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Sylvia Hirschvogel testet schon länger in ihrer Apotheke.

In Apotheken im Landkreis

Interesse an „Bürgertests“ steigt

  • Kathrin Hauser
    vonKathrin Hauser
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Inzwischen ist die Verordnung vom Bund da, nach der Apotheker kostenlose Corona-Schnelltests durchführen können. Dennoch werden nicht viele Apotheken diesen personellen und organisatorischen Kraftakt stemmen können.

Landkreis – Irgendwann hat es Sylvia Hirschvogel, der Inhaberin der „Markt-Apotheke“ in Peiting, einfach gereicht. Seit September gab es die Corona-Schnelltests für Mediziner und Apotheker zu kaufen, seit Dezember hätten Apotheker und Mediziner sie auch vornehmen dürfen, und für 1. März waren sie als Angebot versprochen, das jeder Bürger ein Mal pro Woche gratis in Anspruch nehmen darf.

Nachdem der Termin auf den 8. März verschoben worden war und am Montag die entsprechende Verordnung aus dem Bundesgesundheitsministerium immer noch auf sich warten ließ, hat Sylvia Hirschvogel angefangen, kostenlose Schnelltests anzubieten. Schon Mitte Februar habe sie sich an den Peitinger Bürgermeister, Peter Ostenrieder, gewandt, mit dem Anliegen, in der Marktgemeinde möglichst zahlreiche Schnelltests für möglichst viele Bevölkerungsgruppen anzubieten, doch dieser habe darauf verwiesen, dass dafür der Landkreis zuständig sei, berichtet Sylvia Hirschvogel. Sie habe den Bürgermeister dazu motivieren wollen, mit den Tests anzufangen, in der Hoffnung, dass andere Gemeinden oder der Landkreis mitziehen würden, doch das sei nicht geglückt.

Dann hat es ihr gereicht. Sie hat sich entschlossen, ab 8. März in ihrer Apotheke Schnelltests anzubieten – ob sie das offizielle Okay hatte oder nicht. Sie hat sich ein Online-Anmeldungssystem einfallen lassen, das funktioniert und den organisatorischen Aufwand begrenzt. Und bislang werde das Angebot zwar gut angenommen, sie könnte aber noch mehr Schnelltests durchführen, sagt die Apothekerin: „Im Moment sind es 15 bis 20 pro Tag, wir könnten 30 bis 40 schaffen.“

Sie teste aus Überzeugung: „Es ist mir einfach ein Anliegen, dass wir der Sache Herr werden.“ Dass Schulen, Geschäfte und Frisöre nun zwar geöffnet wurden, es aber noch immer keine Teststrategie gibt, bereitet ihr Sorgen: „Das finde ich einfach schlimm.“ Sie ist enttäuscht von der Politik, die ihrer Berufsbranche Vieles aufbürdet und immer der Entwicklung hinterherhinkt: „Wir müssen schneller als das Virus sein, und das geht nur mit Strategie.“

Auch Joachim Lippl, dessen Familie die „Stadt-Apotheke“ in Penzberg führt, ist verärgert darüber, wie seit Monaten mit den Apotheken umgegangen wird: „Wir werden immer vor vollendete Tatsachen gestellt.“ In seiner Apotheke gibt es zwar schon Schnelltests für Zuhause zu kaufen, er führt diese in seiner Apotheke aber nicht durch. „Das ist ein enormer organisatorischer und personeller Aufwand“, sagt Joachim Lippl. Seiner Ansicht nach ist es zur Bekämpfung der Pandemie vor allem wichtig, beim Impfen voranzukommen. „Es betrübt mich wirklich, dass wir das so langsam sind.“

Nachdem bekannt wurde, dass der „Bürgertest“ nun ein Mal pro Woche gratis zu erhalten ist, habe das Interesse daran stark zugenommen, berichtet der Inhaber der „St. Ulrich-Apotheke“, Dr. Philipp Kircher in Peißenberg, der die Schnelltests im Wohnwagen auf dem Parkplatz hinter seiner Apotheke durchführt: „Die Leute sind froh über diese Möglichkeit, die Anmeldezahl geht nach oben.“ Viele benötigen einen negativen Test inzwischen für die Arbeit oder andere Dinge.

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