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„Alle Varianten sind in gleicher Schärfe zu untersuchen“: Uwe Fritsch, Leiter des Staatlichen Bauamts Weilheim.

Uwe Fritsch: „Die Haltung der Stadt hat hohes Gewicht“

Jetzt spricht der Verantwortliche für die Weilheimer Ortsumfahrung

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Die Pläne für eine Weilheimer Umfahrung sind Gesprächsthema Nummer eins in der Stadt, auch hat sich massiver Widerstand gegen eine Umgehungsstraße formiert. Im Interview mit dem „Weilheimer Tagblatt“ spricht Uwe Fritsch, Leiter des für die Planung zuständigen Staatlichen Bauamts Weilheim, über die Aktivitäten der Gegner und die Rolle der Stadt in dem Prozess.

-Herr Fritsch, haben Sie mit so viel Widerstand gegen eine Weilheimer Umfahrung gerechnet, wie er sich momentan zeigt?

Man geht in so ein Projekt erst mal, ohne einen bestimmten Widerstand zu erwarten... Aber dieser Widerstand entbehrt jetzt eigentlich jeder Grundlage, weil wir weder Daten noch Fakten haben. Es ist jetzt schlicht der falsche Zeitpunkt.

-Viele befürchten wohl, dass es sonst zu spät sein könnte.

Wir haben wiederholt deutlich gemacht, dass wir erst die Daten und Fakten präsentieren und dann in einen Diskussionsprozess eintreten wollen.

-Wird dann auch ausreichend Zeit dafür sein?

Der Diskussionsprozess wird so lange sein, wie er eben braucht. Es gibt hier keine Frist, die wir unbedingt einhalten müssen, es ist kein bestimmter Zeithorizont vorgesehen.

-Weilheims Bürgermeister Markus Loth betont, die Stadt habe nicht über die Umfahrung zu entscheiden. Sehen Sie das auch so?

Es ist ein Projekt des Bundes, aber die Stadt Weilheim ist am Planungsverfahren beteiligt wie alle anderen Träger öffentlicher Belange. Die Haltung der Stadt hat natürlich hohes Gewicht beim Gesamtprojekt und bei der Trassenentscheidung. Unser Ziel ist, zu einer Entscheidung zu gelangen, die den Belangen der Stadt gerecht wird.

-Würde das Staatliche Bauamt auch eine Umfahrung bauen, wenn die Stadt partout keine Umfahrung will?

Darauf gibt es keine pauschale Antwort. Ich würde das gerne dem Diskussionsprozess überlassen. Aber wenn alle dagegen sind, werden wir hier mit Sicherheit keine Straße bauen. Dann wird man die Kapazitäten für andere Projekte verwenden. Das Ziel ist jetzt aber, möglichst breite Zustimmung für eine Variante zu bekommen.

-Halten Sie auch eine Untertunnelung Weilheims für realistisch?

Darüber spekuliere ich jetzt nicht. Wir müssen abwarten, bis alle Fakten auf dem Tisch liegen. Dann geht es in die Diskussion vor Ort und mit dem Bundesverkehrsministerium. Und erst dann sind Aussagen möglich.

-Nun wäre eine Unterfahrung vermutlich deutlich teurer als eine Umfahrung. Hat sie dennoch eine echte Chance?

Das ist eine Vermutung, und darauf lasse ich mich nicht ein. Wir haben das lieber schwarz auf weiß, mit Gutachten, dann hat man eine Grundlage. Diese Spekulationen nerven ein bisschen, und sie führen die Bürger auch in die Irre. Wenn man das gemeinsame Ziel hat, für Weilheim eine verkehrliche Entlastung zu schaffen, dann sind alle Varianten bezüglich aller wichtigen Belange zu untersuchen und darzustellen – im ersten Schritt noch ohne Vorzugs-Trasse. Es ist zwingend notwendig, alle Umfahrungsvarianten in gleicher Schärfe zu untersuchen, sonst besteht später die Gefahr, dass ein Gericht die Planfeststellung aufhebt.

-Das heißt, Ihre Behörde wird im Herbst noch keine Vorzugsvariante vorlegen?

Eine Vorzugs-Trasse ist das Ziel der Planungsphase. Aber jetzt geht es erst einmal um die Ermittlung der Daten und ihre Gegenüberstellung in übersichtlicher Form. Das Fazit, welche Variante die richtige ist, werden wir am Schluss dieser Phase nach einer ausreichend langen Diskussion ziehen. Die Meinung, dass im stillen Kämmerlein entschieden würde, ist unzutreffend.

