seien die betroffenen Lehrer wegen der Mehrarbeit nicht, „aber es bleibt uns nichts anderes übrig“. Weil bei einigen der Test-Verweigerer noch notwendige Prüfungen ausstehen, werden die in diesen Tagen einzeln in die Schule beordert. „Und weil sie ohne Corona-Test das Schulhaus nicht betreten dürfen, schreiben sie die Prüfung im Freien“, sagt Meyer.

Solche Freiluft-Tests gibt es am Gymnasium Penzberg nicht, doch auch dort habe man „etwas weniger als zehn Schüler, die sich nicht testen lassen und deshalb daheim unterrichtet werden“, sagt Schulleiter Matthias Langensteiner. Die Schüler erhalten Arbeitsaufträge über die Plattform Mebis, also wie damals im Lockdown – mit dem Unterschied, dass es keine große Erklärung durch die Lehrkraft gebe.

Homeschooling statt Corona-Test: Kinder bekommen Arbeitsaufträge über Plattform Mebis

„Aber natürlich stehen die Lehrer für Nachfragen zur Verfügung“, sagt Langensteiner. Leider gehe es nicht anders, weil die Kinder ein Anrecht auf Bildung haben und das Kultusministerium diesen Schülern das einräumt. „Aber es ist natürlich eine Mehrarbeit für die betroffenen Lehrer“, sagt Langensteiner.

Auch an der Staufer-Grundschule in Schongau gibt es Schüler, die im Homeschooling geblieben sind, obwohl sie wieder zum Unterricht in die Schule gehen könnten, weil ihre Eltern nicht möchten, dass sie einen Corona-Test machen oder gemacht bekommen. „Wir haben immer noch Schüler, die zu Hause sind, aber nur noch wenige“, sagt Schulleiterin Ute Meub.

Eine Zeit lang hätten „wirklich sehr viele“ Eltern ihren Kindern die Tests nicht zumuten wollen. Die Zahl habe bei den 439 Schülern im guten zweistelligen Bereich gelegen, so Meub. Ihrer Beobachtung nach hätten die Kinder mit dem Testen keine Probleme – vor allem, weil sie die Corona-Tests ja selber durchführen würden. Es seien die Eltern, die sich dagegen stemmen würden.

Präsenzunterricht mit Corona-Test: Eltern findet es wichtig, dass Kinder Schulkameraden wieder treffen

An der Realschule in Weilheim waren es am Dienstag noch acht Schüler, die wegen der Testpflicht zu Hause bleiben. Wobei die Zahl der Kinder und Jugendlichen, deren Eltern das Homeschooling wählen, sinke, sagt Schulleiterin Sabine Kreutle. Es freue sie aber, dass ein Großteil der Eltern es wichtig findet, dass die Kinder und Jugendlichen ihre Schulkameraden wieder treffen.

Die Lehrer seien in den anderen Fällen dazu verpflichtet, das Unterrichtsmaterial zur Verfügung zu stellen und den Kontakt zu ihren Schülern zu halten. Bei einem Realschüler gestalte sich das äußerst schwierig, weil die Eltern nicht wünschen, dass die Kontaktaufnahme über das Programm „MS Teams“ erfolge. „Das ist alles erlaubt“, sagt Kreutle. Die Schule habe da keine Handhabe.

Dass in diesen bestimmten Fällen der Schulpflicht auf Distanz genüge getan wird, bestätigt auch Zoran Gojic, Pressesprecher am Kultusministerium: „Schülerinnen und Schüler, die kein negatives Testergebnis vorweisen können und nicht zur Durchführung eines Selbsttests in der Schule bereit sind beziehungsweise Schülerinnen und Schüler, welche aufgrund einer individuell beurteilten Gefährdung von der Teilnahme am Präsenzunterricht beurlaubt sind, erfüllen ihre Schulbesuchspflicht durch die Wahrnehmung von Angeboten im Distanzunterricht beziehungsweise im Distanzlernen.“

Ob das im nächsten Schuljahr ab September weiter so sei, das lasse sich noch nicht sagen, so der Pressesprecher: „Da steht noch nichts fest“, sagt Gojic.

Das Thema „Luftreiniger in Klassenräumen“ sorgt für reichlich dicke Luft im Kreisausschuss. Selbst die CSU-Kreisräte wehren sich ungewohnt deutlich gegen die Vorschriften aus München. Noch mehr Nachrichten aus Weilheim lesen Sie hier. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Weilheim-Penzberg-Newsletter.

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