Erst 2018, als Ludwig Gschmeißner (l.) als Jagdberater für den Altlandkreis Schongau verabschiedet wurde, beförderte Landrätin Andrea Jochner-Weiß Klaus Thien (r.) zum Jagdberater für den gesamten Landkreis.  LRA
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Erst 2018, als Ludwig Gschmeißner (l.) als Jagdberater für den Altlandkreis Schongau verabschiedet wurde, beförderte Landrätin Andrea Jochner-Weiß Klaus Thien (r.) zum Jagdberater für den gesamten Landkreis.

Streit ums Ehrenamt

Jäger wollen Jagdberater absägen

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
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Hinter den Kulissen knirscht es im Landratsamt. Es geht um den Posten des Jagdberaters. Seit zehn Jahren hat Schongaus Stadtförster Klaus Thien das Amt inne. Obwohl ihm offiziell hervorragende Arbeit attestiert wird, soll er nun abgesägt werden.

  • Seit zehn Jahren ist Schongaus Stadtförster Klaus Thien ehrenamtlicher Jagdberater des Landkreises.
  • Er hat eine eindrucksvolle Erfolgsbilanz aufzuweisen. Dennoch wird im Hintergrund daran gearbeitet, ihn abzusägen.
  • Die Jäger fühlen sich und ihre Belange nicht ausreichend im Jagdbeirat vertreten.

Landkreis – Der Jagdberater ist ein ehrenamtlicher Experte, der das Landratsamt – insbesondere die Untere Jagdbehörde – in Fragen der Jagd berät. Er unterstützt zudem den Jagdbeirat, in dem Mitglieder verschiedener Gremien – etwa vom Bund Naturschutz oder dem Kreisjagdverband – vertreten sind, bei dessen Arbeit.

Klaus Thien ist seit fast genau zehn Jahren Jagdberater im Landkreis Weilheim-Schongau. Zunächst war er – obwohl eigentlich Stadtförster von Schongau – ausschließlich für den Altlandkreis Weilheim zuständig. Als 2018 sein Kollege aus dem Westkreis. Ludwig Gschmeißner, in den Ruhestand verabschiedet wurde, übernahm Thien dessen Zuständigkeitsbereich gleich noch mit und betreut seitdem den gesamten Landkreis. In diesem Zusammenhang wurde mit Stefan Zimmermann aus Raisting ein Jäger zu seinem Stellvertreter bestimmt. Thiens Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen: Wie Waldbesitzer berichten, sei in seiner Amtszeit der Wildverbiss stark zurückgegangen, obwohl die Wildpopulation nach wie vor stabil ist.

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Zwischen der Unteren Jagdbehörde, dem Jagdbeirat und dem Jagdberater auf der einen und dem Jagdverband auf der anderen Seite knirscht es seit Jahren immer wieder. Insbesondere die Jäger fühlen sich, wie hinter vorgehaltener Hand erzählt wird, mit ihren Befindlichkeiten nicht genügend berücksichtigt. Die Rede ist davon, dass man sich „von Förstern und Umweltschützern gegängelt“ fühle.

Streitpunkte in der Vergangenheit waren das Fütterungsverbot im Winter sowie der Abschussplan, der auf Grund des Vegetationsgutachtens erstellt wird. In beiden Fällen berät der Jagdberater die Untere Jagdbehörde des Landratsamtes. Das Gezänk sei lauter geworden, seit der Vorsitzende des Kreisjagdverbands Weilheim, Florian Pfütze, vor einigen Jahren Mitglied des Jagdbeirats wurde. Dort kämpfe er „auf verlorenem Posten“, wird berichtet. Die Abstimmungen würden in der Regel immer mit einer Gegenstimme ausgehen – der von Pfütze. Pfütze hatte übrigens bei der Kommunalwahl auf der CSU-Liste für den Kreistag kandidiert.

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Mehr als 30 Gerichtsverfahren führten Jäger – desöfteren vertreten oder beraten vom AfD-Politiker, Rechtsanwalt und passionierten Jäger Rüdiger Imgart aus Weilheim – in den vergangenen Jahren gegen die Untere Jagdbehörde. Alle gingen verloren. Als Grund wird genannt, dass Jagdberater Klaus Thien, dessen Aufgabe es ist, das Jagdrecht und nicht die Jäger zu vertreten, das Landratsamt immer wieder gut beraten hat.

