Die Zahl der Betrugsdelikte in Weilheim steigt.
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Die Zahl der Betrugsdelikte in Weilheim steigt.

Polizei-Statistik 2020

Immer mehr Betrugsfälle: „Enkeltrick“ spielt dabei eine große Rolle

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Im Corona-Jahr 2020 gab es weniger Rohheitsdelikte, kaum Wohnungseinbrüche, aber einen starken Anstieg bei den Betrugsfällen: Das zeigt der Sicherheitsbericht der Polizei für die Stadt Weilheim. Mehr gefordert denn je waren – und sind – die Beamten durch Versammlungen.

Weilheim – Es lebt sich außerordentlich sicher in Weilheim. Das galt auch 2020, wie Thomas Stumpf, der zurzeit in Vertretung von Harald Bauer die Polizeiinspektion Weilheim leitet, beim Sicherheitsbericht in der jüngsten Stadtratssitzung deutlich machte. Obwohl die Zahl der registrierten Straftaten gegenüber dem Vorjahr leicht anstieg (siehe Infobox unten), sprach er von einer „insgesamt positiven Tendenz“. Es gab weniger Rohheitsdelikte und kaum Wohnungseinbrüche, die Aufklärungsquote war mit 71,7 Prozent sehr hoch.

Auch Betäubungsmitteldelikte sind gestiegen

Gestiegen sind die Zahlen der erfassten Betäubungsmittel- sowie der Betrugsdelikte. Bei Letzteren nehmen die Online-Delikte stark zu: „Viel Kriminalität hat sich von der Straße ins Internet verlagert“, resümierte Stumpf für das Corona-Jahr 2020. Eine immer größere Rolle spielt dabei oberbayernweit das Phänomen „Callcenterbetrug“, etwa der so genannte Enkeltrick: „Die Ermittlungen verlaufen da leider oft im Sande, auch wenn wir sofort rausfahren“, räumte Weilheims PI-Leiter ein – denn die Täter säßen oft im Ausland. Vor Ort sei der wichtigste Ansatz deshalb, potenzielle Opfer zu sensibilisieren: „Prävention ist in diesem Bereich nach wie vor das Gebot der Stunde.“

Polizei-Statistik 2020 für die Stadt Weilheim

Kriminalität:

Straftaten insgesamt: 1316 (im Jahr 2019: 1284) – davon:

Rohheitsdelikte: 204 (211)

einfacher Diebstahl: 238 (238)

schwerer Diebstahl: 131 (112)

Wohnungseinbrüche: 4 (5)

Betrug: 160 (125)

Sachbeschädigung: 149 (170)

Betäubungsmittelkriminalität: 116 (107)

Ermittelte Tatverdächtige: 704 – davon 77 % Erwachsene

Aufklärungsquote: 71,7 % (65,1 %)

Straßenverkehr:

Verkehrsunfälle: 615 (738)

davon Unfälle mit Personenschaden: 97 (85)

– dabei 25 Personen schwer verletzt und 92 leicht verletzt

Verkehrsunfallflucht: 160 (220) – davon geklärt: 53 (98).

In Weilheim waren die Polizeibeamten vergangenes Jahr auch durch Protestveranstaltungen, vor allem auf dem Volksfestplatz, stark gefordert: 59 Versammlungen mit bis zu 350 Teilnehmern waren in Weilheim polizeilich zu betreuen – Tendenz steigend. Auch heuer galt es in der Kreisstadt bereits 29 Versammlungen zu begleiten: So viele waren es 2019 im gesamten Jahr, so Stumpf.

Unfälle gingen offenbar coronabedingt zurück

Besonders deutlich zeigte sich der Einfluss der Pandemie im Verkehrsbereich. Die Zahl der Unfälle, seit Jahren schon rückläufig, ging 2020 wohl coronabedingt besonders stark zurück: um 15 Prozent. Schulwegunfälle gab es in Weilheim in diesem Jahr überhaupt nicht. Allerdings war der Anteil von Verkehrsunfällen mit Personenschaden deutlich höher als 2019: Insgesamt 25 Personen wurden schwer und 92 leicht verletzt. Bei Verkehrsunfallfluchten von Unbekannten konnte in jedem dritten Fall der Täter ermittelt werden.

Wie viele Ordnungswidrigkeiten es im Zusammenhang mit dem Infektionsschutzgesetz gab, wollte Stadtratsmitglied Ullrich Klinkicht (Weilheim Miteinander) wissen. Eine Jahresstatistik dazu gebe es nicht, antwortete Stumpf. Doch derzeit käme man in dieser Hinsicht jedes Wochenende auf rund 30 Anzeigen im Landkreis. Nach etwaiger Clan-Kriminalität im Raum Weilheim fragte Grünen-Stadtrat Alfred Honisch, und Marion Lunz-Schmieder (CSU) erkundigte sich, ob es vor Ort eine rechte Szene gebe – beides verneinte der kommissarische Leiter der PI Weilheim.

Polizei hat nichts mit Flyern von „Querdenkerszene“ zu tun

Um Flugblätter unter dem Titel „richtig-informieren.de“, die auch in der Stadt Weilheim verteilt wurden, ging es in einer Frage von Petra Arneth-Mangano (SPD). Denn das Impressum der Flyer nennt einen „Polizisten für Aufklärung e.V.“ als Urheber. Die Polizei habe damit jedoch nichts zu tun und distanziere sich klar davon, betonte Stumpf. Unter den Verantwortlichen, Angehörigen der „Querdenkerszene“, seien indes ehemalige, teils suspendierte Polizisten.

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