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Operationen bringen den Krankenhäusern Geld ein.

Krankenhaus GmbH

Kliniken müssen in Corona-Modus bleiben

  • Andreas Baar
    vonAndreas Baar
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Die Krankenhäuser Schongau und Weilheim wollten Mitte Mai schrittweise in den Normalbetrieb. Doch dann kam eine Verfügung der Staatsregierung: Bis Ende Juli müssen Bayerns Kliniken Kapazitäten für Covid-19-Patienten vorhalten. Das hat Auswirkungen auf das normale Geschäft.

Landkreis – In den Kliniken Weilheim und Schongau herrschte Ende April vorsichtiger Optimismus. Die landkreiseigene Krankenhaus GmbH wollte in der Corona-Krise angesichts stabiler Erkrankungszahlen schrittweise vom Krisenmodus in den Normalbetrieb gehen. Ein strenges Sicherheits- und Hygienekonzept sollte dies ermöglichen. Ab Mitte Mai würden wieder planbare Operationen erfolgen, hieß es von den Verantwortlichen. Doch daraus wurde nichts: Am 9. Mai trat eine neue Allgemeinverfügung von Innen- und Sozialministerium in Kraft – sie schränkt den normalen Betrieb bayerischer Kliniken ein.

31-seitiges Papier

Kernaussage des 31-seitigen Papiers: Die „Bewältigung erheblicher Patientenzahlen in Krankenhäusern“ soll vorerst bis 30. Juli gewährleistet sein. Es gehe darum, „möglichst umfangreiche Kapazitäten für die Versorgung von Covid-19 Patienten, und die Entlastung anderer Krankenhäuser freizumachen“. Im Krankenhausplan des Freistaats aufgenommene Einrichtungen haben deshalb „grundsätzlich, soweit medizinisch vertretbar, planbare stationäre Aufnahmen, stationäre Operationen und Eingriffe sowie stationäre Rehabilitations- und Vorsorgeleistungen zu verschieben oder auszusetzen“.

Fast voll belegt

Das wirkt sich auf die zwei Landkreis-Kliniken aus. Beide sind fast voll belegt, wie Dr. Michael Platz, Ärztlicher Direktor in Schongau, gegenüber der Heimatzeitung sagt. „Die Patienten rennen uns die Bude ein. Wir haben fast Normalbetrieb.“ Man habe versucht, den „ersten Schwung“ wegzuoperieren. Es gab OP-Pläne ab 18. Mai. Etwa 50 Prozent der Operationen sind in der Regel kurzfristig eingeplante Notfalleingriffe, sagt Platz, der OP-Koordinator ist. Doch dann kam die Ansage aus München.

Jeder Einzelfall muss nun auf seine medizinische Notwendigkeit geprüft werden. Das bedeutet Stress für die Betroffenen. Einen OP-Termin zu verschieben, ist keine einfache Sache. „Es stecken menschliche Schicksale dahinter“, weiß Platz. Der Ärztliche Direktor mahnt: „Wir haben jede Menge Leute, die auf eine Operation warten. Man hätte schon was abarbeiten können. Aber wir haben uns nicht getraut.“

Betten vorhalten

Während die angeordneten Verschiebungen für Stirnrunzeln sorgen, kann die GmbH der ebenfalls von der Staatsregierung geforderten Bettenkapazitäten für den Corona-Kampf gelassen entgegensehen. Der Freistaat verlangt das Vorhalten von grundsätzlich 30 Prozent der Intensivkapazitäten samt Beatmungsgerät sowie 25 Prozent der Normalpflegebetten – mindestens jedoch 15 Prozent der Betten für die Versorgung von Covid-19-Patienten. Die GmbH schafft nach eigenen Angaben „deutlich mehr“ als die Mindestnorm. In Schongau hält man 36 Normalbetten im Isolationsbereich (20,9 Prozent) und vier Intensivplätze (30,8) vor. In Weilheim sind es 48 Betten (25,0) und drei Intensivplätze (18,8). An beiden Standorten könne man „innerhalb von maximal 48 Stunden“ weitere Behandlungsmöglichkeiten für Covid-19-Erkrankte schaffen. Die Versorgung mit Arzneimitteln sei darüber hinaus durch die Kooperation mit der Klinikapotheke in Garmisch gesichert.

