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Michl Müller wurde am Freitag vom Publikum in der Weilheimer Stadthalle gefeiert – ob es nun um Fußball ging („Italien ist nicht bei der WM… die sind jetzt die Holländer vom Stiefel!“), Alltag („E-Zigaretten? Ich renn‘ doch nicht mit der brennenden Blockflöte in der Gegend rum“) oder Politik („Donald Trump, der Notgeile mit dem toten Fiffy auf dem Kopf“).

Kabarettist Michl Müller in weilheim

Wenn der „Heigo“ auf den Charly aus Schwabsoien trifft

Michl Müller begeisterte in der ausverkauften Stadthalle.  Der Kabarettist machte  in seinem komödiantischer Rundumschlag  vor nichts und niemandem Halt.

Weilheim – Fanfaren kündigten es an: Da betrat ein ganz Großer die Bühne. „Müller… nicht Shakespeare!“ – unter diesem Titel zündete Michl Müller am Freitagabend ein Comedy-Feuerwerk in der ausverkauften Stadthalle. Unfreiwillig in einer kleinen Hauptrolle der „Charly aus Schwabsoien“, Gast aus der ersten Reihe, den Müller kurzerhand zum lokalen Running Gag machte, ihn quer durchs Programm immer wieder in seine Geschichten einbaute – und der es damit sogar auf die Müller-Homepage schaffte.

Michl Müllers komödiantischer Rundumschlag machte vor nichts und niemandem Halt. Ob Heilige Drei Könige, die wohl zu Jahresbeginn zum Rauchmeldertest ausgerückt waren, oder Martin Schulz, der „Bachelor der Sondierungsgespräche“. Auch den voranschreitenden Kosmetikwahn der Männer – die heute im Bad wesentlich mehr Platz für ihre Cremedöschen benötigen als die Frauen und sich an den unbeschreiblichsten Stellen alle Haare abrasieren, während im Gesicht die Hecke wuchert – quittierte Müller mit einem „Was is’ bloß aus uns Männern geworden?“. Dabei gebe es für eine Bauchstraffung doch ein simples Rezept: Zwei Hefeweißbier und ein Pfund Sauerkraut.

Selbst für die eigene Beerdigung hat der gewitzte Franke schon genaue Vorstellungen: Vor allem schöne Trauerreden wünscht er sich, weshalb er 90 Vereinen beigetreten sei. Woher das Programm seinen Namen hat, offenbarte ein Totenschädel namens William Shakespeare: Der redselige Verblichene räumte mit diversen Missverständnissen auf – etwa damit, dass er Angelsachse sei. Richtig sei, dass er Sachse war und geangelt habe. Auch die wortgewaltigen Werke, die ihm zugeschrieben würden, habe nicht er sondern sein Bruder „Heigo“ verfasst, der aber – selbst Legastheniker – das Marketing in Williams’ Hände gelegt habe.

Natürlich war Michl Müller selbst auf Shakespeares Spuren gewandelt, hatte mit seiner Clique den Originalschauplatz von „Romeo und Julia“ in Verona besucht. So ließ die fränkische Version der wohl berühmtesten Liebesgeschichte der Welt nicht lange auf sich warten: Mit Julia, Romeo und – dem Charly aus Schwabsoien.

Müllers witziger Parforceritt durch die Welt der Schönen und Berühmten und den Zeitgeist bedachte auch Stars, Politiker und Unternehmen. Ob Servicehotline der „Telekom“, „Apple-Store“, Ed Sheeran, Helene Fischer, Weddingplaner oder Junggesellenabschied: Alles und jeder bekam sein Fett weg. Dazu passende Lieder in unvergleichlicher Performance, all das machte den Abend zu einem Humorgipfel, den die begeisterten Besucher nur nach einem Zugabenmedley mit Ingwerreibe, „Vollwärmeschutz der Liebe“ und vielem mehr verließen – mit schmerzenden Lachmuskeln, heißgeklatschten Händen und einem Glücksvorschuss für das noch junge Jahr.

Bianca R.Heigl

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