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Im Notfall muss alles griffbereit sein: Der Rettungsdienst war im vergangenen Jahr auch bei Zugunfällen in Peißenberg und Schongau im Einsatz. 

Jahresbilanz für den Landkreis 

Das Rote Kreuz ist immer mehr gefordert

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Die Anforderungen an den Rettungsdienst des Bayerischen Roten Kreuzes werden höher – und zwar auf allen Ebenen. Das zeigt die Bilanz für das Jahr 2017 des BRK-Kreisverbandes Weilheim-Schongau.

Landkreis – Für den Kreisgeschäftsführer Hans Eberl, der das Amt seit 2014 innehat, ist das nicht unbedingt etwas Neues: „Das Einsatzgeschehen bewegt sich eigentlich immer auf steigendem Niveau.“ Im Jahr 2011 verzeichnete die Statistik des Kreisverbandes 20 818 Einsätze insgesamt, für vergangenes Jahr wurden 25 623 Einsätze notiert. Das entspricht einem Plus von gut 23 Prozent. Die Anzahl der dabei zurückgelegten Kilometer erhöhte sich von rund 565 000 auf 759 000 (plus 25,5 Prozent).

Die Steigerung der Einsatzzahlen „ist nicht nur auf eine Ursache zurückzuführen“, sagt Eberl. Eine Rolle spielt ihm zufolge „eine veränderte Mentalität in der Gesellschaft“. Gehe es einem, der Beschwerden hat, mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst nicht schnell genug, „dann ruft er eben den Rettungsdienst“. Auch die „Ausdünnung von Strukturen“ führt dazu, dass der Rettungsdienst mittlerweile eher gerufen wird. Als ein Beispiel nennt Eberl die bayernweit voranschreitende Schließung von Geburtsstationen. „Die Spezialisierung von einzelnen Kliniken führt auch zu weiteren Wegen“, sagt der BRK-Kreisgeschäftsführer.

Besondere Einsatzlagen wie 2016 das Hochwasser „hatten wir im vergangenen Jahr zum Glück nicht“, sagt Eberl. Dennoch gab es diverse größere Aktionen wie den Bombenfund in Geretsried, bei dem der BRK-Kreisverband Unterstützung bei der Evakuierung leistete, die Zugunfälle in Schongau und Peißenberg sowie mehrere größere Unfälle auf der Autobahn. „Da ist der Organisationsaufwand deutlich höher als bei einem normalen Individualeinsatz“, sagt Eberl. Zur Koordinierung bei größeren Notsituationen kommt ein Einsatzleiter zum Zug, 2017 war das 182-mal der Fall. Mehr Verletzte bedeutet mitunter, dass auch mehr und zum Teil weiter entfernte Krankenhäuser angesteuert werden müssen.

446 Mal gab es im vergangenen Jahr „Helfer vor Ort“-Einsätze. Das heißt, dass zunächst ehrenamtliche BRK-Helfer anrückten, die bis zum Eintreffen des hauptamtlichen Rettungsdienstes qualifizierte Hilfe leisteten. Sind die hauptamtlichen Retter bei anderen Aufgaben gebunden, sind darüber hinaus die „Schnelleinsatzgruppen“ gefordert. Sie sind über den Landkreis verteilt und bestehen aus ehrenamtlichen Helfern. Sie mussten immerhin 111 Mal ausrücken.

Erfreulich ist immerhin, dass die Zahl der Blutspender um etwa sieben Prozent auf 5014 zugenommen hat. Nach Jahren rückläufiger Zahlen ging es in diesem Bereich wieder bergauf, „ob das schon einen Trend bedeutet, weiß ich nicht“, sagt Eberl. Um rund ein Drittel zugenommen hat auch die Anzahl derer, die eine Erste-Hilfe-Ausbildung absolvieren. Das liegt laut dem BRK-Kreisgeschäftsführer nicht zuletzt daran, dass die Berufsgenossenschaft in Betrieben zunehmend Ersthelfer fordert.

Der BRK-Kreisverband wird „stark getragen vom Ehrenamt“, sagt Eberl. Was hauptamtliche Mitarbeiter betrifft, so sei es – anders als noch vor ein paar Jahren – schon so, „dass der Fachkräftemangel sich bemerkbar macht“. Das BRK im Landkreis versucht, dem entgegenzuwirken, indem es selbst ausbildet: Derzeit durchlaufen 14 Frauen und Männer die dreijährige Lehre zum Beruf des Notfallsanitäters. „Es ist sinnvoller, über diesen Weg das Personal zu rekrutieren“, sagt Eberl.

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