Über 1000 Abstriche

Seit sechs Wochen lag kein Covid-19-Fall in Schongau, auch in Weilheim längere Zeit nicht. Circa 1050 Abstrichtests erfolgten in beiden Kliniken bis Ende April. Die Bereitstellung von Betten sei trotzdem „keine Übertreibung“, betont GmbH-Geschäftsführer Thomas Lippmann. „Wir sind doch froh über jedes leere Beatmungsbett, das wir haben.“ Die Verschiebung von Behandlungen und Diagnosen sieht Ärztlicher Direktor Platz jedoch mit Sorge. „Die Verzögerungen machen die Menschen nicht gesünder. Ein Normalbetrieb wäre das, was wir uns wünschen.“ Corona werde jedoch die Kliniken länger begleiten. „Ich rechne mit einer zweiten Welle. Aber die Verschnaufpause müssen wir aktiv nutzen.“

Auswirkung auf Bilanz

Thomas Lippmann, Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH, gibt sich keinen Illusionen hin: Die Verlängerung des Corona-Modi für Bayerns Krankenhäuser trifft seinen Geschäftsbetrieb. „Die vollen Kosten werden weiter auflaufen“, sagt er über erhöhte Investitionen in Sachleistungen und Personal. Gleichzeitig fehlen den Kliniken Weilheim und Schongau die Möglichkeiten, Einnahmen zu erwirtschaften. Lippmann spricht von „stark verminderten Leistungen, die wir erbringen dürfen“. Laut Krankenhaus GmbH gab es im Februar 10,4 Prozent weniger Operationen als im Vorjahresmonat. Noch extremer war es im März (minus 29,3) sowie im April (minus 37,8) gewesen. 

GmbH braucht Geld

Die GmbH, eine 100-prozentige Kreistochter, benötigt deshalb frisches Geld vom Landkreis. Laut Lippmann waren im März und April monatlich 1,5 bis zwei Millionen Euro an Liquidität notwendig. Geld, um den Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten – zum Großteil fließt es in Löhne, aber auch in Material. Seit Mitte Mai habe sich die Situation „deutlich verbessert“: Lippmann rechnet jetzt mit rund 500 000 Euro an monatlichen Zuwendungen. Grund: Die Krankenkassen zahlen schneller die Krankenhaus-Rechnungen. Außerdem „nehmen Patienten uns in den letzten Tagen sehr gut an, sie trauen sich wieder ins Haus“. 

Staatliche Unterstützung

Lippmann erwartet jedoch, dass diese Unterstützung am Ende kein Defizit bedeuten – weil ja noch staatliche Zuwendungen kämen. „Für Krankenhäuser ist schnell reagiert worden.“ Unter anderem über die Leerbettenfinanzierung: Täglich muss Lippmann aktuelle Belegungszahlen melden, dazu den Vergleichswert ein Jahr zuvor. Als Differenz zahle der Bund 560 Euro pro Tag und leerem Bett. Außerdem gebe es bayerische Unterstützung für die Essensversorgung der Mitarbeiter für April und Mai. Trotz der Finanzspritzen: „Es wird natürlich nicht reichen“, ahnt der Geschäftsführer. „Am Ende werden uns Patienten und Umsatz fehlen.“ Dafür muss der Landkreis gerade stehen. „Der Betriebskostenzuschuss wird sich erhöhen.“ Kreiskämmerer Norbert Merk hatte für heuer einen Betriebskostenausgleich von knapp über 6,9 Millionen Euro vorgesehen, 7,0 Millionen Euro hätten es jeweils die folgenden Jahre bis 2023 sein sollen – vor der Corona-Krise. Wie hoch der Ausgleich letztendlich wird, ist unklar.

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