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Klares Votum für 1+1-Turnhallenvariante am Weilheimer Gymnasium - was macht jetzt der Kreistag?

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Von: Sebastian Tauchnitz

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Die Grafiken zeigen jeweils ein Beispiel mit Faserzementplatten (oben) und eines mit Holz. Turnhalle Gymnasium Weilheim
Sogar verschiedene Varianten der Fassade für die 2+1-Variante waren eingehend untersucht und ausgiebig diskutiert worden. Das war umsonst, die 1,2 Millionen Euro für die Planung der 2+1-Variante sind für die Katz‘. © Tiemann-Petri Koch Planungsgesellschaft mbH Freie Architekten BDA

Der Kreisausschuss hat zum wiederholten Mal die teure 2+1-Turnhallenvariante am Weilheimer Gymnasium beerdigt und sich für einen Neubau von zwei übereinanderliegenden Turnhallen an der heutigen Stelle ausgesprochen.

Weilheim – Was genau das dieses Mal bedeutet, wird sich allerdings erst zeigen, wenn Anfang Juni der Kreistag zu diesem Thema im Rahmen einer Sondersitzung zusammenkommt. Bereits vor wenigen Wochen hatte der Kreisausschuss die Planungen für die 2+1-Variante gestoppt, weil die Kosten dafür vollkommen aus dem Ruder gelaufen waren (wir berichteten). Dennoch war im Kreistag wieder ausführlich über das Thema diskutiert worden. Kreisrat Hans Schütz (Grüne/Peiting) hatte dabei gefordert, dass die Arbeiten für die 2+1-Variante „unverzüglich“ beginnen sollten – egal, welche Kosten dabei entstehen sollten.

Mal ganz abgesehen davon, dass das rein praktisch nicht möglich ist, wie der Leiter des Bau- und Liegenschaftsamtes, Florian Steinbach, am Montag im Kreisausschuss erklärte – die 2+1-Variante fiel dort ein weiteres Mal krachend durch.

Kosten für die 2+1-Halle steigen unaufhörlich

Steinbach hatte erklärt, dass aufgrund des im April beschlossenen Planungsstopps „ein Baubeginn noch in diesem Jahr auch bei der 2+1-Variante nahezu ausgeschlossen“ sei. Aufgrund der immensen Baukostensteigerungen in den vergangenen Monaten habe sich das Projekt mittlerweile auf 15,8 Millionen Euro verteuert. Verfolge man es weiter und starte 2023 mit den Arbeiten, könne man mit 16,8 Millionen Euro rechnen, so Steinbach.

Das war den Mitgliedern des Kreisausschusses auch mit Blick auf die zahlreichen weiteren notwendigen Investitionen in den kommenden Jahren einfach zu viel Geld. Stattdessen kristallisierte sich in der Debatte schnell heraus, dass sich die überwältigende Mehrheit der Ausschussmitglieder für die 1+1-Variante erwärmen können, die die Verwaltung überraschend im Kreistag aus dem Hut gezaubert hatte.

Neubau soll minimal größer und dadurch „schulsporttauglich“ werden

Hierbei soll das bestehende Turnhallengebäude abgerissen und durch einen ähnlich angeordneten Neubau ersetzt werden, bei dem wieder zwei Turnhallen übereinander gestapelt werden. Allerdings sollen die neuen Hallen im Gegensatz zu den bisherigen uneingeschränkt „schulsporttauglich“ sein, indem man sie rund zwei Meter länger und einen Meter breiter baut. So könnten im Schulsport dann auch Ballsportarten gefahrlos trainiert werden. Eines wird die neue Doppelhalle dann aber nicht: vereinssporttauglich. Sehr zum Leidwesen der TSV Weilheim, der fest mit den neuen Hallen gerechnet und die Stadt überzeugt hatte, die dadurch entstehenden Mehrkosten zu übernehmen.

Durch den Wegfall der Vereinssporttauglichkeit wird die neue Doppelhalle allerdings auch deutlich preiswerter. Florian Steinbach nannte eine Kostenschätzung von rund acht Millionen Euro, weil aufwändige Erdarbeiten wegfallen würden, für eine reine Schulnutzung kein zusätzlicher Aufzug benötigt wird und der Anschluss an die bestehende Schulfassade problemlos möglich sei.

