Wann genau ein Corona-Impfstoff verfügbar sein wird, ist noch unklar. Die Landkreise wollen dafür aber gerüstet sein. Bis 15. Dezember muss es in jedem mindestens ein Impfzentrum geben.
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Wann genau ein Corona-Impfstoff verfügbar sein wird, ist noch unklar. Die Landkreise wollen dafür aber gerüstet sein. Bis 15. Dezember muss es in jedem mindestens ein Impfzentrum geben. (Symbolbild)

Frage nach Betreiber und Ort

Komplizierte Vorbereitungen: Landratsamt Weilheim-Schongau muss Impfzentrum aufbauen

  • Boris Forstner
    vonBoris Forstner
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Viel Vorbereitungszeit bleibt in der Corona-Krise nie. Neueste Aufgabe für das Landratsamt: Es muss ein Impfzentrum aus dem Boden stampfen, das am 15. Dezember betriebsbereit ist.

Landkreis – Vor etwas mehr als einer Woche schickte das bayerische Gesundheitsministerium ein umfangreiches Schreiben an alle Landratsämter mit der Aufforderung, bis 15. Dezember ein Impfzentrum aufzubauen. Zwar gibt es noch gar keinen zugelassenen Impfstoff, doch die Genehmigung von voraussichtlich zwei Impfstoffen steht nach Expertenaussagen unmittelbar bevor – dann kann es mit der Zuteilung schnell gehen. Deshalb die Eile.

In dem Schreiben wurden umfangreiche Vorgaben gemacht. „Es ist aber so gehalten, dass die Landkreise auf ihre spezifischen Verhältnisse reagieren können“, sagt Marcus da Gloria Martins, Corona-Sprecher des gesundheitsministeriums. Vorgeschrieben ist mindestens eine Impfstation und die Schaffung von mobilen Impfteams. Ob Flächenlandkreise zwei oder auch drei Impfzentren aufbauen, bleibt ihnen überlassen. Wichtig ist nur, dass ein entsprechend großer Durchlauf gewährleistet ist. Denn die Aufgabe ist enorm, wie ein Rechenbeispiel zeigt: Angenommen, 30 Prozent der Landkreisbürger wollen sich impfen lassen, wären das etwa 40 000 Menschen. Jeder muss – nach der Erstimpfung – drei Wochen später nochmal geimpft werden. Das macht 80 000 Termine. Umgerechnet auf die lange Zeit von zehn Monaten wären das rund 400 Impfungen pro Werktag, die erst einmal bewerkstelligt werden müssen.

Landkreis Weilheim-Schongau will nur eine Impfzentrum betreiben

Zumal der Aufwand um einiges größer ist als bei den derzeitigen Testzentren wie am Weilheimer Volksfestplatz. Dort bleibt man im Auto sitzen, gibt nur Personalien und eine Speichelprobe ab, das war’s. Im Impfzentrum sind laut Gloria Martins höhere Anforderungen nötig: „Es wird ein Aufnahmeraum benötigt, dann ein Zimmer für Informationen, einen Raum für die eigentliche Impfung und einen Aufenthaltsraum – das ist vermutlich ein größerer Platzbedarf nötig als in einem Zelt einer Teststationen.“

Der Landkreis hat laut Sprecher Hans Rehbehn bereits für sich entschieden, nur eine Impfstation zu betreiben – anderes als etwa der Nachbarlandkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, der zwei aufmachen will. „Zur Zeit werden mehrere Standorte auf ihre Eignung überprüft“, so Rehbehn. Es sei nicht zwingend, dass die Impfstation in Weilheim stehe – wenn ein passender Standort gefunden werde, könne der auch andernorts sein.

Wer wird Betreiber der Impfstation? Krankenhaus und BRK winken ab

Ebenso spannend ist die Frage nach dem Betreiber der Impfstation. Denn allein für die Kühlkette – einer der beiden Impfstoffe muss bei minus 70 Grad gekühlt werden, wofür es spezielle Kühlschränke braucht – braucht es besondere Voraussetzungen. Das Gesundheitsamt schloss Rehbehn als Betreiber aus, das sei nicht zu stemmen. Ebenso äußert sich Krankenhaus-Geschäftsführer Thomas Lippmann. Zwar organisiert die GmbH die Teststation in Weilheim, doch bei der Impfstation winkt er ab: „Wir müssen uns auf unsere Aufgabe in den Krankenhäusern konzentrieren, das wäre zu komplex. Der Auftrag wird sicher an jemand Externen gehen“, mutmaßt Lippmann. Tatsächlich bestätigt Rehbehn auf Anfrage, dass ein Betreiber gesucht und die Ausschreibung derzeit vorbereitet wird.

Könnte das Bayerische Rote Kreuz ein Interessent sein? „Dafür haben wir nicht die Ressourcen“, sagt BRK-Kreisgeschäftsführer Hans Eberl. Es gebe schon jetzt immer wieder Ausfälle von Mitarbeitern, die in Quarantäne müssen, da könne man nicht noch zusätzlich eine so große Aufgabe stemmen. „Wir müssen zuerst einmal unseren Regelbetrieb sichern.“ Sicher gebe es andere BRK-Kreisverbände, die für die Aufgabe in Frage kommen, glaubt Eberl. „Aber man braucht neben einigen Ärzten auch Pflegepersonal, und das haben wir nicht, weil wir nicht im Pflegebereich tätig sind“, so Eberl. Es dürfte spannend werden, wen das Landratsamt findet.

Zeit drängt: Impfstation muss bis 15. Dezember stehen

Wie immer es ausgeht – die Zeit drängt. Laut Gloria Martins sei das Datum 15. Dezember bewusst gewählt worden, um nicht in die zweiwöchige Weihnachtsruhe zu fallen. „Es muss am 15. Dezember noch nicht alles perfekt sein, doch wir müssen bereit sein, loslegen zu können.“

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