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Krankenhaus GmbH: Mit Impfpflicht wird es für zehn Prozent der Mitarbeiter eng

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Von: Sebastian Tauchnitz

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Anne Ertel und Reinhold Lang
Die Pflegedirektorin der Krankenhaus GmbH, Anne Ertel, und der Ärztliche Direktor des Schongauer Krankenhauses, Prof. Reinhold Lang. © Berndt/Krankenhaus GmbH

Es wird ernst: Ab dem 15. März 2022 gilt eine einrichtungsbezogene Corona-Impfpflicht für Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Betroffen davon ist natürlich auch die Krankenhaus GmbH. Zehn Prozent der Mitarbeiter sind dort noch nicht geimpft.

Landkreis – Im Dezember herrschte Klarheit. Am Eingang musste jeder Mitarbeiter der Krankenhaus GmbH Weilheim-Schongau nachweisen, ob er geimpft ist oder nicht. „Das war gesetzlich so vorgeschrieben. Dadurch hatten wir aber auch einen genauen Überblick, wo wir stehen“, sagt der Ärztliche Direktor des Schongauer Krankenhauses, Prof. Reinhold Lang, im Gespräch mit der Heimatzeitung.

Alle Impfzertifikate wurden überprüft

Bei der Kontrolle ging man auf Nummer sicher: Alle Zertifikate, die dabei präsentiert wurden, wurden online auf ihre Gültigkeit überprüft. Geschummelt habe keiner der Mitarbeiter, ergänzt Pflegedirektorin Anne Ertel. Sie klingt erleichtert, als sie das sagt.

Seitdem ist klar, wer als Geboosterter einfach so zur Arbeit gehen kann und wer ohne ausreichenden Impfschutz täglich einen Schnell- und zwei bis dreimal pro Woche einen PCR-Test durchführen muss, um im Krankenhaus zu arbeiten. Doch dabei wird es nicht bleiben: Ab dem 16. März 2022 dürfen nur noch vollständig Geimpfte Mitarbeiter in den Krankenhäusern beschäftigt werden.

Zwei Ärzte noch ungeimpft

„Bei uns liegt die Impfquote bei 90 Prozent und damit über dem Durchschnitt anderer Krankenhäuser“, sagt Ertel. Bei den Ärzten seien bis auf zwei alle geimpft, ergänzt Lang. Das ergebe eine Impfquote von 99 Prozent. Bei den Pflegekräften, die das Gros der Mitarbeiter stellen, liege man bei 90 Prozent, bei den anderen Mitarbeitern – Verwaltungsangestellten, Reinigungskräften und Hausmeistern – liege die Impfquote „in etwa auf dem Niveau der Gesamtbevölkerung“, so Ertel.

Das bedeutet, dass von den rund 1300 Mitarbeitern der Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH derzeit etwa 130 noch nicht geimpft sind. Und damit Mitte März vor dem beruflichen Aus stehen. „Wir werden keinen Ungeimpften entlassen“, sagt der Ärztliche Direktor. Aber laut Gesetz dürfe man die ungeimpften Mitarbeiter auch nicht weiter beschäftigen. Deswegen werden diese unbezahlt freigestellt.

Einfach so wechseln und anderswo zu arbeiten, werde kaum möglich sein, so Lang weiter. „Im gesamten Gesundheitsbereich ist die Impfung vorgeschrieben. Das bedeutet, dass man einen komplett neuen Beruf erlernen und die Branche wechseln muss, wenn man sich nicht impfen lassen möchte.“

Hoffnung, dass möglichst wenig Mitarbeiter kündigen

Ein immenser Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter im Gesundheitswesen, für Prof. Lang aber ein notwendiger: „Ich brenne für die Impfpflicht im Gesundheitswesen, befürworte sie zu 100 Prozent.“ Es sei einfach eine Frage der Verantwortung: „Wir gehen hier mit schwerkranken Menschen um. In den Altenheimen werden hochbetagte Patienten gepflegt. Nach meiner medizinischen Ethik gibt es da keine Alternative zur Impfpflicht. Weil erwiesen ist, dass vollständig Geimpfte auch im Falle einer Infektion eine deutlich geringere Viruslast haben, also deutlich weniger ansteckend sind.“

Dennoch macht Pflegedirektorin Anne Ertel keinen Hehl daraus, dass die Impfpflicht für sie durchaus frustrierend ist: „Wir haben jahrelang geschuftet, um genügend Pflegepersonal für die beiden Krankenhäuser zu gewinnen. Und nun werden wir durch diese Regelung Mitarbeiter verlieren. Ich hoffe, so wenige wie irgend möglich.“

Sie habe deswegen das Gespräch mit den ungeimpften Kollegen gesucht. „Auf aggressive Art erreicht man da gar nichts“, meinte sie – auch mit Blick auf die öffentliche Debatte. Sie habe empathisch agiert und etliche Mitarbeiter überzeugen können. „Aber da muss man sich auch nichts vormachen: „Von denen, die sich jetzt noch impfen ließen, hat das keiner freudestrahlend gemacht. Die meisten waren alleinerziehend und brauchten das Einkommen.“

Novavax-Impftermin geplant

Dennoch hat man in der Krankenhaus GmbH nach wie vor große Hoffnungen, was die Einführung des neuen Impfstoffs „Novavax“ angeht. Der wurde kürzlich zugelassen und soll Ende Januar geliefert werden. „Wir haben dann einen Novavax-Impftermin für die Mitarbeiter, die darauf gewartet haben, für Anfang Februar vorbereitet“, so Ertel. Das würde gerade noch reichen: Die Erstimpfung Anfang Februar, die Zweitimpfung drei Wochen später, zwei weitere Wochen danach gelte man als vollständig geimpft.

Die Krankenhaus GmbH, sie werde höchstwahrscheinlich keine Betten abmelden, keine Stationen schließen müssen, weil ihr durch die Impfpflicht die Mitarbeiter ausgehen, prognostiziert Ertel. Obgleich es für sie unverständlich ist, „dass die Politik zwar die Impfpflicht für den Gesundheitsbereich beschließt, die Pflegeuntergrenzen aber nicht gleichzeitig lockert.“

Nach wie vor stellt die Krankenhaus GmbH Personal ein. Allerdings nur noch Geimpfte. Das sei gesetzlich so vorgeschrieben, so Ertel. Und auch möglich, wie der letzte „Monday for Jobs“ der Krankenhaus GmbH zeigte. Acht neue Krankenschwestern unterschrieben da Anfang der vergangenen Woche ihre neuen Arbeitsverträge bei der Krankenhaus GmbH.

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