Blick aufs Huawei-Areal am Leprosenweg in Weilheim: Laut Auskunft der Firma arbeiten dort aktuell rund 100 Menschen. „Diese Zahl wird weiter wachsen, ohne dass wir schon eine konkrete Zahl nennen können.“
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Blick aufs Huawei-Areal am Leprosenweg in Weilheim: Laut Auskunft der Firma arbeiten dort aktuell rund 100 Menschen. „Diese Zahl wird weiter wachsen, ohne dass wir schon eine konkrete Zahl nennen können.“

Über 20 Meter hohe Halle geplant

Huawei in Weilheim wächst – auch in die Höhe

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Der chinesische Mobilfunkriese Huawei hat große Pläne für sein Weilheimer Werk. Hinter den bestehenden Gebäuden am Leprosenweg ist eine neue Logistik- und Produktionshalle geplant: 80 Meter lang, 70 Meter breit und mindestens 20 Meter hoch. Weilheims Bauausschuss hat bereits grundsätzlich zugestimmt – und würde die Firma gern endlich mal kennenlernen.

Weilheim – Es ist eine üppige Fläche zwischen Leprosenweg und Paradeisstraße, die schon seit langem für weitere Gewerbebauten vorgesehen ist: über 200 Meter lang und 200 Meter breit, zwischen wohlbekannten Betrieben wie Zarges, Bremicker, Motoren Bauer und Oberland Recycling. 2005 hat die Stadt für das Areal den Bebauungsplan „Gewerbegebiet Zarges“ aufgestellt. Seitdem ist in diesem Bereich nichts passiert – allerdings hat sich direkt nebenan der chinesische Technologiekonzern Huawei angesiedelt. Der vor allem für seine Mobilfunksparte bekannte Gigant hatte am Leprosenweg ein Grundstück samt Halle von Zarges gekauft und auf der 41.000 Quadratmeter großen Fläche einen Neubau errichtet. Anfang 2019 hat Huawei in seinem „Weilheim Manufacturing Technology Center“ den Betrieb aufgenommen. Dabei geht es dem Konzern zufolge um Forschung und Entwicklung; derzeit sind dort rund 100 Mitarbeiter beschäftigt. Die Informationen freilich sind spärlich. Der „Campus Weilheim“, wie das Gelände auch genannt wird, ist bislang ein großes Geheimnis.

Klar ist immerhin: Huawei will diesen „Campus“ kräftig erweitern. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Shenzhen/China, das nach eigenen Angaben weltweit 194.000 Mitarbeiter beschäftigt (davon 2500 an 18 Standorten in Deutschland), hat rund drei Viertel der Flächen im Plangebiet „Gewerbegebiet Zarges“ erworben. Hinter dem bestehenden Firmengebäude ist als nächstes eine dreistöckige, rund 70 auf 80 Meter große Logistik- und Produktionshalle geplant, wie es diese Woche im Bauausschuss des Weilheimer Stadtrates hieß. Dort sollen elektronische Komponenten produziert werden, erklärte ein Huawei-Sprecher gestern auf Tagblatt-Anfrage. Die Gebäudehöhe wird laut Stadtbauamt mindestens 20 Meter betragen – wegen der Lüftungsanlagen in den jeweiligen Geschossen. Denn zum Teil sind so genannte Reinräume vorgesehen, in denen die Konzentration luftgetragener Teilchen geringzuhalten ist.

Zur möglichen Situierung der Halle auf dem Areal hat Huawei drei Vorschläge vorgelegt. Die Stadt rät dabei zu jener Variante, die „die im Bebauungsplan gekennzeichneten Altlastenverdachtsflächen möglichst nicht oder nur wenig tangiert“. Der vorgesehene „Zwischengrünzug“ in dem Gewerbegebiet muss dafür verlegt werden. Für diese Verlegung und die Wandhöhen von gut 20 Metern muss der Bebauungsplan geändert werden. Die anvisierte Gebäudegröße gibt der Plan laut Stadtbauamt bereits her: „Die Baugrenzen sind ohnehin riesig.“ Auch bei der geplanten Verkehrsanbindung vom nördlichen Abschnitt der Paradeisstraße bleibe es, doch sei keine Ringerschließung mehr nötig. Eine solche war angedacht, als noch von mehreren verschiedenen Nutzern der Gewerbeflächen ausgegangen wurde. In den Plänen von Huawei für das Areal ist auch vom „Bau eines Kantinenbereiches inklusive Büroarbeitsplätzen“ sowie weiteren Autostellplätzen die Rede.

Bei der Beratung im Bauausschuss beschrieb Stefan Zirngibl (CSU), der mit seinem Schlossereibetrieb an der Paradeisstraße direkter Anlieger ist, die Beschaffenheit des Bau-Areals: Es handle sich vor allem um eine große Wiese, die derzeit zweimal jährlich gemäht werde. Einen Teilbereich im Norden nutze aktuell Oberland Recycling als Lagerfläche. „Weiter ist da nichts drauf“, so Zirngibl, der vorhandene Bachlauf werde bisher nicht gepflegt. Deshalb bedeuteten die Huawei-Pläne „eher eine Aufwertung“ des Gebietes – der CSU-Vertreter sprach von einer „sehr positiven Entwicklung“. Ähnlich äußerte sich Rupert Pentenrieder (BfW): „Da machen wir nichts kaputt, und dann kann man das außenrum viel besser gestalten.“

„Man kann zur Firma Huawei stehen, wie man will“, erklärte Horst Martin (SPD), doch bauplanungsrechtlich spreche nichts gegen das Vorhaben. Allerdings wünschte sich Martin dringend einen Ortstermin, möglichst samt einer Betriebsbesichtigung: „Da kommt man als Normalsterblicher ja gar nicht hin.“ 3. Bürgermeister Alfred Honisch unterstützte dieses Anliegen. Das gesamte Gelände sei „eigentlich ein blinder Fleck“ und nicht einsehbar, konstatierte der Grünen-Vertreter: „Ich als gebürtiger Weilheimer kenne diesen Bereich da überhaupt nicht.“ Ein Ortstermin, bei dem man sich „auch ein bisschen kennenlernt“, sei eine „Bringschuld von Huawei“.

Laut Bürgermeister Markus Loth (BfW) hat das Unternehmen 2019 schon signalisiert, eine „kleine Gruppe“ der Stadt zu einer Firmenbesichtigung einzuladen. Das sei coronabedingt bisher nicht möglich gewesen. Einen Ortstermin auf dem Bau-Areal aber soll es „bei nächster Gelegenheit“ geben. Mit diesem Zusatz hat der Bauausschuss die Huawei-Pläne grundsätzlich abgesegnet – einstimmig.

Lesen Sie auch: Stadt Weilheim will nicht, dass eine staatliche Behörde Bürocontainer aufstellt. Aufregung gibt es außerdem um eine Baumfäll-Aktion in Weilheim.

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