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Immer noch ein Kämpfer: „Otti“ Fischer (r.) bot im Stadttheater „Jetzt noch langsamer… zwischen Gerücht und Parkinson“, begleitet von Leo Gmelch (nicht nur) an der Tuba. 

Kabarett mit Ottfried Fischer

Wilde Sprünge zwischen den Atempausen

Weilheim - Ottfried Fischers trat im nicht vollbesetzten Stadttheater auf. Sein Gastspiel bescherte dem Publikum gemischte Gefühle.

Die einen sagen: Warum lässt er es nicht einfach gut sein? Schließlich hatte er als „Bulle von Tölz“ oder als Gastgeber der BR-Kabarettsendung „Ottis Schlachthof“ Kultstatus erreicht. Die anderen sagen: Das ist doch toll, wie offensiv er mit seiner Erkrankung umgeht und sich von ihr nicht in die Schranken weisen lässt. Und dass er sich traut, auch mit diesen Einschränkungen weiter auf der Bühne zu stehen!

Wer einfach mal hingeht und sich das Bühnenprogramm von Ottfried Fischer anschaut – etwa vergangenen Samstagabend im Weilheimer Stadttheater –, muss konstatieren: Irgendwie haben beide recht. Wer den Schauspieler und Kabarettisten nicht aus seinen Glanzzeiten kennt, dürfte diese Veranstaltung eher ratlos verlassen. Alle anderen erkennen in „Jetzt noch langsamer“ vieles wieder, was sie an „Otti“ geschätzt und bewundert haben: bissige Kommentare zu Verfehlungen der Großkopferten in Politik und Kirche, witzig verpackt, herrliche Parodien von Franz-Josef Strauß bis zum Ex-Papst Benedikt.

Aber mitunter ist es nicht ganz leicht, ihm zu folgen, da er wild von Thema zu Thema springt und manches Begonnene nicht wirklich zu Ende führt. Da greift dann schon mal sein (nicht nur musikalischer) Begleiter Leo Gmelch ein, der auf seiner Tuba die Geschehnisse improvisatorisch kommentiert, mit immer wieder tastenden, suchenden Melodiefetzen, die sich zu schnellen Läufen verdichten, wild und leidenschaftlich aufbrausen oder sich in Gemurmel verlieren. Auf Fischers Geheiß darf Gmelch aber auch die „in Bayern überall anzutreffende Blasmusik“ darstellen, um dessen Erinnerungen an die Kindheit musikalisch zu illustrieren.

Lebenserinnerungen sind neben den klassischen Kabarettbausteinen der zweite rote Faden in diesem Programm, von der Kindheit in Niederbayern bis zu Anekdoten aus den Dreharbeiten von „Pfarrer Braun“. Etwas befremdlich bleiben die kurzen Videosequenzen, die den Altmeister des Kabaretts zu Hause am Küchentisch, im Bett oder im Wohnzimmer zeigen, wie er „Fitnesstipps“ gibt oder aus seinem Buch vorliest. Einen Gewinn für das Publikum, das das Theater zu zwei Dritteln füllt, kann man darin nicht erkennen; für Fischer sind es kleine Atempausen. Er steht übrigens fast die ganze Zeit, wenn auch am Lesetisch angelehnt, den roten Stuhl benutzt er nur selten. Nach wie vor geht eine große Energie von „Otti“ aus, die er eben nicht mehr ganz so nutzen kann, wie er möchte. Als Zugabe liefert er dann noch eben eine grandiose Wecker-Parodie ab. Und ist fast der Alte…

Sabine Näher

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