Sanierung des Bestandsgebäudes fällt ebenfalls im Ausschuss durch

Lediglich Markus Kunzendorf (ÖDP/Oberhausen) machte sich weiterhin dafür stark, einfach nur das Bestandsgebäude für maximal sechs Millionen Euro zu sanieren. Auf den gesamten Lebenszeitzyklus gesehen sei der Neubau günstiger, rechnete Wolfgang Scholz (CSU/Schwabsoien) vor. Weil ein Neubau einfach länger hält. Deswegen werde die Union im Kreistag für die 1+1-Variante stimmen.

Ausgerechnet der stellvertretende Landrat Wolfgang Taffertshofer (BfL/Obersöchering), zu dessen Fraktion auch Weilheims Bürgermeister Markus Loth (BfL/Weilheim) gehört, fühlte sich nicht ausreichend informiert und versuchte, eine Abstimmung zu verhindern. Der Kreisausschuss könne den Vortrag zur Kenntnis nehmen und den Kreistag entscheiden lassen, schlug er vor. Damit biss er aber auf Granit bei seinen Ausschusskollegen.

Grüne: CO2-Einsparungen gern, aber nicht um jeden Preis

Markus Bader (SPD/Rottenbuch) warnte davor, viel Geld für eine Zertifizierung des Neubaus auszugeben, nur um doch noch KfW-Fördermittel zu bekommen. Zum einen sei die KfW-Förderquote halbiert worden, was angesichts der Bausummen „das Kraut net fett“ mache, wie es Florian Steinbach von der Verwaltung formulierte. Zudem war sich Bader sicher, dass Aufwand und Nutzen da in keinem Zusammenhang stehen würden.

Karl-Heinz Grehl (Grüne/Weilheim) freute sich, dass eine Sanierung des Bestandsgebäudes vom Tisch ist: „Ich habe immer gesagt, dass das Gebäude meiner Ansicht nach nicht saniert werden kann.“ Auch er meinte, der Energieverbrauch des Gebäudes sei sicher wichtig, aber Einsparungen beim CO2-Ausstoß dürften „nicht um jeden Preis“ realisiert werden.

Kritik kam von Rüdiger Imgart (AfD/Weilheim). Sicher sei die 1+1-Variante „die richtige Entscheidung“. Er hätte sich allerdings von Stadt und Landkreis mehr Mut gewünscht „und gern den Bau einer neuen Dreifachhalle an Stelle des Hallenbades gewagt“.

Selbst nach Neubau fehlt der Schule ein Turnhallenfeld

Landrätin Andrea Jochner-Weiß räumte ein, dass ihr „ganz privat das Herz blutet, weil ich immer gesagt habe, wir brauchen eine ordentliche Lösung. Und das wäre die 2+1-Variante gewesen.“ Allerdings gehe es ihr mit der 1+1-Variante „jetzt wesentlich besser“, weil es ein Neubau mit überschaubaren Risiken sei.

Jochner-Weiß wies aber auch darauf hin, dass die nun favorisierte Planung einen Pferdefuß habe. Dem Gymnasium stehen aufgrund der Schülerzahlen drei Turnhallenfelder zu, gebaut werden aber nur zwei. Der Landkreis hat dafür auch bereits einen Plan ausgearbeitet (wir berichteten), braucht dafür allerdings die Schützenhilfe der Stadt Weilheim.

Warten auf Abriss des heutigen Hallenbades

Wenn diese, wie angekündigt, wirklich ein neues Hallenbad an anderer Stelle baut, könnte das heutige Hallenbad abgerissen werden und dort eine weitere Dreifachhalle entstehen. Zwei der drei Felder würde der Landkreis finanzieren, um den Bedarf des Gymnasiums und des Förderzentrums zu decken, das dritte Feld müsste die Stadt finanzieren. Dann hätte auch der TSV seine wettkampftaugliche Halle, wenn nach Fertigstellung dann die Jahn-Turnhalle generalsaniert würde.

Die Landrätin ließ aber auch keinen Zweifel daran aufkommen, dass das derzeit reine Zukunftsmusik und noch nichts entschieden ist. Zudem ist vollkommen unklar, ob der Landkreis dann, wenn das Projekt spruchreif würde, noch über das nötige Kleingeld verfügen würde, um das Vorhaben durchzuziehen.

Fakt ist auf alle Fälle, dass sich alle Mitglieder des Kreisausschusses außer Markus Kunzendorf am Ende für die 1+1-Variante als Neubau aussprachen. Auch weil laut Kreiskämmerer Norbert Merk dabei die Chance bestehe, dass man bis 2025, wenn G9 eingeführt wird, mit dem Neubau fertig sein könnte. Nun muss der Kreistag entscheiden.

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