+
Der schönste Landkreis Deutschlands, Weilheim-Schongau, wählt im März 2020 einen neuen Landrat. Wir stellen die Kandidaten vor.

Riesiges Bewerberfeld

Die ganz große Auswahl: Neun Bewerber wollen Landrat im Kreis Weilheim-Schongau werden

  • schließen

Das Kandidatenfeld für die Landratswahl für den Landkreis Weilheim-Schongau im März 2020 wächst und wächst. Bislang haben acht Männer und die Amtsinhaberin den Hut in den Ring geworfen. Doch wer genau stellt sich da zur Wahl?

Landkreis Weilheim-Schongau - Es geht um ein ganz besonderes Büro in der Pütrichstraße in Weilheim - nämlich das des Landrates. Hier wechselten in den vergangenen Wahlperioden immer wieder die jeweiligen Nutzer. Erst war es Friedrich Zeller (SPD), der 2008 in der Stichwahl den Amtsinhaber Luitpold Braun (CSU) aus dem Amt kegelte. Und dann war es ausgerechnet seine Stellvertreterin Andrea Jochner-Weiß (CSU), die Zeller ihrerseits in der Stichwahl deutlich schlug. Es waren noch nicht einmal alle Gemeinden ausgezählt, als der SPD-Politiker am 30. März 2014 um Punkt 18.54 Uhr seine Niederlage einräumte. Andrea Jochner-Weiß hatte in der Stichwahl 68 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können und bezog wenig später das reichlich unspektakuläre Landratsbüro direkt an der B2 in Weilheim. 

Landratswahl 2020 in Weilheim-Schongau: Amtsinhaberin Andrea Jochner-Weiß (CSU) tritt wieder an

Nun will sie zum ersten Mal ihr Amt verteidigen. Die CSU nominierte sie mit überwältigender Mehrheit. Jochner-Weiß, die als erste Frau Chefin des Landratsamtes im Landkreis Weilheim-Schongau ist, hat in den zurückliegenden Jahren ihrer Amtszeit vor allem ein großes Investitionsprogramm im Landkreis angestoßen.

Zahlreiche Schulen wurden saniert oder teilweise neu errichtet, allein rund 80 Millionen Euro werden derzeit in den Bau eines neuen Berufsschulzentrums in Weilheim investiert. Parallel dazu wurden auch hohe Millionenbeträge in die Finanzierung und Modernisierung der Krankenhaus GmbH mit ihren Standorten in Weilheim und Schongau gepumpt.

Kritiker werfen Jochner-Weiß daher einen allzu sorglosen Umgang mit den Kreisfinanzen vor - die Neuverschuldung stieg deutlich an. Zudem liegt die Kreisumlage, die die Städte und Gemeinden zur Finanzierung des Landkreises zahlen müssen, derzeit bei 54 Prozent und damit weit höher als in den umliegenden Landkreisen. Das sind Punkte, die ihre Gegenkandidaten sicherlich im Wahlkampf thematisieren werden.

Landratswahl 2020 in Weilheim-Schongau: Karl-Heinz Grehl (Grüne)

Einer dieser Gegenkandidaten ist der heutige stellvertretende Landrat Karl-Heinz Grehl (Grüne). Er bewarb sich erstmals 2008 für das Amt des Landrats. Und wurde von seiner Partei auf der Aufstellungsversammlung in Penzberg erneut mit großer Mehrheit ins Rennen geschickt. Wie will er das erreichen? Grehl will, wie er in seiner Vorstellungsrede betonte, „die gesamte politische Landschaft verändern“. Er sagte: „Ich will die Kommunen begrünen“ und „die Führungsspitze im Landratsamt muss begrünt werden“. Dabei will er unter andere Arbeit und Wohnen zusammenbringen, elektrische Dienstwagen anschaffen und sich für einen Nationalpark „Ammertaler Gebirge“ starkmachen.

Landratswahl 2020 in Weilheim-Schongau: Alexander Majaru (SPD)

Während Grehl ein „alter Hase“ im Kreistag ist, setzt die SPD mit Alexander Majaru auf „die Kraft der Jugend“. Der 29-jährige Schongauer wurde zwar bereits vor einigen Wochen offiziell präsentiert, die eigentliche Nominierung ist aber erst für den 23. November geplant. Majaru wurde 1989 in Mortu in der Kleinen Walachei in Südrumänien als Sohn eines Banater Schwaben und einer rumänischen Mutter geboren. 1990 kam er nach Deutschland. Er kündigte an, erst die Busverbindungen zu den Städten und Bahnhöfen zu verbessern und dann die Bahnverbindungen optimieren zu wollen, damit auch die Bevölkerung auf den Dörfern den öffentlichen Personennahverkehr besser nutzen kann.

