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Auch Leitern sind Trommeln bei „Power! Percussion“ mit Jürgen Weisha upt (r.). 

Interview mit Jürgen Weishaupt

„Rhythmus berührt einfach“

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Der Weilheimer Jürgen Weishaupt (47) spielt mit „Power! Percussion“ weltweit vor tausenden Zuschauern. Doch richtig nervös macht ihn das bevorstehende Heimspiel...  

Im „ZDF-Fernsehgarten“ sorgten sie kürzlich zwischen Heino, „Caught In The Act“ und den „Kastelruther Spatzen“ für Furore. Ansonsten sind die vier Schlagzeuger von „Power! Percussion“ weltweit unterwegs, trommeln oft vor Tausenden Zuschauern. Ein ganz besonderer Auftritt aber wird jener am 7. Januar in der Weilheimer Stadthalle – jedenfalls für Jürgen Weishaupt, einen der vier Percussion-Profis. Der 47-Jährige lebt mit seiner Familie in Weilheim und freut sich riesig auf das Heimspiel.

Mal ehrlich: Hatten Sie bis vor zwei Wochen je den „ZDF-Fernsehgarten“ angeschaut?

Bei uns läuft tagsüber eigentlich selten der Fernseher... Aber in den letzten Wochen hab’ ich doch ab und zu reingeschaut. Erst, um mich auf dieses Format einzustellen. Und dann natürlich, um unseren eigenen Auftritt zu sehen. Es ist ein Familien-Unterhaltungsformat, in das wir ganz gut reinpassen, wie ich festgestellt habe. „Power! Percussion“ ist im Prinzip auch so ein Familien-Ding – da haben sowohl Kinder als auch die Älteren Spaß.

Und, wie war’s, im „Fernsehgarten“ aufzutreten – neben Prominenz wie Heino oder Chris de Burgh?

Mir macht so was immer total Spaß. Allein schon, um zu sehen, ob die Stars wirklich so sind, wie man sie sich vorstellt – ob sie arrogant sind oder Leute wie du und ich. Heino zum Beispiel ist ein sehr höflicher, kollegialer, charmanter Mensch. Der ist seit 50 Jahren im Showgeschäft, der könnte sagen: Lasst mich doch alle in Ruhe! Aber der interessiert sich für andere, erkundigt sich... – ein sehr netter Mensch.

Ein Weihnachtslieder-Medley, wie Sie’s im „Fernsehgarten“ gespielt haben, ist wahrscheinlich nicht sehr typisch für „Power! Percussion“, oder?

Das Stück an sich fällt schon aus dem Rahmen, das war im Prinzip eine Auftragsarbeit für den „Fernsehgarten“ – eine spannende Aufgabe, die sehr viel Spaß gemacht hat. Wir haben die Weihnachtslieder aber verknüpft mit Passagen, wie sie sich auch sonst bei uns finden.

Was ist die Grundidee von „Power! Percussion“?

Die hat sich nach und nach entwickelt. Am Anfang stand, dass wir uns immer wieder in der Münchener Schlagzeuger-Szene getroffen haben, uns sympathisch fanden und auf die Idee kamen: Machen wir doch einfach eine Schlagzeuger-Band! Das war vor 17 Jahren, noch bevor die ganzen asiatischen Trommlergruppen kamen. Dann hatten wir die Gelegenheit, für ein Mitternachts-Event so ein Projekt auszuprobieren: eine Band nur mit Trommlern. Das war das Paradies für uns! Nach zwei, drei weiteren Anfragen wurde ein ganzes Programm daraus, die „Instrumente“ aus dem Baumarkt, zum Beispiel Alu-Leitern, kamen hinzu. Und bei unserem ersten abendfüllenden Konzert in der Stadthalle Gütersloh waren die Besucher so aus dem Häuschen, dass wir wussten: Das funktioniert.

Wie ist dabei das Verhältnis von Musik und Show?

Wir achten sehr darauf, dass wir sämtliche Sinne bedienen. Auf CD funktioniert unsere Musik nicht – man muss uns tatsächlich sehen. Also geben wir uns Mühe, dass man uns gut sieht, dass es schöne Lichteffekte gibt, das Programm eine Dramaturgie hat. Da wechseln die Stimmungen, da gibt es viel zu lachen, da gibt es magische Momente und viele Überraschungen. Das bringt entsprechenden Aufwand mit sich: Wir haben einen tollen Lichttechniker, der kommt mit einem eigenen Lkw an... Es gibt also viel zu schauen bei unserer Show, aber eben auch zu hören. Auf diese Mischung kommt es an.

Muss man’s eigentlich laut mögen, um „Power! Percussion“ genießen zu können?

Nein, gar nicht. Klar gibt es laute, druckvolle Momente, es muss schon mal kesseln. Aber es spielt auch mal einer allein Marimba, es ist auch mal sehr leise. Wir schöpfen die ganze Bandbreite aus. Dabei kommt uns zugute, dass zwei Mitglieder klassische Schlagwerker sind und zwei aus dem Pop-Rock-Bereich kommen.

Vom Münchener Prinzregententheater bis zu bedeutenden Sälen in China und Taiwan: „Power! Percussion“ hat an vielen namhaften Orten gespielt. Welchen Stellenwert hat die Weilheimer Stadthalle in dieser Liste?

Ich bin zehnmal so aufgeregt wie im „Grand National Theatre“ in Peking! Ein Heimspiel ist für einen Musiker immer was Besonderes, vergleichbar vielleicht mit einem Derby im Fußball. Da kommen alle Freunde. Wenn in Peking was nicht klappt, bist du am nächsten Tag wieder weg. Aber hier treffe ich alle wieder beim Bäcker oder sonst wo. Aber ich freu’ mich total drauf und finde es schön, allen mal zu zeigen, was wir eigentlich so machen, wenn wir auf Tour gehen.

Gibt’s eigentlich das typische „Power! Percussion“-Publikum?

Glücklicherweise gibt’s das nicht, sonst könnten wir größere Spielstätten gar nicht füllen. Trommeln sind eine sehr archaische Geschichte, die knipst nicht nur Kinder sofort an, sondern alle Altersgruppen und Gesellschaftsschichten. Da sitzen alle querbeet, und alle können was damit anfangen. Das ist anders als beim Blockflötentrio. Wir haben auf Festivals vor 20 000 Leuten gespielt oder in der Olympiahalle beim 6-Tage-Rennen – selbst da funktioniert das. Das liegt daran, dass die Trommel neben der Stimme das direkteste Instrument ist. Deswegen hat sie ja auch so große geschichtliche und kulturelle Bedeutung, vom Kommunikationsmittel bis zur Unterstützung religiöser Riten. Rhythmus berührt einfach.

Das Konzert von „Power! Percussion“ beginnt am Samstag, 7. Januar, um 19.30 Uhr in der Stadthalle Weilheim. Vorverkauf: Medienhaus-Ticketservice in der Sparkasse am Marienplatz Weilheim (Telefon 0881/686-11). Für Kinder bis 12 Jahre gibt’s beim Konzert einen eigenen Bereich am Boden vor der Bühne (Sonderpreis: 5 Euro). Info: www.powerpercussion.de.

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