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Nicht nur Stichwortgeber, sondern Mitakteure waren die Zuschauer bei den „ImproSanten“ Christoph Emschermann (Mi.) und Michael Albrecht (r.) in der Stadtbücherei. 

impro-theater in weilheims stadtbücherei  

Kleine Zettel, großer Spaß

Weilheim – Die Gästezahl in der Stadtbücherei übertraf schon mal die Erwartungen. Genügend Pioniergeist hatte die Leitung auch mitgebracht, denn Improvisationstheater ist dort ein Novum in der Veranstaltungspalette.

Christoph Emschermann, im „wahren Leben“ Immobilienspezialist, und sein Freund, der Journalist Michael Albrecht, hatten am Freitagabend als „Die ImproSanten“ die Lacher auf ihrer Seite.  Zum Gelingen eines Impro-Abends gehören nicht nur wortgewaltige und schlagfertige Künstler auf der Bühne, auch das Publikum benötigt ein gerüttelt Maß an Witz und Erfindungsreichtum. An diesem Abend hatte man sich auf Zettelchen-Kommunikation eingeschossen: Das bestens gelaunte Publikum gab Stichworte, fiktive Antworten und Spiel-Genres vor; die Ziehung erfolgte in jeder Spielrunde nach dem Zufallsprinzip.

Die Rahmensujets kamen von der Bühne, besser gesagt in diesem Fall von einem kleinen Podest. Als Impro-Schauspieler kann man so gut wie jedes Talent abfeuern: Wandlungsfähige Mimik, Slapstick, Dialekte, Humor jeglicher Couleur (vor allem schwarzer) sind hier gern gesehen. Die Jagd nach der Pointe erfolgt gemeinsam mit dem Publikum, denn das ist schließlich Spielpartner und ergötzt sich herrlich an pfeffrigen Ladungen von beiden Seiten.

Zum Warm-up boten Albrecht und Emschermann erst einmal eine kleine Wort-schlacht und warfen sich gegenseitig Boshaftigkeiten wie Schmeicheleien zu. Dann fischte man im Märchenschatz, und die ersten Skurrilitäten schlüpften aus dem Ei: Die durch den Wald laufende Prinzessin findet einen Rohrreiniger (erster gezogener Publikumszettel), ehe sie im Musterhausküchenfachgeschäft Seitenbacher-Müsli nascht... Auch Zebras und Tellerwäscher wurden eingebunden ins groteske Geschehen. Hieß es „freeze“, gab es einen Szenenwechsel.

So jagte das Publikum die Komödianten durch eine verblüffende Mischung: Western, Horror, Historie, Piraten, Fingerpuppenspiel, Oper, Heavy Metal oder griechische Tragödie – „Die ImproSanten“ waren durch nichts in Verlegenheit zu bringen. Ob im Dreieck zwischen Problem, Schuld und Lösung oder in der klassischen Käufer-gegen-Verkäufer-Szenerie, mit schräger Ironie warfen sie sich gegenseitig die Bälle zu, verstrickten sich manchmal auch in die eigenen Wortabgründe. Das ist zwerchfellerschütternd und macht offensichtlich beiden Seiten enormes Vergnügen.

Dorothe Fleege

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