Froh über den glücklichen Ausgang: (v.l.) Weilheims Bürgermeister Markus Loth, die Sprengmeister Janin Strobl und Roger Flakowski sowie Landrätin Andrea Jochner-Weiß vor der entschärften Bombe. Foto: bo Es war die 18. Bombe, die im Bereich desWeilheimer Bahnhofs gefunden wurde

Weilheimer Bahnhof

Komplizierte Bomben-Entschärfung in Weilheim: „Es war ganz schön übel“

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Um 21.47 Uhr am Mittwochabend, exakt eine Stunde nach Beginn der Bombenentschärfung am Weilheimer Bahnhof, brandete Beifall auf in der Einsatzzentrale am Landratsamt. 

Weilheim – Totenstill ist es am Mittwochabend gegen 20.30 Uhr im Landratsamt. Nur in der kleinen Einsatzzentrale neben dem Sitzungssaal im obersten Stock herrscht noch Betriebsamkeit – Mitarbeiter von Feuerwehr, BRK, Stadt und Landkreis warten gespannt auf den Beginn der Entschärfung. Die war ursprünglich für 18 Uhr angesetzt, hatte sich aber immer wieder verschoben. Um 20,37 Uhr aber geht es los: Am Bahnhof machen sich die Fachleute an die Arbeit, der Katastrophenstab kann nur noch warten. „Hoffentlich hören wir nichts“, sagte Bürgermeister Markus Loth, und als kurz darauf Landrätin Andrea Jochner-Weiß dazustößt – sie war im Krankenhaus, wo Bewohner von evakuierten Pflegeheimen aufgenommen worden waren –, sagte sie exakt den selben Satz. Alle geben sich locker, doch eine gewisse Spannung ist da.

In einem Live-Ticker haben wir über die Geschehnisse berichtet.

Die letzten Wurstsemmeln werden vertilgt, Kaffee und Cola getrunken. Jochner-Weiß war am Vormittag in München, weil Bayerns Trachtler-Chef Max Bertl aus Wildsteig den Bayerischen Verdienstorden erhalten hatte. Doch als sie hörte, dass wegen des Bombenfunds in einem 500-Meter-Radius um den Bahnhof evakuiert werden muss und auch das Krankenhaus betroffen sein könnte, „saß ich sofort im Auto. Zum Glück kam es nicht dazu.“

Die Bombe nach der Entschärfung.

Doch auch so waren die Maßnahmen umfassend. Mehr als 3300 Bürger wohnten im Bereich rund um die Bombe, hunderte Einsatzkräfte waren im Einsatz (siehe Bericht unten). Bürgermeister Loth war vor allem gespannt, was für ein Bombentyp es dieses Mal ist. Denn er war irritiert über die Aussage, es handele sich um eine 500-Kilo-Bombe – „eigentlich sollten über Weilheim nur 250-Kilo-Bomben abgeworfen worden sein.“ Nach dem bisher letzten Bombenfund 2014 hatte er sich umfassend informiert. Auch Kreisbrandinspektor Anton Kappendobler, ein Fachmann beim Thema Sprengstoff, war überrascht: „Das ist die 18. Fliegerbombe, die im Bereich des Bahnhofs gefunden wurde, und bisher waren alle 17 Bomben 250-Kilo-Exemplare.“

Kappendobler beruhigte auch die nach 45 Minuten langsam nervös werdenden Mitwartenden, die auf die befreiende Nachricht warteten. „Beim letzten Mal ist es geflutscht, da hat die Entschärfung nur 45 Minuten gedauert. Aber wenn sich der Zünder verklemmt hat, braucht man schon einmal zwei Stunden.“ Doch so lange wurden die Wartenden nicht auf die Folter gespannt. Nach einer Stunde brandete Beifall auf, die Fachleute hatten die erfolgreiche Entschärfung telefonisch durchgegeben. Kurz darauf wurden auch die Sperrungen aufgehoben, gegen 22 Uhr durften die Anwohner wieder in ihre Häuser zurück. „Mei, bin ich froh“, entfuhr es Jochner-Weiß, die gleichzeitig dem Einsatzleiter, Kreisbrandmeister Markus Deutschenbaur, für seine Ruhe in dem komplizierten und aufwändigen Einsatz dankte.

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Zünder waren komplett mit Kies verklebt

Es folgte noch die Kür, denn alle wollten die Bombe sehen, die Weilheims Bürger so in Atem gehalten hatte. Am Bahnhof warteten ein erschöpfter Roger Flakowski vom Sprengkommando München und seine Kollegin Janin Strobl vom Sprengkommando Ingolstadt. „Die Bombe wurde aus zu geringer Höhe abgeworfen, deshalb traf sie in zu flachem Winkel auf und ist nicht explodiert“, sagte Strobl. Der Kopfzünder konnte nicht auslösen, war aber ebenso noch scharf wie der Heckzünder. „Das Problem war, dass die Zünder komplett mit Kies verklebt waren, den wir erst vorsichtig ablösen mussten“, sagte Flakowski. Und dann ließen sich die Zünder nicht rausdrehen, sie hatten sich verklemmt, wie Kappendobler bereits vermutet hatte. „Wir mussten sie deshalb komplett ausbauen“, sagte Flakowski und zeigte den interessierten Politikern das Gewinde, das innen nach so langer Zeit noch aussah wie neu.

Loth interessierte besonders, ob es wirklich eine 500-Kilo-Bombe war – und musste schmunzeln, als er das Trumm im Lieferwagen sah. „Ist doch eine Kleine“, sagte er, er hatte Recht behalten. Laut Flakowski habe man das nicht genau erkennen können, weil der Sprengkörper noch halb im Erdreich gelegen hatte, als ihn der Räumdienst entdeckte. Die Fachleute durchkämmen, bevor die eigentlichen Arbeiten beginnen, seit rund drei Wochen das Gelände des künftigen Busbahnhofs nach Weltkriegs-Blindgängern. Noch weitere drei Wochen werden sie brauchen – weitere Bombenfunde sind also nicht ausgeschlossen. „Jetzt genehmige ich mir aber erst einmal ein Bier“, sagte Flakowski und schnaufte tief durch.

Außerdem: Bombendrohung in den USA: Sowohl Obama, die Clintons als auch das CNN haben verdächtige Pakete bekommen, die einen Bombe enthalten können. Es scheint fast eine Bombenserie zu sein.

Nachdem bei Bauarbeiten in Hamburg eine alte Fliegerbombe entdeckt wurde, muss das Gebiet rund um die beliebte Sternschanze evakuiert werden.

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