Das kam bei seinen Parteigenossen hervorragend an. Sie feierten ihn bei der offiziellen Aufstellungsversammlung mit tosendem Applaus

Landratswahl 2020 in Weilheim-Schongau: Michael Marksteiner (Freie Wähler)

Weil ihm „an der derzeitigen Politik einiges nicht gefällt“, entschloss sich der 36-jährige Michael Marksteiner aus Weilheim dazu, für die Freien Wähler als Landrat zu kandidieren. Was genau es ist, dass ihn stört, sagte er allerdings bei seiner Nominierung nicht. Dennoch sprachen ihm die Freien Wähler einstimmig ihr Vertrauen aus. Als seine wichtigsten Ziele nannte Marksteiner den Erhalt von Einrichtungen, die für die Bevölkerung wichtig sind, wie die beiden Krankenhäuser in Weilheim und Schongau und das Hallenbad in Weilheim.

Außerdem will er die regionale Erzeugung von Lebensmitteln fördern und die Rahmenbedingungen für „bezahlbaren Wohnraum für alle Einkommensgruppen“ schaffen. Marksteiner: „Jeder soll die Möglichkeit haben, Wohneigentum zu erwerben.“

Landratswahl 2020 in Weilheim-Schongau: Markus Kunzendorf (ÖDP)

Nachdem die ÖDP-Kreisvorsitzende Agnes Edenhofer dankend abgewunken hatte, nominierten die Mitglieder der ÖDP mit 18 von 19 abgegebenen Stimmen Markus Kunzendorf als ihren Landratskandidaten. Der 43-Jährige, der im Oberhausener Ortsteil Berg wohnt, arbeitet als Geschäftsführer einer Finanzberatung in Starnberg. Derzeit macht er ein Wirtschaftsstudium. 

In seiner Vorstellung für die Kommunalwahl 2020 sagte er, er sei schon lange politisch aktiv, zur ÖDP sei er gekommen, „weil es den anderen nur um Wirtschaftswachstum geht, und das funktioniert auf lange Sicht nicht“. Er sei Vertreter einer Alternative, egal ob diese „Gemeinwohl-Ökonomie oder öko-soziale Marktwirtschaft“ heiße. Als seine politischen Ziele nannte er unter anderem den zweigleisigen Ausbau der Bahn mindestens bis Murnau, die Schaffung eines Radwegenetzes, den Erhalt der kommunalen Krankenhäuser und die Einführung des neuen Mobilfunkstandards „5G“ erst, nachdem dessen Unschädlichkeit zweifelsfrei bewiesen ist.

Landratswahl 2020/Weilheim-Schongau: Morten Faust (FDP)

Morten Faust, den die FDP ins Rennen um das Amt des Landrats für den Landkreis Weilheim-Schongau schicken möchte, bezeichnete sich selbst bei seiner Vorstellung als „unbeschriebenes Blatt“, da er keine kommunalpolitische Erfahrung vorweisen kann. Der FDP-Man, der 1967 in Flensburg geboren wurde, lebt erst seit 2018 in Weilheim und möchte erreichen, dass „der Landkreis mal kräftig durchgepustet wird“.

Umwelt und Klima, Siedlungen und Straßen will er vom motorisierten Individualverkehr entlasten und damit die Mobilitätswende vorantreiben. Zudem will er junge Unternehmer von bürokratischen Lasten befreien, so dass sie sich auf „die Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen konzentrieren können“.

Landratswahl 2020 in Weilheim-Schongau: Tillmann Wahlefeld (BfL)

Obgleich er bereits seit 2014 für die Bürger für Weilheim (BfW) im Stadtrat sitzt, betritt Tillmann Wahlefeld erst jetzt die große politische Bühne. Er kandidiert für die Bürger für den Landkreis (BfL) für das Amt des Landrats für den Kreis Weilheim-Schongau. 

