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Klaus Bauer, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Weilheim-Schongau, und der Weilheimer Geschäftsstellenleiter Jens Wucherpfennig (m.) im Gespräch mit Redaktionsleiter Boris Forstner. 

Interview mit IHK-Chef Klaus Bauer

„Wirtschaftswachstum nicht verteufeln“

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Der IHK-Regionalausschuss mit seinen 17 Mitgliedern vertritt die Interessen von 9000 Unternehmen  im Landkreis Weilheim-Schongau. Vor der Kommunalwahl  hat er einen Forderungskatalog erstellt. Wir sprachen  darüber mit dem Vorsitzenden des IHK-Regionalausschusses Klaus Bauer.

Herr Bauer, ist die Kommunalwahl für Sie wichtiger als etwa die Bundestags- oder Landtagswahl?

Die Stimmung vor Ort ist für unsere Betriebe sehr wichtig. Wenn es darum geht, wie wirtschaftsfreundlich eine Kommune ist, dann ist die Zusammensetzung eines Stadt- oder Gemeinderats nicht unerheblich. Die Bürgermeister pflegen natürlich ihre Kontakte in die Wirtschaft nach eigenem Ermessen, normalerweise gibt es regelmäßige Treffen, da können wir uns nicht beklagen. Letztlich ist das alles beherrschende Thema die Frage nach dem Wachstum. Brauchen wir Wachstum, und wenn ja, wie viel? Das ist auch mein zentrales Thema, darüber müssen wir reden. Denn für mich gilt: Jede Wirtschaft muss wachsen und sich entwickeln können, sonst bedeutet das automatisch Rückschritt.

Es gibt aber ein moderates Wachstum und eines, das gleich mehrere tausend Leute ansiedeln will.

Wenn ich das Bevölkerungswachstum der Region anschaue...

...das im Landkreis bis 2038 ein eher geringes Wachstum vorsieht.

Ich rede aber von der Region München, die soll um 400 000 bis 500 000 Einwohner wachsen. Da frage ich: Wie bekommen wir das hin? Da darf sich der Landkreis nicht abkoppeln. Wenn ich Aussagen höre wir: Wir wollen gar nicht wachsen, sondern alles so bleiben, wie es ist, ist das für mich ein komplett falscher Ansatz.

Dann dürfte Ihnen der Vorstoß beim Thema MVV-Beitritt ja gut gefallen haben.

Ja, die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs ist eine unserer Kernforderungen. Da ging es plötzlich ganz schnell. Das Thema war offenbar reif. Es tut sich was. Auch beim bezahlbaren Wohnraum sind sich alle einig, dass das Angebot zu gering ist. Zwar verdienen viele Menschen im Landkreis nicht schlecht...

...aber ein eigenes Häuschen wird sich trotzdem kaum einer leisten können.

Klar, die Preisentwicklung ist enorm. Aber wenn man sich den Mietenspiegel rund um München anschaut, ist Weilheim immer noch relativ günstig. Das hilft aber nicht weiter, wenn es grundsätzlich an Wohnraum mangelt.

Eine Forderung der IHK ist, Verkehrswege auszubauen. Da dürfte an erster Stelle die Umfahrung Weilheim stehen.

Aus Sicht der Wirtschaft brauchen wir die Entlastungsstraße ganz dringend. Aber es geht noch um viel mehr. Weilheim ist Oberzentrum, das schließt den Ausbau von Behörden, Schulen, sozialer Infrastruktur mit ein – dafür muss sich die Weilheimer Stadtpolitik stark machen. Auch in Penzberg ist es ähnlich, bei Roche wird es weitergehen, da muss man als Kommune mitwachsen wollen.

Es gibt viele Kandidaten in den Städten, aber eine konkrete Wahlempfehlung sprechen Sie nicht aus, oder?

Wir sagen immer: Die IHK ist parteipolitisch neutral, aber parteiisch in der Sache. Die Punkte in unserem Positionspapier haben wir intensiv diskutiert. Es gibt im Regionalausschuss immer wieder unterschiedliche Meinungen und auch politische Sichtweisen, daraus entsteht Diskussionsbedarf. Aber letztendlich haben wir das Papier einstimmig beschlossen und alle tragen es mit. Wichtig ist bei allem, dass die Wirtschaft als Teil der Lösung gesehen wird, nicht als reiner Problemverursacher.
Wenn ich die örtliche Wirtschaftskraft, von der wir alle gut leben, und Wirtschaftswachstum ständig pauschal verteufele, bekommen wir unsere Zukunftsthemen nicht angepackt. Außerdem sind schon jetzt viele Unternehmen damit konfrontiert, dass immer mehr Mitarbeiter ihre Arbeitszeit reduzieren wollen, um mehr Zeit für die Familie oder ihre Work-Life-Balance zu haben. Auch freitags wollen ganz viele Menschen nicht mehr arbeiten. Dabei haben wir eine angespannte Fachkräftesituation. Wenn dann in der Öffentlichkeit noch dazu eine Debatte gegen weiteres wirtschaftliches Wachstum geführt wird, ist das nicht unbedingt ein Motivationsschub für die Menschen, mehr zu arbeiten.

Beim Thema Verkehr und Mobilität finde ich interessant, dass es abgesehen von der Weilheimer Umfahrung um Theman wie CarSharing, Umweltticket Bahn-Ausbau geht – das könnte vermutlich auch jemand von der ÖDP unterschreiben.

Für mich gehört Weilheim zur Region München, und das muss einen reibungslos funktionierenden öffentlichen Nahverkehr mit Zug- und Busanbindungen sowie einem einheitlichen Tarifsystem einschließen. Wenn das alles ordentlich funktioniert, wird der ÖPNV auch benutzt. Es gibt beispielsweise das neue Umweltticket, da muss der Mitarbeiter für eine Jahreskarte inklusive Firmenzuschuss nur noch sechs Monate zahlen. Leider kann man damit jedoch Bahn und Bus noch nicht kombinieren. Aber grundsätzlich begrüßt die heimische Wirtschaft jede Investition in den öffentlichen Nahverkehr.

Alle Infos und News zur Kommunalwahl 2020 im Landkreis Weilheim-Schongau finden Sie immer aktuell auf unserer großen Themenseite.

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