Es geht um fahrlässige Tötung

Krankenhausärzte müssen vor Gericht

Weilheim - Zwei Ärzte des Weilheimer Krankenhauses müssen sich vor Gericht verantworten. Es geht um den Tod einer damals 44-jährigen Frau.

Am 27. April beginnt am Amtsgericht Weilheim der Strafprozess gegen zwei Krankenhausärzte. Der Vorwurf ist schwer: Es geht um die fahrlässige Tötung einer Patientin. In der Anklage wird den beiden Medizinern vorgeworfen, nicht die angebrachten medizinischen Maßnahmen eingeleitet zu haben, als die damals 44-jährige Frau im Januar 2010 mit dem Notarzt in die Klinik eingeliefert wurde.

Die Frau hatte nach Auskunft des Pressesprechers der Staatsanwaltschaft München II, Ken Heidenreich, einen Schock erlitten und befand sich in einem akut lebensbedrohlichen Zustand. Die beiden Ärzte, die die Frau untersuchten, erkannten wohl auch, dass die Patientin einen Schock hatte, veranlassten aber, so die Anklage, nicht ihre Verlegung auf die Intensivstation. Auch als sich der Zustand der Frau immer weiter verschlechterte, sahen die Mediziner keine Veranlassung für eine intensivmedizinische Behandlung und verlegten sie nicht auf die Intensivstation.

Erst als der Puls nicht mehr messbar war, reagierten die angeschuldigten Ärzte laut Heidenreich: Sie entschieden sich, die Patientin auf die Intensivstation zu verlegen. Doch zu diesem Zeitpunkt war es bereits zu spät. Die Frau konnte zwar noch reanimiert werden, sie starb dann aber wenig später.

Die Staatsanwaltschaft kam bei ihren Ermittlungen zu dem Ergebnis, dass die Frau nicht zu diesem Zeitpunkt gestorben wäre, wenn schon früher weitere medizinische Maßnahmen eingeleitet worden wären, insbesondere, wenn die Patientin sofort auf die Intensivstation gebracht worden wäre.

Diese Einschätzung wurde, so Heidenreich, durch das Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin gestützt, das die Staatsanwaltschaft in Auftrag gegeben hatte. Das Gutachten war zu dem Ergebnis gekommen, dass der Zustand der Patientin maximal intensivtherapeutische Maßnahmen erforderlich gemacht hätte.

Die Staatsanwaltschaft hatte Ermittlungen gegen die beiden Ärzte eingeleitet, nachdem die Angehörigen der Verstorbenen Anzeige erstattet hatten. Dass Ermittlungsverfahren dieser Art durchgeführt werden, kommt laut Heidenreich „gar nicht so selten“ vor. Wenn sich bei den Ermittlungen dann ein „strafrechtlich relevanter“ Vorwurf ergebe, werde dementsprechend angeklagt. Weil ein Gutachter erstellt werden musste, beginnt der Prozess erst sechs Jahre nach dem Tod der Frau. Es sind zwei Verhandlungstage am Weilheimer Amtsgericht veranschlagt.

Kathrin Hauser

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Thomas Orbig wird neuer Chef der Sparkasse
Deutschlandweit wurde öffentlich nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden für die „Sparkasse Oberland“ gesucht, gefunden wurde er in Weilheim.
Thomas Orbig wird neuer Chef der Sparkasse
Vom Agrarland zum High-Tech-Standort
Die DLR feierte  mit  Prominenz  das 50-jährige Bestehen  der Satelliten-Bodenstation in der Lichtenau.  Die ist künftig auch beim Katastrophenschutz  gefragt.
Vom Agrarland zum High-Tech-Standort
Vier Jahre Haft für Familienvater
Ein Familienvater aus Peißenberg muss für viereinhalb Jahre ins Gefängnis. Der 50-Jährige hatte vergangenes Jahr seine Tochter (14) sexuell missbraucht – bis das Mädchen …
Vier Jahre Haft für Familienvater
Reindl-Auftritte bei WM noch ungewiss
In Niedersachsen begeisterte Ballartist Alfred  Reindl zuletzt das Publikum. Ob er  bei der Fußballweltmeisterschaft auftritt, ist noch nicht klar.
Reindl-Auftritte bei WM noch ungewiss

Kommentare