Er wurde von den 38 Anwesenden bei der Mitgliederversammlung einstimmig gewählt. Die offizielle Aufstellung steht allerdings noch aus. Zu seinem Wahlprogramm ist bislang noch nicht viel bekannt, bei seiner Vorstellung sagte er lediglich:  „Ich werde großes Gewicht auf den ÖPNV legen.“ Aber nicht dogmatisch, sondern dort, wo es sinnvoll sei – und wenn manchmal das Auto die beste Lösung ist, kann Wahlefeld auch damit leben.

Landratswahl 2020 in Weilheim-Schongau: Jörn Wiedemann (Unabhängige)

Zusammen mit der ÖDP haben die Unabhängigen seit zwei Wahlperioden eine Fraktionsgemeinschaft im Kreistag. Doch bereits im Juli hatten die Unabhängigen mitgeteilt, bei der Kommunalwahl im März wieder eigenständig antreten zu wollen, um das Profil zu schärfen.

Deswegen schickten sie jetzt auch mit Jörn Wiedemann einen eigenen Bewerber für um das Amt des Landrats ins Rennen. Der 51-Jährige ist relativ neu im Landkreis, erst vor zweieinhalb Jahren ist er von München nach Prem gezogen. Wiedemann engagiert sich nicht nur privat, sondern auch beruflich für das Thema „Gemeinwohlökonomie“: In seinem Job beim Terra-Institut geht es um die Nachhaltigkeits-Beratung von Unternehmen.  Er wolle etwas ändern in der Politik, dafür müsse man sich einsetzen – „und zwar da, wo ich lebe und etwas bewirken kann“, sagt Wiedemann zu seinen politischen Zielen.

Landratswahl 2020 in Weilheim-Schongau: Rüdiger Imgart (AfD)

Der Vorsitzende des AfD-Kreisverbands Weilheim-Schongau, Rüdiger Imgart, tritt als Landrats-Kandidat an. Bei einer Parteiversammlung wurde der 63 Jahre alte Rechtsanwalt nach eigenen Angaben und unter Ausschluss der Presse ohne Gegenkandidaten einstimmig gewählt. „Eine effiziente öffentliche Verwaltung und alle kommunalpolitischen Fragen haben mich schon seit meiner Jugend interessiert, denn mein Vater war Regierungspräsident und meine Mutter Bürgermeisterin“, erklärte Imgart.

Als Landrat würde er sich für „eine besonders bürgerfreundliche und transparente Verwaltung einsetzen“, betonte der vierfache Familienvater.

Kommunalwahl 2020 in Weilheim-Schongau: Lust auf weitere Infos?

Alle Infos und News zur Kommunalwahl 2020 im Landkreis Weilheim-Schongau finden Sie immer aktuell auf unserer großen Themenseite. Die wichtigsten Fragen zur Kommunalwahl in Bayern lesen Sie auf unserer Überblickseite.

Infos rund um die Kommunalwahl: Welche Aufgaben hat ein Landrat? 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Eurasburgerin unterschlägt Mietwagen
Eine Eurasburgerin hat sich einen Kleinwagen gemietet und nicht zurückgebracht. Nun stellte die Polizei das Auto sicher.
Eurasburgerin unterschlägt Mietwagen
Erfreuliches Wiederhören mit „Weilheim-Sound“
Das „Joscha Arnold Large Ensemble“ spielte in der Tiefstollenhalle und bescherte dem Veranstalter, dem Kulturverein Peißenberg, volles Haus. Zwei Jahre waren seit dem …
Erfreuliches Wiederhören mit „Weilheim-Sound“
Diensthandy-Streit zwischen Bürgermeister-Kandidatinnen Zehetner und Engel
Heftig gekracht hat es in der jüngsten Sitzung des Penzberger Stadtrat zwischen Bürgermeisterin Elke Zehetner (SPD) und Kerstin Engel (Grüne). Auslöser war der Vorwurf …
Diensthandy-Streit zwischen Bürgermeister-Kandidatinnen Zehetner und Engel
„Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“: Veronika Lang schließt ihren Laden „La Casa“ in Weilheim
Wenn Veronika Lang in ihrem Laden „La Casa“ an der Pöltnerstraße zwischen Tellern, Tassen, Thermoskannen und vielem mehr die Kunden berät, dann ist die temperamentvolle …
„Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“: Veronika Lang schließt ihren Laden „La Casa“ in Weilheim

Kommentare