Das Impfzentrum ist im früheren Krankenhaus in Peißenberg eingerichtet.
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Das Impfzentrum ist im früheren Krankenhaus in Peißenberg eingerichtet.

Neue Informationen zu Abläufen und Zukunftsplänen

Impfzentrum: Landrätin bittet um Geduld

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
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In den vergangenen Tagen fanden keinerlei Corona-Impfungen im Impfzentrum in Peißenberg statt – es fehlte der Impfstoff. Die Zeit nutzten die Verantwortlichen gemeinsam mit Landrätin Andrea Jochner-Weiß, um über Abläufe und Zukunftspläne zu informieren.

Landkreis – „Die derzeitige Situation macht uns nicht glücklich, aber die Umstände haben wir nicht in der Hand“, sagte Landrätin Andrea Jochner-Weiß bei einem Pressegespräch am Dienstagnachmittag. Sie appellierte an die Bevölkerung: „Bitte bleiben Sie geduldig!“

Die ausbleibenden Impfstofflieferungen sorgen im ehemaligen Krankenhaus in Peißenberg, wo das von den Johannitern betriebene Impfzentrum eingerichtet wurde, für einigen Stress. Nicht nur, dass am 5./6./7. und 8. Januar nicht eine einzige Impfung durchgeführt werden konnte bzw. kann. Auch über 100 fest vereinbarte Impftermine – ein kompletter Tag – mussten abgesagt werden.

Nächste Lieferung Ende der Woche erwartet

Die Betroffenen wurden angerufen und informiert. Sie sollen umgehend einen neuen Termin bekommen, sobald wieder Impfstoff verfügbar ist, der nicht für Auffrischungsimpfungen benötigt wird, sagte der Verwaltungsleiter des Impfzentrums, Christian Achmüller.

Er erwartet die nächste Lieferung für Ende der Woche. Dann könnten ab Samstag weitere Heimbewohner geimpft werden. Die mobilen Impfteams seien dann auch am Wochenende unterwegs, denn die angelieferten 540 Impfdosen müssen binnen fünf Tagen verwendet werden.

Verbesserung bei der Terminvergabe

Auch das leidige Thema der überlasteten Hotline und der schwierigen Terminvergabe wurde am Dienstag nochmals diskutiert. Achmüller versprach auch in dieser Frage Besserung. Im Laufe der kommenden Wochen soll eine Anmeldung über das Internet möglich werden. „Dann müssen sich nur noch diejenigen an die Hotline wenden, die nicht im Internet unterwegs sind und keine Verwandten haben, die das für sie übernehmen können“, so Achmüller.

Weil trotz klarer Regelungen (wir berichteten) immer noch große Verunsicherung herrsche, wer wann an der Reihe ist, versprach die Landrätin: „Sobald sich die Liefersituation entspannt hat und wie geplant zwei große Lieferungen pro Woche eintreffen, werden wir alle, die Anspruch auf eine Impfung haben, anschreiben.“ Wann genau das der Fall sein wird, konnte sie noch nicht sagen.

Möglichst keine Impfdosis verschwenden

Vorerst konzentriere man sich darauf, die Bewohner in den Pflegeheimen zu impfen. Bettlägerige Patienten, die zu Hause gepflegt werden und nicht ins Impfzentrum kommen können, könne man momentan nicht impfen, stellte Verwaltungsleiter Achmüller klar. Das werde sich auch dann nicht ändern, wenn der zweite Impfstoff der Firma „Moderna“ zugelassen worden sei.

„Dieser Impfstoff ist eine noch größere Diva als das Biontech-Produkt, mit dem wir derzeit arbeiten“, sagte der Ärztliche Leiter des Impfzentrums, Christoph Wittermann. Das Biontech-Produkt müsse zwar bis zur Auslieferung bei minus 70 Grad gelagert werden, halte sich danach aber bei Kühlschranktemperaturen. Der „Moderna“-Impfstoff indes müsse durchgehend bei minus 20 Grad bis zur Verwendung aufbewahrt werden. Zudem werde er nur in Zehner- statt in Fünferdosen ausgeliefert. „Wir überlegen deswegen momentan, ob wir ,Moderna’ überhaupt bestellen“, so Achmüller.