Dennoch soll Thien nun abgesägt und nach Informationen der Heimatzeitung durch Manfred Berger aus Peiting, den Vorsitzenden des Jagd- und Naturschutzvereins Schongau und Umgebung, ersetzt werden. Einen Jäger, keinen Förster. Auch der Vertreter des Bund Naturschutz im Jagdbeirat soll bereits gedrängt worden sein, sein Amt aufzugeben, wird weiter berichtet.

Der amtierende Jagdberater des Landkreises Weilheim-Schongau, Klaus Thien, lehnte auf Anfrage jede Stellungnahme zu diesem Thema ab, gab aber zu verstehen, dass er sich durchaus vorstellen könnte, das Amt des Jagdberaters weiterzuführen. Der Vorsitzende des Kreisjagdverbands Weilheim, Florian Pfütze, der maßgeblich die Ablösung Thiens vorantreiben soll, war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen, Rückrufbitten wurden ignoriert.

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Angesichts des Umstands, dass das Gezerre hinter den Kulissen nun öffentlich geworden ist, bemüht man sich beim Landratsamt um Schadensbegrenzung. Auf die Frage, warum Klaus Thien abgelöst werden soll, schreibt der Pressesprecher des Landratsamtes, Hans Rehbehn: „Die Amtszeit von Herrn Thien als Jagdberater für den Landkreis Weilheim-Schongau endet am 31. März. Zum jetzigen Zeitpunkt wurden lediglich Vorgespräche geführt. Es handelt sich somit um ein offenes Verfahren. Die Anhörung des Jagdbeirates wird zeitnah erfolgen. Danach wird die Untere Jagdbehörde entscheiden.“

Auf die Frage, welche Qualifikationen ein Jagdberater mitbringen müsse, heißt es: „Der Jagdberater muss Jagdscheininhaber, jedoch nicht Revierinhaber sein. Herr Thien erfüllt natürlich diese Voraussetzung, ansonsten hätte er nicht zum Jagdberater bestellt werden können.“ Unbeantwortet blieb die Frage, warum ein Förster wie Thien, der in mehreren Jagdgenossenschaften vertreten ist und über eine Jagdpacht verfügt, weniger qualifiziert sein sollte als ein Jäger ohne Zusatzqualifikation als Förster. Stattdessen teilte Rehbehn mit, dass die gute fachliche Beratung Thiens bei den zahlreichen Gerichtsverfahren der Jäger gegen den Landkreis „bei der Entscheidung keinerlei Rolle“ spiele.

Viele Antworten des Landratsamtes sind ausweichend oder bleiben ganz aus

Keine Aussage gab es vom Landratsamt zu den Vorwürfen, auch auf den Vertreter des Bund Naturschutz sei massiv Druck ausgeübt worden, sein Amt zur Verfügung zu stellen: „Als Vertreter des Bund Naturschutz und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald wurde 2017 auf einvernehmlichen Vorschlag Herr Lang bestellt. Als Stellvertreter wurde Herr Homeister bestellt“, so die Antwort Rehbehns auf diese Frage.

Die Entwicklung des Waldzustands und des Wildbestands ist ein Erfolgsindikator für die Arbeit eines Jagdberaters. Er berät ehrenamtlich die untere Jagdbehörde, die die Entwicklung durch geeignete Maßnahmen unterstützt.

Auf die Frage, welche Entwicklung in diesen entscheidenden Fragen in den zehn Jahren, in denen Thien bereits Jagdberater ist, festgestellt wurde, schreibt Rehbehn: „Die Ausgangslage im Landkreis Weilheim-Schongau in der Waldverjüngung ist seit Jahren schwierig. Der Wildverbiss ist in vielen Revieren zu hoch. Dennoch sehen wir die Entwicklung des Waldzustandes in den letzten zehn Jahren in der Tendenz insgesamt positiv. In vielen Revieren hat sich die Verbisssituation verbessert. Leider gibt es auch Hegegemeinschaften und Reviere, wo der Verbiss zu hoch oder deutlich zu hoch ist. Hier besteht noch Handlungsbedarf. Von einer Gefährdung bestimmter Arten aufgrund zu intensiver Bejagung ist uns nichts bekannt.“

Kreistag soll außen vor bleiben

Der Kreistag soll in dieser Angelegenheit nicht gehört werden. Auf die Frage, ob dessen Gremien in die Debatte um die Neubesetzung und die Entscheidung einbezogen oder zumindest informiert werden, teilte Rehbehn knapp mit: „Der Jagdberater wird von der Unteren Jagdbehörde als Staatsbehörde nach Anhörung des Jagdbeirates bestellt. Der Kreistag hat hier keine Zuständigkeit.“

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