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Gemeinsam für die Kinder: (v.l.) Denise Blind (2. Vorsitzende), Inge Ahn (Beisitzerin), Brigitte Honisch (1. Vorsitzende) und Schriftführer Josef Kantsperger vom Kinderschutzbund Weilheim-Schongau. 

Kinderschutzbund Weilheim-Schongau

Helfer brauchen Hilfe

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Heute ist Weltkindertag. Ein Tag, an dem immer wieder der Blick auf die Not von Kindern gelenkt wird. Auch im Landkreis Weilheim-Schongau gibt es viele Kinder, die in Armut aufwachsen. Diese Not zu lindern, hat sich der Kinderschutzbund Weilheim-Schongau zur Aufgabe gemacht.

Landkreis – Seit der Gründung des Kreisverbandes im Mai 2001 konnte zahllosen Kindern schnell und unbürokratisch geholfen werden. Doch das wird mittlerweile immer schwieriger, sagt die 1. Vorsitzende Brigitte Honisch.

Es fehlt an Mitgliedern – aktiven wie passiven –, an Geld, an Räumlichkeiten. Dabei ist die Arbeit des Vereins wichtiger denn je: „Die Kluft zwischen Arm und Reich nimmt immer mehr zu“, sagt Honisch. Das merken auch die Mitglieder des Kinderschutzbundes. Früher war es ab und an gar nicht so einfach, an die Bedürftigen heranzukommen. Denn die Schamgrenze sei hoch, niemand räume gern ein, dass er Hilfe und Unterstützung braucht. „Doch dann haben wir begonnen, intensiv mit den Familienhelferinnen zusammenzuarbeiten“, sagt Honisch. Familienhelferinnen werden vom Jugendamt an die Eltern vermittelt, die Unterstützung bei der Betreuung ihrer Kinder brauchen. Diese Helferinnen sind ganz nah dran an den Familien, die Hartz IV beziehen, an den Alleinerziehenden, die nicht wissen, wie sie über die Runden kommen sollen. Sie bekommen hautnah mit, wenn die Säge klemmt, wenn die staatlichen Leistungen nicht ausreichen.

100 Euro Zuschuss vom Staat zum Schulanfang - das reicht nie im Leben

Denise Blind, die 2. Vorsitzende des Kinderschutzbundes, ist eine solche Familienhelferin. Gerade in diesen Tagen werde die Unterstützung des Vereins ganz besonders gebraucht, sagt sie. Die Schule hat gerade wieder begonnen, die Kosten wachsen den bedürftigen Eltern über den Kopf: „Vom Staat gibt es 100 Euro für einen Schulanfänger als Zuschuss. Davon kann man bestenfalls einen Schulranzen kaufen, wenn man einen billigen nimmt“, berichtet sie. Doch was ist mit den Heftern, Stiften, Malfarben? Wo kommt das Geld für einen Stuhl und einen Schreibtisch her, wenn das Kind Schulaufgaben machen muss? Wer bezahlt Turnbeutel, Turnschuhe und zwei paar Hausschuhe – je eines für Schule und Schulhort? „Da springen wir ein und helfen schnell und unbürokratisch“, sagt Inge Ahn, die als Beisitzerin dem Vereinsvorstand angehört.

Die Familienhelferin teilt dem Verein mit, was benötigt wird und kann bestenfalls nur Stunden später schon gemeinsam mit der Familie einkaufen gehen. „Wir achten darauf, dass das Geld wirklich dafür ausgegeben wird, wofür es gebraucht wird“, berichtet Familienhelferin Denise Blind. Also geht sie mit den Betroffenen in den Laden und kauf das Benötigte. „Wir sparen dabei, wo wir können – das bedeutet auch, dass nicht alles neu sein wird. Wir schauen auf Flohmärkten oder im Internet, ob es nicht auch etwas gutes Gebrauchtes gibt“, berichtet sie. Für viele Betroffene sei selbst das neu, verbunden mit der Erkenntnis, dass es nicht immer das Neue, das Teure sein muss, das auf Raten gekauft wird.

Anonyme Hilfe für Familien in Not

Der Kinderschutzbund selbst erfährt nicht, welche Familie unterstützt wird. Diese Anonymität erleichtert vielen, um Hilfe zu bitten. „Man unterschätzt immer wieder, wie schwierig das ist, öffentlich zuzugeben, dass man Hilfe braucht“, erklärt Brigitte Honisch. Da melde man lieber sein Kind krank, wenn die Klassenfahrt ansteht, als dass man beim Förderverein um eine Unterstützung bittet.

Um Unterstützung bittet nun allerdings der Kinderschutzbund. 13 Mitglieder hat der Kreisverband derzeit – einige aktive und einige passive, die die 25 Euro Jahresbeitrag aufstocken, um zu helfen. „Wir sind zu wenige, um all die Arbeit zu stemmen. Das merken wir dann am Ende auch bei den Einnahmen“, sagt Brigitte Honisch. Betrieb der Kinderschutzbund früher einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt, ist das heute nicht mehr zu stemmen.

Wichtigste Einnahmequelle droht wegzubrechen

Zudem droht dem Verein seine wichtigste Einnahmequelle wegzubrechen. Jahrelang war es Tradition, dass an Heiligabend in einem Weilheimer Lokal morgens zum Weißwurstessen eingeladen wurde. Der Wirt verkaufte nur die Getränke, die Würste wurden gesponsert und dann gegen eine Spende abgegeben. Zwischen 10 und 1000 Euro war den Besuchern die Mahlzeit wert. Geld, mit dem der Verein schnell und unbürokratisch helfen konnte.

Doch heuer wird es das Weißwurstfrühstück an Heiligabend höchstwahrscheinlich nicht mehr geben. „Wir suchen einen neuen Wirt“, sagt Schriftführer Josef Kantsperger. Er hofft inständig, dass sich wieder ein Gastronom bereit erklärt, die gute Sache zu unterstützen, denn „die Spenden vom Weißwurstfrühstück waren unsere Haupteinnahmequelle“.

Auch sonst gibt es viele großzügige Spender, viele Aktionen zugunsten des Kinderschutzbundes – aber die rund 5000 Euro vom Weißwurstfrühstück waren der Grundstock, mit dem die Vereinsmitglieder rechnen können. „Wir helfen gern“, sagt die 1. Vorsitzende Brigitte Honisch. Aber nun brauchen die Helfer selbst ein wenig Hilfe. 

Kontakt

Wer den Kinderschutzbund unterstützen möchte, erreicht Brigitte Honisch unter Telefon 0881 / 7202. Das Spendenkonto lautet: DE76 7035 1030 0032 0949 14.

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