Ansturm: Der stark frequentierte Eingangsbereich von K&L in Weilheim am Samstag.
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Ansturm: Der stark frequentierte Eingangsbereich von K&L in Weilheim am Samstag.

Last-Minute-Einkauf vor der „Notbremse“

Je kleiner der Laden, umso größer die Sorgen

Der vergangene Samstag war wohl einer der letzten Einkaufstage mit halbwegs großzügigem Einlasskonzept im Weilheimer Handel. Überfüllt war die Innenstadt dennoch nur an einer einzigen Stelle. Währenddessen wachsen in kleineren Geschäften die Zukunftssorgen.

Weilheim – Wahrscheinlich ab Dienstag müssen die Geschäfte im Landkreis wieder dicht machten und auf „Click und Collect“ – die kontaktlose Warenübergabe auf Vorbestellung – umstellen. Dann greift im Landkreis höchstwahrscheinlich die Corona-Notbremse.

Ins Modegeschäft von Jana Krivanek kamen die Interessentinnen mit langen Zeitabständen. So waren zwischendrin sogar Spontantermine möglich. „Maximal drei Kundinnen auf zwei Stockwerke verteilt, mit diesen Mega-Abständen sind wir definitiv kein Hotspot“, so die Inhaberin von „SchonSchön“. Das „Click und Meet“ sollte aus ihrer Sicht unbedingt weitergehen. Das von der Politik gebrochene Öffnungsversprechen vom September ärgert die Boutiquebesitzerin: „Viele Inhaber halten einen dritten Lockdown, kombiniert mit unklaren Perspektiven, höchstens noch einen Monat durch, dann gehen ihnen entweder die Finanzmittel aus oder die innere Kraft.“

Die Ungleichbehandlung im Vergleich zu Gartencentern und Supermärkten ist das Hauptärgernis für Josef Hapfelmeier vom gleichnamigen Sport-Sortimenter: „Dort ist sogar ein Massenauflauf möglich und wir haben seit einem Jahr entweder gar keine Kunden sehen dürfen oder wenn, dann bloß in kleinen Frequenzen und nur mit Maske.“

Nicht anders war es am Samstag, wo mit Handdesinfektion, Mund-Nasen-Schutz, Namensregistrierung und Abstandsflächen versehene Kunden an den traurigen Ski-Artikeln im Abverkauf achtlos vorbei gingen, während die Nachfrage bereits auf die Sommerware zielte.

Durch das unter den Passanten allgemein halblaut getuschelte Thema der steigenden Inzidenz herrschte am Samstag eine eher gedämpfte Shopping-Stimmung. Weder im „Einkaufspark Neidhart“ noch am Weilheimer Marienplatz kam es zu besonderen Anstürmen. Holger Lehmann und Partnerin Tatjana Arnold aus Königsbrunn waren beim Shoppen im MediaMarkt. Den Einkauf empfanden beide als „super angenehm“, weil alles „sehr gut gesteuert“ worden sei. Die Zahl der Kunden empfanden sie als überschaubar. Auch im benachbarten Rofu-Kinderland war es vormittags eher ruhig.

„Es ist weniger los als sonst“, bestätigte auch Ingrid Martinus von „Lederwaren Rumpf“. Das Phänomen „Panikkauf“ blieb also aus, auch wenn eine Dame zwischen Koffern und Geldbörsen mit den Worten gehört wurde: „Ich wollte unbedingt noch in die Confiserie, denn ich hatte Angst, dass sie zumacht – und ohne etwa Süßes im Lockdown, da stehst Du ja im Grab.“

Ein echtes Gefühl von „Einkaufssamstag“ verbreitete sich allein im Modekaufhaus von „K&L Ruppert“. Durch die reduzierten Preise der Ausverkaufsaktion herrschte in den späteren Stunden des Samstags, als auch das Wetter sich verbesserte, lebhafter Andrang. Vor der Einlass-Registratur bildete sich ein Rückstau zeitweise bis weit in die Schmiedstraße hinein.

„Unter unseren 41 Niederlassungen ist Weilheim noch eine Insel der Seligen“, so K&L-Prokurist Rüdiger Herrmann. An anderen Standorten, etwa in Ostbayern, sei das Inhouse-Shopping seit fast einem halben Jahr verboten; im Pfaffenwinkel und in Landsberg konnten die Türen geöffnet werden. „Wir wissen, dass mit Infektionen im Handel so gut wie nichts passiert“, sagt Herrmann, daher betont er: „Unser Hoffnungsschimmer ist, dass ab 12. April der angekündigte Kunden-Einlass mit Negativtest umgesetzt wird, doch dazu fehlt jeglicher Informationsfluss bis jetzt.“

Genauso wie Ingrid Martinus von „Lederwaren Rumpf“ fordert auch Rüdiger Herrmann den raschen Aufbau eines Testzentrums in der Innenstadt. „Wir würden sogar unsere Fläche vor dem westlichen Eingang – direkt bei der Stadtbücherei – für ein Testzentrum zur Verfügung stellen“, so der K&L-Verkaufsleiter. Von ANDREAS BRETTING

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