Eine Baustelle
+
Wohnraum wird gebraucht in Weilheim. Doch die Frage ist: Wo soll er entstehen? Im Innen- oder Außenbereich? (Symbolbild)

Stadtentwicklung

„Innen statt außen“: Weilheim soll sich bekennen

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
    schließen

Potenziale innerhalb der Stadt nutzen statt neue Baugebiete am Rand ausweisen: Das könnte künftig noch stärker Weilheims Maxime in Sachen Stadtentwicklung sein. Die ÖDP im Stadtrat fordert ein klares Bekenntnis in diesem Sinne – das zugleich üppige Zuschüsse bringen könnte. Doch es gibt auch warnende Stimmen.

  • Weilheim muss wachsen - aber wo? Dazu ist in Weilheim eine Debatte entbrannt.
  • Die ÖDP fordert, dass innerstädtische Flächen intensiver bebaut werden sollen.
  • Doch einige Stadträte sehen das kritisch.

Weilheim – Kaum einen Monat ist es her, dass ÖDP-Stadtrat Gerd Ratter beantragt hat, die Stadt solle eine Bedarfsanalyse und eine Leerstandsanalyse bezüglich des Wohnraums in Weilheim erstellen lassen. Zwar wurde dieser Vorstoß nach erster kontroverser Debatte zur Beratung in die Fraktionen verwiesen (wir berichteten) und somit vertagt. Doch Ratter lässt nicht locker. Die Ausführungen des Stadtbauamts zum Thema veranlassten ihn nur zwei Tage später zu einem weiteren Antrag.

Der Stadtrat solle beschließen, „dass bei der künftigen Stadtentwicklung das Innenentwicklungspotential möglichst umfassend ausgeschöpft wird“. Denn damit würde man deutlich machen, dass zusätzliche Flächenversiegelung in Weilheim minimiert werden solle und „der Innenentwicklung Vorrang vor der Ausweisung neuer Baugebiete geben wird“, so Ratters Begründung. Und unabhängig von einem Ja zur Bedarfs- und zur Leerstandsanalyse würde dieser Beschluss die Teilnahme am Programm „InnenStattAußen“ ermöglichen – was der Stadt satte staatliche Förderungen für entsprechende Projekte sichern würde.

300 neue Wohneinheiten bereits entstanden, 635 weitere in Planung

Das Stadtbauamt unterstützte diesen Antrag in der Oktober-Sitzung des Bauausschusses und verwies auf die vielen aktuellen Planungen zur Nachverdichtung im Innenbereich Weilheims. In jüngster Zeit seien bereits rund 300 neue Wohneinheiten im Stadtgebiet entstanden, und für weitere 635 laufen derzeit die Planungen, wie Bauverwaltungsleiter Manfred Stork vorrechnete (siehe Kasten). Auch hinsichtlich ihrer Folgen für die Infrastruktur – etwa für den Verkehr und die Kinderbetreuung – könnten diese Projekte „nur peu à peu abgearbeitet werden“, so Stork: „Aber dafür wäre so ein Grundsatzbeschluss schon sinnvoll.“

Lesen Sie auch: Letzter Akt für Bebauungsplan am Krumpperplatz

Dann gebe es „bessere Fördermöglichkeiten“, ergänzte Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt und betonte, es gehe um „ein Bekenntnis“, mit dem sich die Stadt keineswegs selbst fesseln würde: „Wir gängeln uns damit nicht, wir halten nur das fest, was wir ohnehin schon machen.“

Lesen Sie auch: Neue Klimaschutzmanagerin: „Ausschreibung? Brauchen wir nicht“

Rupert Pentenrieder aber mahnte zur Vorsicht. Man dürfe „nicht dazu animieren, dass alle, die ein Grundstück haben, jetzt auch noch aufspringen“, betonte der BfW-Vertreter: „Wir müssen eher ein bisschen auf die Bremse treten.“ Immerhin bedeuteten die laufenden Projekte „an die 1000 Wohnungen mehr, das sind 2000 bis 3000 Einwohner mehr“ – und das sei in fünf Jahren nicht zu bewältigen, so Pentenrieder. „Wir wachsen und wachsen momentan – für den Zuzug“, räumte Stadtbaumeisterin Roppelt ein. Umso mehr gehe es ums Flächensparen.

Mit weiteren Einwohnern kommen auch weitere Aufgaben für die Stadt

„Wir müssen uns jetzt schon parallel Gedanken machen, welche Infrastrukturmaßnahmen aufgrund der aktuellen Projekte nötig sind“, sagte Grünen-Vertreter Alfred Honisch zur vorgelegten Liste. Und für Horst Martin (SPD) ist klar: „Wir können uns gegen die Wohnungsbauten eh nicht wehren“, doch mit einem Bekenntnis in Ratters Sinne seien wenigstens Fördergelder zu bekommen. So warb auch Andreas Halas (ÖDP) dafür, den Antrag zu unterstützen: „Es geht darum, dass wir den Innenraum kreativ analysieren – und das gefördert bekommen.“

Am Ende fand sich bei der Vorberatung im Bauausschuss eine Mehrheit für den Antrag von Gerd Ratter – gegen die Stimmen von Pentenrieder und Stefan Zirngibl (CSU). Bauverwaltungs-Chef Stork hatte den Beschlussvorschlag extra „ein bisschen harmlos“ formuliert: „Die Stadt Weilheim wird auch in der künftigen Stadtentwicklung neben der Abwägung zur Neuausweisung von Baugebieten gezielt gemäß dem städtebaulichen Programm ,InnenStattAußen’ Potentiale der Innenentwicklung ausschöpfen.“ Entschieden wird darüber in der Stadtratssitzung am kommenden Donnerstag, 15. Oktober, ab 18.30 Uhr in der Stadthalle.

Auch interessant

Kommentare