Denn Ziel ist es, dass möglichst keine einzige Impfdosis verschwendet wird. Daher gebe es einen Pool mit den Mitarbeitern der Krankenhäuser, von Polizei und Feuerwehr. Wenn absehbar einige Dosen übrig bleiben, werden die besonders systemrelevanten Menschen von der Liste geimpft.

Die Planungen im Landratsamt gehen aber noch weiter. So soll nach Lösungen gesucht werden, wie zumindest in den drei Städten Penzberg, Weilheim und Schongau an einzelnen Tagen Impftermine angeboten werden können. Die Details dazu müssten allerdings noch abgesprochen werden, so Landrätin Andrea Jochner-Weiß.

Bürokratische und technische Hürden

Obwohl man also erhebliche Anstrengungen unternimmt, um so viele Menschen wie möglich schnellstmöglich zu impfen, hält Verwaltungsleiter Achmüller die Aussage des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU), jeder, der wolle, solle bis Ende des zweiten Quartals 2021 geimpft sein, „für nicht umsetzbar“.

Selbst wenn genügend Impfstoff zur Verfügung stehen würde, seien die bürokratischen und technischen Hürden zu hoch. „Bei jeder Impfung müssen wir dreimal auf den PC zugreifen, sind fünf Unterschriften des Arztes und vier des Patienten zu leisten“, sagte der Ärztliche Leiter Wittermann. Dazu komme, „dass die Impfungen unter Pandemiebedingungen stattfinden“. Das bedeute, dass auch die Abstandsregeln eingehalten werden müssen: „Wir versuchen alles, damit die Leute nicht draußen in der Kälte warten müssen“, so Wittermann.

Spürbare Entlastung

Ihn störe ein bisschen, dass gerade viel geklagt wird und viele die Erfolge nicht sehen: „Wir haben in diesen wenigen Wochen bereits 1200 Menschen im Landkreis geimpft. Das sind 1200 Menschen, die garantiert nicht mehr mit Komplikationen nach einer Corona-Infektion auf der Intensivstation landen werden. Das entlastet unser Gesundheitssystem jetzt schon spürbar.“

Corona: Die Weihnachtswelle ist da

Binnen 24 Stunden wurden von Montag, 12 Uhr, bis Dienstag, 12 Uhr, dem Gesundheitsamt 55 neue Infektionen mit dem Corona-Virus gemeldet. Die hohe Zahl liege auch daran, dass immer noch Infektionen aus der Zeit zwischen den Jahren nachgemeldet werden, sagte Landrätin Andrea Jochner-Weiß am Dienstag im Gespräch mit der Heimatzeitung.

Bei der Auswertung der Infektionsmeldungen falle auf, dass dabei zahlreiche Neuinfizierten den gleichen Nachnamen tragen. „Man muss kein Detektiv sein, um zu verstehen, dass wir hier die Konsequenz von Familientreffen an Weihnachten sehen“, so Jochner-Weiß.

Die Betroffenen wohnen in Altenstadt (ein Fall), Antdorf (4), Burggen (2), Hohenfurch (2), Iffeldorf (1), Ingenried (1), Obersöchering (1), Peißenberg (1), Peiting (5), Penzberg (14), Rottenbuch (1), Schongau (4), Schwabbruck (1), Seeshaupt (1), Weilheim (7), Wessobrunn (7) und Wielenbach (3).

Insgesamt sind im Landkreis Weilheim-Schongau bisher 2596 Personen mit einem positiven Test auf Covid-19 gemeldet worden. Davon sind 2346 Fälle wieder genesen. Seit Beginn der Pandemie sind insgesamt 28 Personen aus unserem Landkreis gestorben. Aktuell befinden sich 222 positiv getestete Personen und 399 weitere Kontaktpersonen in Quarantäne. Der Inzidenzwert lag am Mittwoch bei 91,5.

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