Beschluss des Kreistags

Kein Glyphosat auf Landkreis-Flächen

Der Landkreis besitzt nicht nur Gebäude, sondern auch Grünflächen. Und auf diesen werden künftig weder Glyphosat noch andere Pestizide aufgebracht.

Weilheim/Landkreis – Zahlreiche Landkreise im Oberland und auch die Stadt Penzberg haben einen derartigen Beschluss bereits gefasst. Bei seiner jüngsten Sitzung befasste sich der Kreistag mit einem entsprechenden Antrag der Grünen-Fraktion, wonach der Landkreis auf seinen Grünflächen keinerlei Unkrautvernichtungsmittel wie Glyphosat verwendet soll. Ziel sei ein „glyphosatfreier Landkreis“.

Zudem möge der Landkreis auch auf Gemeinden, private Haushalte, Bahn und Kirchen einwirken, es ihm gleichzutun. Auf landwirtschaftlichen Flächen sollen Pestizide nur noch „sinnvoll eingesetzt werden“.

Die Formulierung „sinnvoll eingesetzt werden“ wurde auf Antrag von Wolfgang Scholz CSU, Sachsenried) in den Antrag eingefügt. Trotzdem lehnten er und drei weitere Kreisräte den Antrag ab. Scholz, der auch BBV-Kreisobmann ist, wies eine Mitschuld des Pestizids am Insektensterben zurück.

Es gebe auch keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass Glyphosat krebserregend sei. Da wolle jemand – der Antragsteller, die Grünen, war gemeint – einen Spaltpilz in die beiden Zweige der Landwirtschaft hineintreiben. „Ich weise diese Aussagen zurück“, so der BBV-Vertreter, der auf seinem Hof selbst Glyphosat in geringen Mengen einsetze. Karl-Heinz Grehl (Weilheim), der den Antrag für die Grünen vorgestellt hatte, widersprach. Er wolle nicht ökologische und konventionelle Landwirtschaft gegeneinander ausspielen. „Aber einer muss es ja gewesen sein, und es waren die Landwirte“, so Grehl.

Es sei nun einmal Tatsache, dass es im Landkreis deutlich weniger Insekten gebe als vor einigen Jahrzehnten. Bezüglich der Aussagen von Scholz zur wissenschaftlichen Belegbarkeit sagt er: „Ich komme mir gerade so vor, als würden wir auf verschiedenen Planeten leben.“

Landrätin Andrea Jochner-Weiß zeigte Verständnis für beide Seiten. „Es gibt genügend Landwirte, die Glyphosat sinnvoll einsetzten, aber natürlich gibt es auch welche, die Schindluder treiben.“ Sie werde die Hausmeister der Landkreis-Liegenschaften anweisen, keine Pestizide mehr zu verwenden.

Zu den Fürsprechern des Antrags zählte Wolfgang Taffertshofer (BfL, Obersöchering), der selbst eine Landwirtschaft betreibt. Glyphosat wird in verschiedenen Varianten und von zahlreichen Unternehmen produziert und vertrieben. Laut Umweltinstitut München konnte Glyphosat bereits in menschlichem Blut und Urin nachgewiesen werden.

So wurden im Urin eines an Botulismus erkranktenLandwirts eine Glyphosat-Konzentrationen gemessen, die um das 1000-Fache gegenüber Vergleichspersonen erhöht war. Manche Behörden und verschiedene Gutachten indes sehen keinen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Glyphosat einerseits und dem Insektensterben sowie der Zunahme von Krebserkrankungen andererseits. Das Thema bleibt also weiter umstritten.

Von Johannes Thoma

Rubriklistenbild: © dpa / Daniel Dreifuss

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