Die Glashäuser der Gärtnerei „Ferchl“ liegen künftig inmitten des neuen Gewerbegebietes. Ruder

Interkommunales Gewerbegebiet „Achalaich“  

„Ein klarer Fall von Zersiedelung“

  • schließen

Am  Donnerstag wollen  Weilheim und  Polling endgültig Fakten schaffen für ihr „interkommunales Gewerbegebiet Achalaich“.  Im Weilheimer Stadtrat steht der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan an, zu diesem Tagesordnungspunkt tritt der Gemeinderat Polling hinzu. Die Zustimmung dazu dürfte nur noch Formsache sein.

Weilheim – So war es auch bei der Vorberatung im Bauausschuss des Weilheimer Stadtrats, wo die acht Stellungnahmen aus einer neuerlich nötigen Beteiligung der Öffentlichkeit und der Fachbehörden vorbesprochen wurden. Und doch entspann sich noch einmal eine Grundsatzdiskussion zu dem lange geplanten Gewerbegebiet auf freiem Feld zwischen Weilheim und Polling.

Grünen-Sprecher Alfred Honisch sagte, er habe „gehöriges Bauchgrimmen bei dieser Sache“, und verwies auf „massive Einsprüche“ der Abteilung „Fachlicher Naturschutz“ am Landratsamt. Doch diese, so entgegneten das Stadtbauamt und Bürgermeister Markus Loth (BfW), würden bis zur entscheidenden Stadtratssitzung noch „geklärt“.

Einziger Kritikpunkt der Naturschutzbehörde ist laut Stadtbauamt (die Stellungnahme selbst wurde unserer Zeitung nicht zur Verfügung gestellt) die Art und Berechnung der Ausgleichsflächen. Weilheim will dafür aufgewertete Flächen aus dem Stadtwald anrechnen lassen, diese erkennt der „Fachliche Naturschutz“ aber offenbar nicht an; zudem fordert er mehr Ausgleichsflächen.

Den CSU-Stadtrat Stefan Zirngibl erzürnte dies: „Die Landratsämter Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen sind diesbezüglich die strengsten in ganz Bayern, die gehen immer an die Obergrenze“, schimpfte Zirngibl im Ausschuss: „Unsere Ausgleichsflächen im Wald sind allgemein anerkannt, nur in der Naturschutzbehörde unseres Landratsamtes offenbar nicht.“

Gegen „Achalaich“ selbst richtet sich die Stellungnahme von „Bund Naturschutz“ und Arbeitskreis „Natur“ der Weilheimer Agenda 21: Wegen der Lage im Außenbereich sei dieses Gewerbegebiet „ein klarer Fall von Zersiedelung“. Eine schonende Einbindung in die Landschaft, wie sie der Regionalplan Oberland fordere, sei weder möglich noch angestrebt.

Das zeige die Begründung zum Flächennutzungsplan, laut der „Achalaich“ mit seinem Alpenblick insbesondere für Betriebe geeignet sei, die „auf eine gute Außenwirkung und Sichtbarkeit angewiesen sind“.

Laut „Landesentwicklungsprogramm 2013“ der bayerischen Staatsregierung dürfe „Achalaich“ gar nicht gebaut werden, so die Naturschützer. Denn darin heiße es, neue Siedlungsflächen im Außenbereich seien nur ausnahmsweise zulässig, „wenn auf Grund der Topographie (...) ein angebundener Standort im Gemeindegebiet nicht vorhanden ist“.

Davon könne jedoch weder für Weilheim noch für Polling die Rede sein. In beiden Orten gebe es Bereiche, die von der Topographie her „sowohl für Wohnbebauung als auch für gewerbliche Bebauung“ geeignet seien.

Eine inhaltliche Diskussion über diese Stellungnahme gab es in der Bauausschuss-Sitzung nicht. Stadtrat Zirngibl monierte, dass „immer wieder dieselben Stellungnahmen“ kämen: „Ich würde mir vom Bund Naturschutz mal eine Alternativlösung wünschen.“ Weilheim könne jedenfalls nicht auf weitere Gewerbeansiedlungen verzichten, betonte der CSU-Vertreter, der auch Kreishandwerksmeister ist – „sonst können wir hier einpacken und unseren Haushalt gleich mitnehmen“.

In ein ähnliches Horn stieß BfW-Sprecher Dr. Claus Reindl: Die Stadt sei – „auch seitens der Agenda 21 und des Bundes Naturschutz“ – „ständig mit Forderungen konfrontiert“, etwa nach neuen Kindertagesstätten oder dem Ausbau und der Sanierung von Schulen. „Das Geld dafür muss verdient werden“, so Reindl, „und woher soll es kommen ohne Wachstum?“.

Dagegen muss laut Grünen-Vertreter Alfred Honisch sehr wohl diskutiert werden, ob und zu welchem Zweck es weitere Gewerbegebiete in Weilheim geben solle. Der Zweck sei wohl, so Honisch mit Blick aufs Globale, „dass wir ein Wachstum anstreben, das uns letztlich in allen Belangen kaputtmacht“.

Er sei „anfangs für diese Idee des interkommunalen Gewerbegebietes gewesen“, sagte Honisch. Doch beim Satzungsbeschluss kommenden Donnerstag im Stadtrat werde er nun nur zustimmen, „wenn sichergestellt wird, dass dieses Gewerbegebiet CO2-frei betrieben wird“. Ein Vorbild bezüglich der Energieversorgung zu schaffen, sei insbesondere „an dieser exponierten Stelle“ wichtig.

Die Stadtratssitzung

mit dem Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan „Interkommunales Gewerbegebiet Achalaich“ beginnt am kommenden Donnerstag, 27. Juli, um 19 Uhr im großen Sitzungssaal des Weilheimer Rathauses.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Reifenschlitzer hinterlässt Blutspur 
Ein Reifenschlitzer trieb in der Nacht auf Sonntag in der Weilheimer Altstadt sein Unwesen, 21 geschädigte Autobesitzer hatten sich bei der Polizei bis Montagfrüh schon …
Reifenschlitzer hinterlässt Blutspur 
Einbruch in Reitsport-Geschäft
Einbrecher haben ein Reitsport-Geschäft in Penzberg heimgesucht. Die Polizei bittet um Hinweise.
Einbruch in Reitsport-Geschäft
Unfall auf A95: Gaffer folgten Abschleppwagen für Fotos
Auf der A95 bei Penzberg hat sich am Sonntagabend ein schwerer Unfall ereignet. Vier Menschen wurden verletzt. Die Autobahn war längere Zeit gesperrt. Und auch diesmal …
Unfall auf A95: Gaffer folgten Abschleppwagen für Fotos
Schläger muss vier Monate hinter Gitter
Ein Penzberger schlägerte just an seinem 21. Geburtstag - und kam so unters Erwachsenenstrafrecht. das Urteil: Vier Monate Gefängnis.
Schläger muss vier Monate hinter Gitter

Kommentare