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Debatte im Kreis- und Schulausschuss

Geplantes IT-Konzept des Landkreises für Schulen ist umstritten

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Die Schulen müssen fit gemacht werden für die digitale Zukunft. Um die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, strickt der Landkreis an einem einheitlichen IT-Konzept. Das sorgt allerdings für reichlich Unfrieden.

Landkreis – Derzeit ist die Lage an den 15 Schulen, für die der Landkreis zuständig ist, vorsichtig formuliert, unübersichtlich. Die Schulen waren bislang weitestgehend frei in der Planung der technischen Ausstattung und beantragten die dafür nötigen Mittel beim Landkreis.

Das sorgte dafür, dass es nahezu keine Vergleichbarkeit gibt. In manchen Schulen haben die Lehrer eigene E-Mail-Adressen, in anderen nicht. In manchen Schulen kümmert sich eine Firma um den Server, in anderen nicht. Einige Schulen betreiben, wie es dringend angeraten wird, zwei unabhängige Netzwerke für Schüler und Verwaltung, andere nicht. Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen. Das soll sich nun endlich ändern. Seit Monaten werkeln die Mitarbeiter des Landratsamtes gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe am IT-Konzept der Zukunft für die Schulen. Nun wurde im Kreis- und Schulausschuss ein Zwischenbericht abgegeben.

Die Arbeitsgruppe, in der neben Vertretern der einzelnen Kreistagsfraktionen auch Systembetreuer jeder einzelnen Schulform mitarbeiten, war fleißig, berichtete Kathrin Horn vom Landratsamt den Ausschussmitgliedern. Die Bestandsaufnahme ist abgeschlossen, drei Modellschulen wurden bereits benannt – das Gymnasium in Schongau, die Realschule in Weilheim und das Förderzentrum Weilheim.

Im nächsten Schritt soll ein Konzept erstellt werden. Darin sollen die entscheidenden Fragen geklärt werden: Wer ist in Zukunft wofür zuständig? Wie sollen die IT-Netze betrieben werden? Welche Technik soll – idealerweise für alle Schulen – angeschafft werden? Wie kann eine sichere IT-Infrastruktur gewährleistet werden?

Ein Riesenberg Arbeit, der in den kommenden Monaten erledigt werden soll. Am Ende soll klar sein, wie ein Lehrer-PC ausgestattet sein soll, welchen Dokumentenscanner man an den Schulen einsetzt, wer sich um den Server kümmert – und das landkreisweit. Die Zeit drängt, denn der Freistaat Bayern hat ein Digitalbudget für das „digitale Klassenzimmer“ aufgelegt. 80 Prozent der Anschaffungskosten für PCs, Beamer oder Server übernimmt München, insgesamt stehen heuer für den Landkreis Weilheim-Schongau rund 600 000 Euro abrufbereit. Dazu kommen weitere Fördertöpfe für Glasfaseranschlüsse und WLAN an den Schulen, die angezapft werden könnten.

Ausgerechnet das gefiel allerdings so manchem Kreisrat so gar nicht. „Ich kann es immer noch nicht fassen, dass in Bayern zig solche Projekte laufen, obwohl eigentlich das Kultusministerium dafür zuständig wäre, Vorgaben zu erarbeiten“, ereiferte sich Hans Geisenberger (Unabhängige/ÖDP, Sachsenried). Seine Fraktionskollegin, Peißenbergs Bürgermeisterin Manuela Vanni, legte noch einen drauf: „Warum gibt es keinen bayernweiten Standard? Den Sachaufwandsträgern – den Landkreisen, Städten und Gemeinden – wird ein Paket Geld in die Hand gedrückt und gesagt: ,Macht mal.’ Wir lassen uns da vieles unterschieben, für das wir nicht zuständig sind.“

Das sei so nicht ganz richtig, sagte Kreiskämmerer Norbert Merk. „Sachaufwandsträger für die technische Ausstattung der Schulen ist der Landkreis.“ Will meinen: Theoretisch müsste das Land gar nichts zur technischen Ausstattung dazu zahlen. Zudem „brauchen wir einheitliche Standards, die wir sinnvoll nur vor Ort entwickeln können“. Denn auf die Bedürfnisse der Schulen solle schon eingegangen werden. Am Ende „müssen wir dahin kommen, dass die entsprechend qualifizierten Lehrer ihre Kollegen mediendidaktisch beraten und nicht wie heute damit beschäftigt sind, Kabel zu ziehen und Netzwerke zu konfigurieren“, sagte Merk weiter.

Peter Erhard (CSU, Böbing) pflichtete ihm bei: „Mich kotzt an, dass hier einige schon im Wahlkampfmodus sind“, grantelte er. Wenn alles zentral vom Kultusministerium vorgeschrieben werde, würden sich alle beschweren, dass die Schulen vor Ort nicht eingebunden seien. Auch Peter Ostenrieder (CSU, Peiting) hatte die Nase voll: „Wir führen hier über das Thema permanent Grundsatzdebatten, dabei sollten wir endlich inhaltlich diskutieren.“

Am Ende sprach sich die große Mehrheit bei vier Gegenstimmen dafür aus, den beschrittenen Weg fortzusetzen und das IT-Konzept für die Schulen des Landkreises voranzubringen.

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