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Stehen für die „Fridays for Future“-Bewegung in Weilheim: die Schüler (v.l.) Benjamin Göbel, Aurelia Zlomislic und Jan Spiegler.

In Weilheim streiken nicht nur Schüler fürs Klima

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Mit einem globalen „Klimastreik“ startet am Freitag die Aktionswoche für Klimaschutz. In Penzberg und Weilheim finden Demos und Kundgebungen statt. Unter anderem Gewerkschaften rufen zum Streik auf, um die „Fridays for Future“-Aktivisten zu unterstützen – sogar Geschäftsleute beteiligen sich.

Landkreis Vor mehr als dreißig Jahren gab es das schon einmal: Der „Zauberberg“, Buchhandlung und Bioladen in Weilheim, öffnete einen Tag lang nicht, damit alle zur Demo nach Wackersdorf fahren konnten. Am kommenden Freitag, 20. September, ist wieder so weit: Der „Zauberberg“ schließt – zumindest von 11 bis 12.30 Uhr – , um sich am globalen Klimastreik zu beteiligen. „Ich denke, wir müssen ein klares Zeichen setzen – und das geht nur während der Arbeitszeit“, sagt Klaus Schuster, einer der Inhaber des „Zauberberg“. Die jungen Leute, die seit Monaten für Klimaschutz auf die Straße gehen, hätten zum Teil viel riskiert – „jetzt müssen wir Erwachsenen auch mal was riskieren, um den Protest im Fluss zu halten“, sagt Schuster.

Aktionsbündnis in Penzberg gegründet

So wie der Weilheimer Geschäftsmann sehen es inzwischen wohl viele Erwachsene: In Penzberg hat sich sogar ein „Penzberger Aktionsbündnis Klimaschutz“ formiert, bei dem unter anderem die „BN-Ortsgruppe“ und das „Interreligiöse Umweltteam“ mitmachen, um die „Fridays for Future“-Schüler zu unterstützen. Auch in Weilheim mischen die Erwachsenen in Sachen „Klimaschutz“ kräftig mit. Dort wurde eine „Parents4Future“-Gruppe gegründet. Für Freitag hat auch der Bezirksverband Oberbayern der Industriegewerkschaft „Bauen-Agrar- Umwelt“ die Beschäftigten in den rund 4000 Betrieben im Landkreis Weilheim-Schongau dazu aufgerufen, „ein Zeichen für mehr Klimaschutz“ zu setzen. Arbeitnehmer könnten zum Beispiel eine längere Mittagspause einlegen, so die Gewerkschaft in einer Pressemitteilung. Es sei höchste Zeit, sich auch im Beruf mit Themen wie „Erderwärmung“ auseinanderzusetzen.

Dass es höchste Zeit ist, sich für Klimaschutz einzusetzen und dafür, dass eine konsequentere Klima- und Umweltpolitik betrieben wird, meinen die acht Gymnasiasten aus Weilheim, die die Aktionen anlässlich des Klimastreiks und der Aktionswoche organisiert und mitorganisiert haben, schon lange.

Verschäfte Verweise kassiert

„Erst habe ich mir überlegt, was ich für den Klimaschutz tun kann und einiges geändert, dann kam der Wunsch, andere zu ändern“, sagt zum Beispiel Jan Spiegler. Der 16-jährige Gymnasiast ist von Anfang an bei den Freitagsdemonstrationen dabei und hat auch die beiden „Fridays for Future“-Demonstrationen in Weilheim mitorganisiert. Auch seine beiden Mitstreiter Benjamin Göbel (16) und Aurelia Zlomislic (14) haben fast keine Freitagsdemo versäumt, seit es die Bewegung gibt. Die beiden Schüler haben jeweils schon einen verschärften Verweis dafür kassiert.

Viele Schüler, die sich am Klimastreik beteiligen, haben nichts zu befürchten – sofern sie eine Entschuldigung der Eltern vorlegen können. Laut der Organisatoren dürfen Gymnasiasten und Realschüler mit Entschuldigung teilnehmen, ohne bestraft zu werden. Die Montessori-Schule Peißenberg habe sogar eine Fahrt nach Weilheim organisiert. Selbst einige die Grundschulen beteiligten sich, zwar nicht mit Streiken, dafür aber mit Projekten zum Thema, so Spiegler.

Die Gymnasiasten sind glücklich darüber, dass es Jugendlichen weltweit gelungen ist, Aufmerksamkeit für den Klimaschutz zu schaffen, dennoch sehen sie keinen Grund dafür, im Protest nachzulassen – im Gegenteil. „Ich bin weniger glücklich darüber, dass es noch an politischen Konsequenzen fehlt“, sagt Benjamin Göbel. Aurelia Zlomislic fürchtet vor allem die Trittbrettfahrer: „Es schwächt unsere Bewegung, wenn man Solidarität bekundet und nichts macht.“

Das Programm für die Aktionswoche:

Freitag, 20. September: Demonstrationen mit Kundgebungen in Weilheim (11 Uhr, Kirchplatz) und Penzberg (11.45 Uhr, Gymnasium, über Phillipstraße, Zweigstraße, Bahnhofstraße zum Stadtplatz). Samstag, 21. September: 10 bis 14 Uhr, „WM-SOG For Future: Wir für unsere Region“, großer Info-Stand am Kirchplatz in Weilheim, Austausch, Infos und Beteiligung sowie Welt-Aufräumtag, 11 Uhr. Sonntag, 22. bis Donnerstag, 26. September: #SpeakersCorner, Austausch, Infos und Beteiligung. Sonntag, 22., Montag, 23. und Mittwoch, 25. September, jeweils von 12 bis 15 Uhr, Dienstag, 24. und Donnerstag, 25. September, jeweils 15 bis 17 Uhr, Kirchplatz Weilheim. Sonntag, 22. September: 13.30 Uhr, Menschenkette für das Klima, , Kirchplatz Weilheim. Montag, 23. September: 20 Uhr, Vortrag „Fakten zum Klimawandel“, Prof. Dr. Emeis, Aktion der evangelischen Kirche, Weilheim, Münchener Str. 4, Gemeindesaal Apostelkirche. Dienstag, 24. September: 19 bis 20 Uhr, Meditation „Sinn, Mut und Zuversicht für eine bessere Welt“, Jugendhaus „Come In“, Weilheim, Pütrichstr. 14. Mittwoch, 25. September: 19 Uhr, Vortrag „Klimareise durch die Zeit“, Samuel und Marcus Reichenberg, Weilheim, Kaltermooserstr. 10, „Greensurance Stiftung“. Donnerstag, 26. September: 19 Uhr, „Before the Flood“ von Leonardo DiCaprio, Filmabend, Essen und Austausch, Weilheim, Kirchplatz 5, Café Rosalie. Freitag, 27. September: 13.30 bis 16 Uhr, Abschlusskundgebung „Alle zusammen für das Klima“ Weilheim, Kirchplatz.

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