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Immer bei der Hand hatte Kardinal Schönborn das päpstliche Lehrschreiben „Amoris Laetitia – Die Freude der Liebe“, an dem er als Leiter der deutschsprachigen Bischofsgruppe bei der Familiensynode in Rom 2015 mitgearbeitet hatte. 

„Weilheimer Glaubensfragen“ mit Kardinal Christoph Schönborn

„Keine Familie ist vollkommen“

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Weilheim - Viel Adel aus dem Umland, eine Eminenz aus Wien, die Papst-Schrift „Freude der Liebe“ – und kritische Fragen aus dem Publikum. Die „Weilheimer Glaubensfragen“ mit Kardinal Christoph Schönborn boten am Montagabend eine spezielle Melange.

 Ein Kardinal aus Wien in Weilheim, das ist dann doch etwas Besonderes. Vor allem, wenn dieser Kardinal Dr. Christoph Schönborn heißt, Erzbischof von Wien ist, zahlreiche weitere Ämter bekleidet und bei der jüngsten Synode in Rom zum Thema „Ehe und Familie“ als „Brückenbauer“ für Schlagzeilen sorgte.

So war der Saal im „Haus der Begegnung“ beim dritten Abend der „Weilheimer Glaubensfragen“ nicht nur voll besetzt, er war auch hochkarätig besetzt, und Weilheims Bürgermeister Markus Loth hatte das Goldene Buch der Stadt mitgebracht, auf dass der Kardinal sich als weitere Berühmtheit dort eintrage.

Schönborns Besuch hatte Baron Christian von Bechtolsheim eingefädelt. Der lebt mit seiner Familie seit knapp zehn Jahren auf Gut Schörghof bei Weilheim, ist mit dem Kardinal verwandt und ein Förderer des „Internationalen Theologischen Institutes“ (ITI) bei Wien, dessen Großkanzler Schönborn ist. Bei einem Essen hatte von Bechtolsheim den Kardinal dort mit Freunden bekannt gemacht. Am Abend nahmen diese im „Haus der Begegnung“ dann die ersten Stuhlreihen im Vortragssaal ein, als der Kardinal über das Thema „Bruch im Leben – Bruch mit der Kirche“ sprach.

Dabei ging es an das Eingemachte der katholischen Kirche, an diesem Abend aber vor allem darum, wie sie zu jenen Menschen steht, die nicht in die von der Kirchenlehre vorgegebenen und festgesteckten Rahmen von Ehe und Familie passen: unverheiratete Paare und geschiedene Wiederverheiratete beispielsweise.

Schönborn (71), der mit sanfter Stimme mit nur leichtem Wiener Einschlag sprach, nahm immer wieder das Schreiben „Amoris Laetitia“ („Freude der Liebe“) von Papst Franziskus in die Hand. Es müsse, so Schönborn, dessen Eltern sich ebenfalls getrennt hatten und der in einer Patchworkfamilie aufwuchs, über die Familien gesprochen werden, „wie sie sind“. Die Kirche müsse mehr hinschauen, mehr prüfen und mehr unterscheiden, vor allem auch, wenn Menschen scheitern. Wenn eine Ehe gelinge, sei das ein großes Geschenk, „aber keine Familie ist vollkommen“, und so gelte es, das Positive zu stärken und nicht mit dem Finger auf die Schwächen zu zeigen. Das habe aber nichts mit „Alles geht “ zu tun, so der Kardinal.

Doch was geht? Geht es, dass wiederverheiratete Geschiedene die Kommunion empfangen? Eine klare Ansage gab es von Schönborn dazu nicht, in Hinblick auf Papst Franziskus Äußerungen sagte er, die Teilnahme wiederverheirateter Geschiedener an der Kommunion sei im Einzelfall zu prüfen – die Priester müssten die Entscheidung je nach spezifischer Situation abwägen. Damit seien aber, so Schönborn, weder Willkür noch Überforderung der Seelsorger verbunden, aber „eine Herausforderung eines Weges der Begleitung und Entscheidung“.

Einige Besucher der „Glaubensfragen“ hatten sich von dem Papier zu der 2014 und 2015 stattgefundenen Familien-Synode dagegen eine neue – klare – Norm erwartet. In ihren Augen wurden alte und überlieferte Verbote zwar aufgeweicht, mehr aber nicht. Und so gab es viel Beifall für die Feststellung eines Besuchers, die Kirche sollte „generell und bewusst den wiederverheirateten Geschiedenen zu verstehen geben, dass sie willkommen sind“. Ein Dikussionsteilnehmerin meinte: „Zeigen Sie mir den Pfarrer, der weiß, wo die Not in den Familien ist“, die Pfarrer seien doch mit anderer Arbeit eingedeckt.

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