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Zum Thema „Armutsfalle“ sprachen auch Elisabeth Hofmann und Sabine Barth von der Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit. Von rechts sitzend: Petra Reiter, Daniela Fischer und Natascha Almer (DGB). 

KAB und Gewerkschaften über Armutsproblem

Nicht nur reden, auch handeln!

Die KAB und Gewerkschaften hatten zum gemeinsamen  Neujahrsgespräch  geladen. Dabei wurde  über Lösungen  für das Armutsproblem gesprochen.

Weilheim – „Es ist wichtig zu handeln“, stellte Petra Reiter von der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) zu Beginn des Neujahrsgesprächs fest, zu dem KAB, Betriebsseelsorge und Gewerkschaften ins Regionalzentrum an der Waisenhausstraße eingeladen hatten. Thema war die Armutsfalle. „Sich gegenseitig anjammern hilft nicht“, so Reiter, die dafür zustimmendes Nicken der rund drei Dutzend Besucher – großteils Arbeitnehmervertreter – bekam.

Laut Daniela Fischer, die für die „IG Metall“ sprach, suchen Unternehmer immer neue Möglichkeiten, Mindestlöhne zu umgehen. Leiharbeit sei ein Modell, wo dieses nicht mehr funktioniere, kämen Werkverträge zum Einsatz. Sie seien „das neue Billiglohn-Modell“. Diese würden nur noch vom „Klick-and-Crowd-Working“ unterboten. Dabei würden Unternehmen Aufträge bruchstückweise via Internet vergeben, wobei die Auftragnehmer keinerlei Anspruch auf angemessene Bezahlung hätten.

Die Gründe für ein Abrutschen in die Armut waren schnell gefunden. Teils seien die Unternehmen dafür verantwortlich, die Arbeit unnötig schlecht bezahlten, teils aber auch die Politik. Kinder zu haben, bedeute heute ein Armutsrisiko, weil Kinderbetreuung teuer sei. Meist müssten aber beide Elternteile berufstätig sein, um überleben zu können. Grund dafür seien die hohen Wohnungskosten. Eine familientaugliche Wohnung koste in Weilheim bereits weit über 1000 Euro – ohne Nebenkosten.

Auch Lösungsvorschläge wurden von den Teilnehmern gemacht. Alle Arbeitnehmer sollten sich gewerkschaftlich organisieren – und an Streiks teilnehmen. Nur gemeinsam könnten Arbeitnehmer ihre Ziele (wie eine angemessene Bezahlung) erreichen. Sozialer Wohnungsbau und Unterbindung von Grundstücksspekulation könnten die Wohnungssituation entspannen. Auch der Bau von Werkswohnungen könne helfen, Arbeitnehmer vor Armut zu schützen. Das Ehegattensplitting abzuschaffen und dafür Familien zu fördern, etwa durch kostenlose Kinderbetreuung oder durch Ganztagsschulen, waren weitere Vorschläge.

Deren Wirkung bezweifelt Helmut Dinter: „Der Gesetzgeber wird nichts tun, die GroKo nicht und die anderen sowieso nicht.“ Der Wessobrunner Bürgermeister meint: „Regeln müssen wir das vor Ort.“ Er schlägt ein anderes Wirtschaftssystem vor, das das Gemeinwohl in den Vordergrund stellt. Laut Betriebsrat Rudi Hochenauer ist diese Forderung nicht neu. Sie stehe bereits in der Bayerischen Verfassung. Dort heiße es im Artikel 3: „Bayern ist ein Rechts-, Kultur- und Sozialstaat. Er dient dem Gemeinwohl.“

Alfred Schubert

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