-Gibt es auch die Möglichkeit, dass gar nichts gebaut wird?

Diese Nullvariante wird immer mituntersucht. Sie kommt auch in der Prognose des Verkehrsgutachtens von Professor Kurzak vor und wird dort den möglichen Entlastungen durch Umgehungen gegenübergestellt.

-Diese Entlastungen sind in Weilheim wohl nicht so groß, wie sich viele erhoffen.

Wenn ich auf einer Umgehungsstraße 12 000 bis 14 000 Fahrzeuge habe, wie es prognostiziert wird, dann kann man nicht sagen, dass es keine Wirkung hat.

-Halten Sie in Weilheim auch ein Ratsbegehren oder ein Bürgerbegehren in Sachen „Umfahrung“ für denkbar?

Wie die Stadt Weilheim zu ihrer Entscheidung kommt, das muss sie selbst wissen, da will ich keine Empfehlung abgeben. Die Stadt muss sich letztendlich eine Meinung bilden – wie sie dazu kommt, das ist ihre Sache.

-Stimmt es, dass Ihre Behörde mittlerweile nicht nur acht, sondern neun Trassenvarianten untersucht, nämlich zusätzlich einen Tunnel unter dem Narbonner Ring?

Aus den Reaktionen auf die Präsentation der acht Trassenvarianten im Stadtrat haben wir weitere Informationen gewonnen. Einige Trassen werden wegfallen, eventuell kommen noch andere Varianten hinzu, aber das steht noch nicht fest. Im Herbst wollen wir im Stadtrat jedenfalls eine abgespeckte Trassen-Übersicht vorstellen.

-Laut der Weilheimer Bürgerinitiative hat der damalige Verkehrsminister Alexander Dobrindt in einem Gespräch geäußert, dass Geld beim Bau keine Rolle spiele. Stimmt das?

Ich weiß nicht, in welchem Zusammenhang er das gesagt haben soll. Solche Aussagen kenne ich aus unserer Tätigkeit nicht. Natürlich spielt Geld eine Rolle, es geht ja um Steuergelder. Wir sind zu wirtschaftlichem und sparsamem Einsatz der Haushaltsmittel verpflichtet.

-Rund ein Dutzend Landwirte hat Ihnen angekündigt, dass sie kein Land für eine Umgehungsstraße verkaufen werden. Würde notfalls auch enteignet werden?

Das ist spekulativ. Es wird irgendwann eine Trassen-Entscheidung geben, dann wird ein Vorentwurf aufgestellt, und dann geht es ins Planfeststellungsverfahren, in dem festgestellt wird, ob der Bau vertretbar ist. Aber so weit sind wir noch lange nicht. Um die privaten und öffentlichen Belange gegeneinander abzuwägen, gibt es das Planfeststellungsverfahren. Und ich kann Ihnen nur sagen: Es sind absolute Ausnahmefälle, wo es am Ende zu Enteignungen kommt.

-Rechnen Sie mit vielen Klagen angesichts des doch recht heftigen Widerstands?

Diese Frage geht mir eigentlich zu weit, das ist jetzt noch nicht relevant.

-Dann gestatten Sie noch eine persönliche Frage: Haben Sie sich eigentlich die von den Bürgerinitiativen abgesteckte Trasse einer möglichen Ostumfahrung am Gögerl angeschaut?

Nein, und ich weiß auch nicht, wie die dort dargestellte Trassenführung zustande kam. Wir haben noch keine Pläne. Was dort abgesteckt worden ist, ist eine reine Annahme.

-Anliegen der Initiatoren war wohl nicht, eine genaue Trasse aufzuzeigen, sondern die Ausmaße einer möglichen Trasse. Und deren Verlauf wäre durch den bestehenden Kreisverkehr an der B2/Südspange ja auch recht klar festgelegt. Könnten Sie sich wirklich einen Straßeneinschnitt von dort zum Gögerl/Hechenberg vorstellen?

Dazu kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen. Mein Wunsch wäre, dass man sich die Energie, die in solche Aktionen fließt, aufspart, bis wir auf Faktenbasis miteinander reden können.

Interview: Magnus Reitinger

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