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Beim Neujahrsgespräch im Regionalzentrum Weilheim: (von links) die Regionalsekretärin des DGB-München, Natascha Almer, die 1. Bevollmächtigte der hiesigen IG Metall, Daniela Fischer, Werner Röll von Verdi Kempten, Petra Reiter von der KAB und Betriebsseelsorger Andreas Kohl. 

Neujahrsgespräch der Arbeitnehmervertreter

Das Kreuz mit der Rente

Weilheim – Das Renteneintrittsalter ist eine Sache, wie man überhaupt dahin kommt, eine andere. Und über diese machten sich die 40 Vertreter von Betriebsseelsorge, Katholischer Arbeitnehmer-Bewegung, IG Metall, Verdi und Deutschem Gewerkschaftsbund bei ihrem Neujahrsgespräch Gedanken.

Die Gewerkschafter, Kirchenvertreter und Kommunalpolitiker sehen in der Anhebung des Renteneintrittsalters von 65 Jahren auf 67 Jahre ein grundsätzliches Problem für die Betroffenen. Viele Tätigkeiten seien körperlich so anstrengend, dass es schon für 60-Jährige schwierig sei, sie auszuüben. Es müssten daher Veränderungen in der Arbeitswelt geplant – und auch umgesetzt – werden, die es den Arbeitnehmern ermöglichten, auch in höherem Alter noch arbeiten zu können.

Ein Vertreter aus dem sozialen Bereicht schlug vor, in Kindergärten jüngere und ältere Mitarbeiter in der Betreuung einer Gruppe zu beschäftigen. Dies könnte die älteren Erzieher entlasten, für die es anstrengender sei, auf dem Boden sitzend mit kleinen Kindern zu spielen. Nach Alter gemischte Gruppen halten auch Vertreter der Metall- und der Chemiebranche für sinnvoll. Diese Gruppen könnten dann die Arbeit untereinander so verteilen, wie es ihren Fähigkeiten entspricht. Ein Problem in Kindergärten besteht nach Ansicht der Betroffenen auch darin, dass die Arbeitsbelastung steige. Personalstärke und Gruppengröße seien gleichgeblieben, gleichzeitig würden aber die Anforderungen immer mehr. Zur Betreuung käme heute noch Erziehung, der Ausgleich von Bildungsdefiziten, die Inklusion und die Integration von Kindern mit anderer Sprache und anderer Kultur hinzu. Kleinere Gruppen oder mehr Personal pro Gruppe seinen nötig, um dies auszugleichen.

Vertreter des produzierenden Gewerbes hingegen halten in erster Linie Maßnahmen zum Gesundheitserhalt für wichtig, damit Arbeiter überhaupt bis zum Renteneintritt arbeiten können. Lärmschutz an Maschinen, Hilfen zum Heben schwerer Teile und ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze könnten dazu beitragen, die Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Sportangebote könnten dies unterstützen. Altersteilzeit sehen viele als eine notwendige Einrichtung, weil diese es ermögliche, früher in den Ruhestand zu gehen. Lebensarbeitszeitkonten, die es ermöglichen, in jungen Jahren mehr zu arbeiten und im Alter zum Ausgleich dafür weniger, wurden ebenfalls diskutiert. Diese könnten einen Ausgleich schaffen, so die Befürworter, sie könnten aber auch dazu führen, das sich Arbeitnehmer schon in jungen Jahre kaputtarbeiten, was nicht Sinn der Sache sei. In einem Punkt waren sich alle einig: Es sei wichtig, Probleme zu benennen und deren Lösungen zu planen – und diese Lösung dann auch umzusetzen.

Alfred Schubert

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