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Feiern und dabei die Natur im Fokus haben: Joseph Wurm (v.l.) von den „Naturfreunden“ bespricht mit den Veranstaltern Christian Botsch, Navina Pernsteiner und Florian Mangold, wie das gehen kann.

„Eine Party für Neo-Hippies“

„Komod-Festival“ an der Ammer: Elektro-Musik von mittags bis morgens in Naturidylle

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Wald, Wiesen, Wasser: Das Areal zwischen Tiefenbach und Ammer, nahe dem Naturfreundehaus, ist Idylle pur. Hier soll im Sommer ein großes Festival stattfinden. Was geboten ist und warum die Naturfreunde kein Problem damit haben.

Weilheim – Auf dem Gelände rund um das Weilheimer Naturfreundehaus explodiert gerade die Natur. Bärlauch blüht, die Wiesen stehen hoch, die Bäume sind satt grün. Dass hier in einigen Wochen um die 800 Menschen drei Tage das Leben feiern werden – irgendwie noch nicht vorstellbar.

Beim Rundgang an einem Frühsommertag mit den drei Veranstaltern lebt die Idee auf. „Hier entsteht die Waldbühne, hier kommt der Imbissstand hin, hier dürfen die Leute zelten.“ Navina Pernsteiner (29), Christian Botsch (31) und Florian Mangold (42) deuten auf noch zugewucherte Wiesen und Waldlichtungen. Vom 3. bis 5. August veranstalten sie hier das „Komod-Festival“. Drei Tage Kultur aus der Region versprechen die Drei, kommod soll es zugehen, daher der Name. „Hängematten, bunte Lichter, leckerer Köstlichkeiten und Gemütlichkeit für alle“ - und natürlich (elektronische) Musik von mittags bis morgens.

Die Idee dafür kam Christian Botsch beim Joggen in der Gegend. „Es wäre schön, hier ein Fest zu machen“, habe er sich bei einer der Runden an der Ammer gedacht. Im September 2017 reichte er ein Konzept bei der Stadt ein, der der Großteil der Fläche gehört. Zwischenzeitlich schlossen sich Florian Mangold und Navina Pernsteiner dem Projekt an. Im Dezember kam die Genehmigung. Alles sehr unkompliziert.

„Wir waren überrascht, wie problemlos das ging“, sagt Mangold. Ebenso überrascht war Joseph Wurm. Der Vorsitzende der Naturfreunde Weilheim, die das Areal gepachtet haben und dort auch das Naturfreundehaus betreiben, erinnert sich, wie „super funktioniert“ der Genehmigungsprozess habe, wie „alle mitgezogen“ hätten. Besonders die Standortfördererin Jutta Liebmann habe von Anfang an „zu 100 Prozent dahintergestanden“, so Pernsteiner. Und: Die Stadt erlasse ihnen sogar die Grundstücksmiete.

Aber Moment mal: Naturlandschaft, Naturfreunde und Festival mit 800 Besuchern – beißt sich das nicht? 

„Wir sehen das positiv“, sagt Wurm beim Rundgang. Er habe selbst Kinder im jungen Erwachsenenalter. „Die sagen, in Weilheim ist nichts los.“ Ein solches Festival sei deshalb nur zu begrüßen. Das sähen auch die anderen Naturfreunde so. „Und wenn wir damit die Naturfreunde ins Gespräch bringen, ist das auch nicht schlecht“, so Wurm.

Dass das sensible Gelände an Ammer und Auenwald hinterher nicht Festival-Acker mit Müllbergen ist, sei außerdem oberstes Ziel, sagen Pernsteiner, Mangold und Botsch. Das Fest soll „nachhaltig und mit möglichst wenig CO²-Ausstoß“ über die Bühne gehen, so Pernsteiner. Die Besucher dürfen mit dem Auto nur bis zum Parkplatz auf dem nahen WTW-Gelände fahren. Auch wer ein Camping-Ticket hat (bis zu 300 Camper sind möglich), muss seinen Kram bis zum Zeltplatz tragen. Am Eingang gibt es Taschenaschenbecher für alle, die Trockentoiletten sind öko, das Essen ist vegan, die Trinkbecher werden aus Bambus und wiederverwendbar sein, ansonsten werden nur Glasflaschen verkauft. Dass keine Scherbenlandschaft zurückbleibt, ist mit den Naturfreunden fest vereinbart. Und auch an den am Tiefenbach lebenden Biber haben die Drei gedacht. „Wir bauen zum Bach hin einen Holzzaun“, sagt Botsch. Wie fast alles in Eigenregie, mit Hilfe eines Schreiners aus der Umgebung. Die Ammer allerdings bleibe zugänglich – die Leute sollen baden dürfen. „Ordner werden für Sicherheit sorgen, die Wasserwacht ist informiert.“

Und was wird im August genau geboten sein? 

Ein festes Programm gibt es noch nicht, regelmäßig kommen neue Bands und DJs dazu. Alle werden aber aus der Region kommen – „hier sind so viele kreative Leute“, sagt Botsch. Die Waldbühne wird abgesehen von Bands eher elektronisch klingen, die Weidenbühne mehr nach Reggae, Dancehall und Dub. Außerdem sind Workshops, Kunstprojekte und Vorträge geplant. Und am Sonntag, nach zwei Tagen Clubbing für das Feiervolk, sollen auch Familien zum Zug kommen – mit Kinderschminken, Basteln und Workshops für die Kleinen. „Es soll ein Fest für Neo-Hippies werden“, sagt Florian Mangold. Aber eben auch für alle anderen.

Info

Das „Komod-Festival“ findet vom 3. bis 5. August statt. Der Kartenvorverkauf ist limitiert, schnell sein lohnt sich. Im Moment gibt es nur Camping- und Wochenendtickets, sobald das Programm steht, werden auch Tageskarten verkauft. Infos und Karten unter „www.komod-festival.de“.

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