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Die Krankenhaus-Vertreter (v.l.) Ärztlicher Direktor Prof. Andreas Knez, Pflegedirektorin Anne Ertel und Geschäftsführer Thomas Lippmann in der Weilheimer Erstaufnahme.

Stufenplan der Krankenhaus GmbH

Krankenhaus Weilheim peilt Normalbetrieb an - alle Corona-Patienten nach Schongau 

  • Andreas Baar
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Die Krankenhaus GmbH will ab Mai vom Corona-Modus zurück in den Normalbetrieb. Die Klinik Weilheim startet mit Operationen, in Schongau werden Covid-19-Patienten konzentriert.

Landkreis – Der 2. März war ein Einschnitt: Im Weilheimer Krankenhaus lag der erste Corona-Kranke im Landkreis (wir berichteten). Seitdem wurden 17 Patienten versorgt, sieben davon intensivmedizinisch. Angesichts der derzeit abflauenden Pandemie will die Krankenhaus GmbH schrittweise in den Normalbetrieb. Ab Mai sollen wieder Operationen erfolgen, teilte die landkreiseigene Gesellschaft gestern mit. Der OP-Betrieb war wegen Corona fast vollständig runtergefahren worden, nur Notfälle wurden vorgenommen.

Angst vor Krankenhausbesuch

Der Schritt hat zwei Gründe. Zum Einen sorgen sich die Fachleute um den medizinischen Allgemeinzustand. Die Nachfrage ist in beiden Krankenhäusern eingebrochen. Weilheim hat 160 Betten, 180 sind es Schongau. Doch bei der Belegung muss die GmbH seit vier Wochen ein Minus von bis zu 70 Prozent verkraften. Diese Zahl nennt Geschäftsführer Thomas Lippmann. „Wir müssen dafür sorgen, dass der Normalbetrieb wieder weitergeht, um körperliches Leid, aber auch psychische Belastungen aufzufangen“, so Ärztlicher Direktor Prof. Andreas Knez. Aber viele Menschen seien „stark verunsichert und haben Angst, sich im Krankenhaus zu infizieren“. Knez warnt: „Wir bemerken eine extreme Abnahme von Notfallpatienten.“ Was bei Symptomen von Schlaganfall oder Herzinfarkt lebensgefährlich ist. Der Mediziner rät: Bei Beschwerden nicht zögern, zum Hausarzt oder ins Krankenhaus zu gehen. Knez, der Pandemiebeauftragter ist, verweist auf hohe Schutzstandards: „Sie sind nirgendwo so sicher wie im Krankenhaus oder in den Praxen.“

Kliniken brauchen Einnahmen

Zum Zweiten brauchen die Kliniken Einnahmen. Die Ausgaben sind in der Krise in die Höhe geschossen. Laut Lippmann braucht die GmbH monatlich eine Liquidität von zwei Millionen Euro vom Landkreis als zusätzlichen Bedarf. Der Landkreis überweist eh jährlich viel Geld. Kreiskämmerer Norbert Merk hat heuer einen Betriebskostenausgleich von knapp über 6,9 Millionen Euro vorgesehen. Doch das wird nicht langen. Bislang kam die GmbH ohne Blessuren durch die Krise: Laut Lippmann gibt es keine Kurzarbeit bei den 1100 Beschäftigten. „Alle Mitarbeiter sind voll in Lohn und Brot.“

Es gibt einen Stufenplan

Die GmbH hat einen Stufenplan für die Rückkehr zum Regelbetrieb. Zuerst soll die Weilheimer Klinik „normal hochfahren“, sagt der Geschäftsführer. Ab Mai werden zwei der vier OP-Bereiche in Betrieb genommen. Allerdings nicht gleich vollbelegt, wie der Ärztliche Direktor einschränkt. Knez: „Wir werden die Fälle langsam Stück für Stück abarbeiten.“ In Schongau werden wie bisher Notfälle operiert, allerdings übernimmt die Klinik eine neue Aufgabe: Dort werden laut Lippmann Covid-19-Patienten konzentriert. „Es wird aber kein Corona-Haus.“

Schutzkonzept gilt weiter

Beide Kliniken halten an ihrem verschärften Corona-Konzept fest. Laut Pflegedirektorin Anne Ertel gehört dazu der Empfang, wo neue Patienten per „Covid-19-Verdachtsabklärung“ eingestuft werden. Mund- und Nasenschutz bleiben Pflicht, die Besuchersperre gilt weiter, ebenso die Isolierung in Einzelzimmern. Auch die Security steht weiter am Eingang. Gelockert wird die Beratung: Termine für die Chefärzte-Sprechstunden in beiden Häusern können wieder vereinbart werden, sagt Sprecherin Susanne Heintzmann.

Keine Entwarnung

Doch eine Entwarnung will keiner geben. Aktuell liegen laut GmbH in Weilheim fünf Patienten auf der Isolierstation, ein weiterer hängt am Beatmungsgerät. In Schongau sind im Schnitt fünf bis zehn Personen auf der Isolierstation, sagt Lippmann. „Wir sind noch nicht über den Berg“, warnt Ärztlicher Direktor Knez. Die Kliniken können jederzeit zurück zum Notfallmanagement. In beiden Häusern bleiben die Isolierstationen. Auch die 22 Beatmungsgeräte stehen weiter bereit.

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