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Jagdtrophäen, so weit das Auge blickt: Der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes, Florian Pfütze (v.l.), zeigt dem Landtagsabgeordneten Harald Kühn, Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Thomas Schreder vom Bayerischen Jagdverband die Ausstellung. Rechts: Walter Heußler, stellvertretender Vorsitzender des Kreisjagdverbandes.  

200  Jäger bei Hegeschau

Jäger sind  hinter dem  Abschussplan  zurück

Bei der Hegeschau in Weilheim gab es kritische Töne  für die Jäger, aber auch von den Jägern.  Und das nicht nur  wegen der Abschusspläne. Es ging auch um Wolf und Wildschwein. 

Weilheim – „Ein gutes Konzept für die nächsten Jahre“ sieht Landrätin Andrea Jochner-Weiß in der Reduzierung der Anzahl der Hegeschauen im Landkreis, die jetzt nur noch in Wies (bei Steingaden) und in Weilheim stattfinden. Das verringere den Aufwand, so die Landrätin in ihrem Grußwort zur Hegeschau in Weilheim, zu der am Samstag gut 200 Jäger aus den sechs Hegegemeinschaften des Altlandkreises Weilheim in die Stadthalle gekommen waren. Zwei große Herausforderungen sieht die Landrätin derzeit für die Jagd: die Afrikanische Schweinepest, die „gerade noch 300 Kilometer von uns entfernt ist“, und den Einsatz von Nachtzielgeräten bei der Jagd auf Wildschweine. Neun Anträge seinen bereits gestellt, aber erst, wenn es „rechtlich machbar“ sei, werde das Landratsamt Genehmigungen erteilen.

Helmut Stork präsentierte als Vertreter der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt Zahlen. Beim Rehwild lägen die Abschusszahlen (siehe Kasten) hinter dem Plan zurück. Stork rief die Jäger auf, im dritten Jahr der dreijährigen Periode, für die der Abschussplan erstellt wurde – er umfasst die Jagdjahre 2016/2017, 2017/2018 und 2018/2019 – „noch erhebliche Anstrengungen“ zu unternehmen, „um den Abschuss zu erfüllen“. Beim Schwarzwild ist die Situation laut Stork „unverändert angespannt“. Im Jagdjahr 2017/18 wurden im Landkreis 541 Wildschweine erlegt, in den Jahren davor waren es 352, 562, 312 und 219 Tiere.

Zu den Schäden, die die Wildschweine der Landwirtschaft zufügen, komme jetzt das Problem der Afrikanischen Schweinepest. An dieser Krankheit, die sich von Osten her bis Tschechien ausgebreitet habe, können Wildschweine und Hausschweine erkranken. Da sie auch über Nahrungsmittel aus Schweinefleisch übertragen wird, kann ein weggeworfenes Produkt, das von einem Wildschwein gefressen wird, bereits einen Krankheitsbefall auslösen.

Der Landtagsabgeordnete Harald Kühn (CSU) zeigte Verständnis für die Sorgen der Jäger. Eine „wirksame Bekämpfung“ des Schwarzwilds sei notwendig. Ein Problem dabei sieht er im „Auseinanderdriften der Wahrnehmung“, das immer größer werde, seit es das Internet gebe. Kühn: „Wenn schon das Umsägen eines Baum mit Grabkerzen versehen wird, dann wird es bedenklich.“ Noch weniger Verständnis gebe es für die Jagd, so Kühn. Für diese Feststellung erhielt der Landtagsabgeordnete von den Jägern Applaus

Thomas Schreder, der oberbayerische Bezirksvorsitzende des Bayerischen Jagdverbandes, fürchtet, dass „die Motivation der Jäger“ sinken könnte. Der Aufwand an Zeit und Geld sei hoch, und dafür bekämen die Jäger noch viel Ärger. Er fürchtet, dass es schwieriger werden wird, Jäger für alle Reviere zu finden.

Auch der Wolf war Thema der Hegeschau. Die Berge „wolfsicher einzäunen“ ist für Florian Pfütze keine Lösung. Der Vorsitzende des Kreisjagdverbands fürchtet, dass das aussehen würde „wie einst die DDR-Grenze“. Schreder sieht den Wolf nicht als großes Problem: „Ich glaube, er kommt – und er wird auch wieder verschwinden.“ Dicht besiedeltes Gebiet würde er nicht als Lebensraum akzeptieren.

Ein größeres Problem stellt nach Einschätzung des Kreisvorsitzenden Pfütze der Biber dar, den „der Bund Naturschutz mit allen Mitteln“ hege, wie er sagte. Wenn das Tier, das am Staffelsee große Schäden anrichtete, geschützt werden soll, dann sollten die Biber-Befürworter „die Schäden aus eigener Kasse bezahlen“, so seine Forderung.

Die Statistik

Im vergangenen Jagdjahr 2017/2018 wurde der Abschussplan für das Rehwild nur in der Hegegemeinschaft Penzberg erfüllt (Prozentsätze in der ersten Spalte.). Auch in den ersten beiden der drei Jagdjahre, für die der Plan aufgestellt wurde, lag die Abschussquote in fünf der sechs Hegegemeinschaften – außer in Penzberg – unter der Marke von zwei Dritteln (rund 66 Prozent), die schon erreicht sein müssten (Prozentsätze in der zweiten Spalte).

Eberfing                 84 58

Peißenberg            89 58

Penzberg              103 68

Seeshaupt               86 58

Weilheim                81 53

Wessobrunn        85 57

Alfred Schubert

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