Mit gutem Beispiel voran ging der Ärztliche Direktor des Weilheimer Krankenhauses, Andreas Knez, der sich als erster im Landkreis impfen ließ. Bislang seien keinerlei Nebenwirkungen aufgetreten, wurde gestern versichert.
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Mit gutem Beispiel voran ging der Ärztliche Direktor des Weilheimer Krankenhauses, Andreas Knez, der sich als erster im Landkreis impfen ließ. Bislang seien keinerlei Nebenwirkungen aufgetreten, wurde gestern versichert.

Einrichtungsleiter sind in Sorge

Impfmuffel in den Pflegeheimen - an den Bewohnern liegt es nicht

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  • Sebastian Tauchnitz
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  • Stephanie Uehlein
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  • Franziska Florian
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  • Jörg von Rohland
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Während die Impfbereitschaft bei den Senioren in den Pflegeheimen groß ist, sieht es beim Personal anders aus. Das macht den Einrichtungsleitern der Altenheime im Landkreis Weilheim-Schongau mittlerweile erhebliche Sorgen.

  • Die ersten Senioren im Landkreis Weilheim-Schongau haben ihre erste Impfung schon erhalten
  • Doch in den Pflegeheimen sind nicht alle bereit für eine Impfung
  • Die Mitarbeiter stehen der Impfung noch skeptisch gegenüber, was bei den Einrichtungsleitern Sorgen bereitet

Landkreis – Erfreut wirkt Christian Osterried nicht gerade, wenn er von der Impfbereitschaft seines Personals spricht. Während 90 Prozent der 100 Senioren des Heilig-Geist-Spitals in Schongau ihre erste Spritze schon erhalten haben, lehnt eine Mehrheit der 85 Beschäftigten des Altenheims die Corona-Impfung noch ab, berichtet der Einrichtungsleiter. Als feststand, dass geimpft wird, hatte Osterried eine Umfrage im Haus gestartet: „25 Mitarbeiter hatten gleich zugesagt, zehn wollten noch abwarten, der Rest sprach sich gegen eine Impfung aus“, bedauert er. Immerhin: Unter den 45 Pflegekräften der Mitarbeiter ist die Impfbereitschaft vergleichsweise hoch. 20 Impfzusagen stehen 16 Ablehnungen gegenüber. „Neun überlegen noch“, so Osterried.

Schongau: Neun Mitarbeiter wurden bereits im Heilig-Geist-Spital geimpft

Der Seniorenheim-Chef hofft, dass sich in den kommenden Wochen noch viele der Beschäftigten für die Corona-Impfung entscheiden werden. Schließlich sei sie das, „was uns rettet; das oder nichts“, ist sich Osterried sicher. Die Senioren im Heilig-Geist-Spital hatten am 28. und 30. Dezember ihre ersten Dosen erhalten. Und weil noch einiges in den Fläschchen übrig war, wurden gleich noch neun Pflegekräfte mitgeimpft. Alle Senioren und Mitarbeiter haben den Wirkstoff laut Osterried sehr gut vertragen. Und das ist auch dem übrigen Personal nicht entgangen. Einige wären deshalb schon zu ihm gekommen, und hätten gesagt, sie würden sich jetzt doch gerne impfen lassen wollen, freut sich der Chef.

Doch Osterried ärgert es, dass die Hürden für Pfleger und Mitarbeiter „noch unnötig hoch hängen“. Sie bekommen ihre Spritzen gewöhnlich nicht gleich zusammen mit den Senioren im Altenheim, sondern müssen einen Termin im Impfzentrum in Peißenberg vereinbaren. Viele seiner Mitarbeiter hätten kein Auto, gibt Osterried zu bedenken.

Von einer Impfpflicht für Pflegekräfte hält er derweil ganz und gar nichts. Das würde die Skepsis gegenüber des Impfens nur erhöhen. „Und es wäre Wasser auf die Mühlen der Querdenker, die die Tatsachen verdrehen.“ Er selbst werde sich selbstverständlich impfen lassen, betont der Einrichtungsleiter.

Im Bürgerheim Weilheim liegt Impfbereitschaft der Mitarbeiter bei rund 40 Prozent

Im Bürgerheim in Weilheim sieht die Impfbereitschaft der Mitarbeiter ebenfalls nicht gut aus. „Wir haben am Sonntag allen Mitarbeitern die Möglichkeit geboten, sich impfen zu lassen“, sagt Einrichtungsleiter Rainer Schlosser. Von den insgesamt rund 135 Angestellten haben bisher nur 53 das Angebot angenommen. „Das ergibt laut meinen Berechnungen rund 40 Prozent“, so Schlosser. Bei den Bewohnern hingegen sei die Bereitschaft doppelt so hoch.

Doch nicht alle Mitarbeiter des Bürgerheims sind komplett gegen eine Impfung. „Viele haben gesagt, dass sie sich schon impfen lassen wollen. Aber eben erst später“, erklärt der Einrichtungsleiter. Später bedeutet, wenn der Impfstoff erprobter ist. Wann das jedoch der Fall sein wird, ist derzeit schwer abzuschätzen.

Seeshaupt: Noch keine Umfrage beim Personal gemacht

Von den etwa 130 Bewohnern des Seniorenwohnens in der „Seeresidenz Alte Post“ in Seeshaupt haben sich rund 85 Prozent für die Impfung entschieden, für die aber noch kein Termin feststeht. Das erklärte gestern der Geschäftsführer der Einrichtung, Stefan Müller. Die Mitarbeiter des Hauses, also auch die Pflegekräfte, wurden bislang noch nicht gefragt, ob sie sich gegen Corona impfen lassen möchten. Dies abzufragen, mache aktuell noch keinen Sinn.

„Positive Stimmung“ in den Krankenhäusern Schongau und Weilheim

Genaue Angaben darüber, wie hoch die Impfbereitschaft bei den Mitarbeitern der Krankenhaus GmbH Weilheim-Schongau ausfällt, wollte Geschäftsführer Thomas Lippmann gestern nicht machen. „Prinzipiell herrscht aber eine positive Stimmung in Sachen Corona-Impfung im Haus“, meinte er. Dass sich mit Andreas Knez und Michael Platz die beiden Ärztlichen Direktoren hätten als erstes impfen lassen, sei bei der Belegschaft gut angekommen und habe Vertrauen geschaffen. „Ich stehe voll dahinter und freue mich, dass derzeit vor allem gefragt wird, wann die nächsten Impfdosen kommen“, so Lippmann. Organisatorisch habe es derzeit keine Auswirkungen, ob sich eine Pflegekraft impfen lässt oder nicht. „Rein arbeitsrechtlich könnten wir auch gar nicht den Einsatz in bestimmten Abteilungen davon abhängig machen, ob jemand geimpft ist oder nicht“, so der Geschätfsführer. Diese Frage müsse auf Bundesebene geklärt werden. „Ich würde mich über mehr Klarheit in dieser Frage sehr freuen“, sagte Lippmann.  jvr/ff/sts/set

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