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Bringen eines der wichtigsten und spannendsten Stücke der Theaterliteratur auf die Bühne des Weilheimer Stadttheaters: Hauptdarstellerin Yvonne Brosch und Regisseur Celino Bleiweiß (81), der bei den Weilheimer Festspielen bereits „Mutter Courage“ (2002), „Die Physiker“ (2007) und „Gespenster“ (2015) inszeniert hat.

Weilheimer Festspiele 2018

„Dieses Stück kann niemanden kaltlassen“

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Hochspannung im Weilheimer Stadttheater: Siebenmal ist bei den Weilheimer Festspielen „Der Besuch der alten Dame“ zu sehen - „eines der besten Theaterstücke überhaupt“,  wie die Macher meinen. 

Weilheim – Am Freitag, 12. Oktober, ist Premiere für „Der Besuch der alten Dame“ bei den Weilheimer Festspielen. Hauptdarstellerin Yvonne Brosch, Regisseur Celino Bleiweiß und Ausstatter Andreas Arneth erklären im Interview, was sie an dem Drama von Friedrich Dürrenmatt begeistert – und warum sich auch das Publikum dessen Sog und Spannung nicht wird entziehen können.

Herr Bleiweiß, Sie inszenieren zum vierten Mal bei den „Weilheimer Festspielen“. Weckt Weilheim bei Ihnen schon Heimatgefühle?

Celino Bleiweiß: Ja, auf jeden Fall. Und ich komme sehr gerne heim – zu Brüdern und Schwestern im Geiste.

Yvonne Brosch: Dass wir die „Alte Dame“ machen, war ja auch Deine Idee...

Celino Bleiweiß: Ja, da habe ich eine Weile an Dich hingeredet...

Yvonne Brosch: Wofür ich Dir jetzt wirklich dankbar bin!

Vor elf Jahren führten Sie hier Regie bei „Die Physiker“, nun inszenieren Sie wieder eines der großen Dramen Dürrenmatts. Ein Zufall?

Celino Bleiweiß: Was ist Zufall? Seit einigen Jahre sage ich, Yvonne soll die „Alte Dame“ spielen, bevor sie selber alt ist.

Yvonne Brosch: Klar, wenn man eine ältere Schauspielerin ist, gibt es nicht mehr so viele Rollen. Aber die, die es gibt, sind großartig!

Was macht den „Besuch der alten Dame“ zu einem der wichtigsten Theaterstücke überhaupt, wie es in der Festspiel-Ankündigung heißt?

Celino Bleiweiß: Es ist das erfolgreichste Stück von Dürrenmatt, und es ist unglaublich gut geschrieben. Es ist eine Tragödie mit komödienhaften Momenten – was es selten gibt. Es ist sehr spannend, am Rande des Kriminalstücks. Und es stellt die Zuschauer in Frage. Es geht um die immer aktuelle Frage der Käuflichkeit des Menschen. Wobei man selber ja nie käuflich ist – man kennt nur die anderen, die es sind...

Andreas Arneth: Diese Geschichte kann niemanden kaltlassen. Und es ist auch ein Stück, mit dem wir junge Leute ins Theater reinbekommen – was gar nicht so einfach ist...

Was hat uns dieses Drama im Jahr 2018 zu sagen?

Celino Bleiweiß: Es stellt uns die Frage, die wir uns selbst hoffentlich auch stellen: Wie weit lassen wir uns korrumpieren? Wie bestechlich sind wir? Wir sind überzeugt, wir sind es nicht – und dann ist es doch nur eine Frage des Preises.

Andreas Arneth: Das Perfide ist, dass alle mitmachen. Das Verhalten des einen bedingt das des anderen.

Herr Bleiweiß, was ist Ihnen in Ihrer Inszenierung besonders wichtig?

Celino Bleiweiß: Erst mal dürfen Sie davon ausgehen, dass wir kein realistisches Bühnenbild machen. Wir stellen nicht ein Schweizer Städtchen auf die Bühne und erst recht kein verarmtes Städtchen. Wir lassen es so, dass sich der Zuschauer eine Stadt vorstellen kann – und auch die Zeit. Wir legen die Handlung nicht offen in die heutige Zeit, sondern blenden die Zeit auf der Bühne aus. Man kann sich vorstellen, dass es früher oder heute spielt. Es ist zeitlos.

Yvonne Brosch: Und was die Personen betrifft: Du führst die alte Dame so, dass sie keine Furie ist. Es geht um die Hintergründe.

Celino Bleiweiß: Es wird gezeigt, dass Menschen zu großer Liebe fähig sind, aber dass aus enttäuschter Liebe auch großer Hass entstehen kann – und Gleichgültigkeit. Das Gegenteil von Liebe ist nicht nur Hass, sondern auch Gleichgültigkeit, das steht wohl schon im Alten Testament. Die alte Dame hasst einen und nimmt die Folgen für alle gleichgültig in Kauf. Es ist ihr wurscht, was den anderen passiert.

Andreas Arneth: Das ist genau ein Grundproblem unserer heutigen Zeit. Diese Perfidität der Allgemeinheit finde ich ganz stark in diesem Stück: Dass man in seiner Schlechtigkeit sogar überzeugt ist, gut und gerecht zu handeln...

Dürrenmatt selbst bezeichnete das Stück als „Tragikomödie“. Entdecken Sie tatsächlich Komisches darin?

Celino Bleiweiß: Von meinem ersten Professor habe ich seinerzeit eine Definition von Komik gehört: Komik entsteht aus dem Zusammentreffen des Unerwarteten mit dem Unangemessenen. Und das trifft hier zu, das passiert in diesem Stück immer wieder. Auf keinen Fall ist es so, dass wir „komisch“ spielen...

Warum sollten sich die Weilheimer dieses Festspiel Ihrer Meinung nach unbedingt anschauen?

Celino Bleiweiß: Weil es spannend ist! Und weil es ein Erlebnis ist. Und weil man dann auch über sich und seine Zeit nachdenkt – ob man will oder nicht.

Interview: Magnus Reitinger

Aufführungen von „Der Besuch der alten Dame“ sind an folgenden Tagen im Stadttheater Weilheim: Freitag, 12. Oktober, 20 Uhr; Samstag, 13. Oktober, 20 Uhr; Freitag, 19. Oktober, 18 Uhr (anschließend Lichtkunst-Festival); Donnerstag, 25. Oktober, 20 Uhr; Freitag, 26. Oktober, 20 Uhr; Samstag, 27. Oktober, 20 Uhr; Sonntag 28. Oktober, 18 Uhr. Karten gibt es beim Kreisboten-Ticketservice in der Sparkasse am Marienplatz, im Veranstaltungsbüro der Stadt im Rathaus und bei der „Hotline“ 0152-56570359.

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