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Informierten die Besucher: Vertreter von Bahn und Innenministerium mit Bürgermeister Markus Loth (3. von links). Rechts am Pult: Stefan Schell.

Pfaffenwinkelbahn

DB, Stadträte und Innenministerium für Bahn-Haltestelle - Anwohner strikt dagegen

Am Bahn-Halt in der Weilheimer Au scheiden sich die Geister. Während die Stadträte sich dafür aussprachen, wehren sich Anlieger auf breiter Front dagegen. 

Weilheim – Die Vertreter von Bahn und Innenministerium hatten einen schweren Stand bei der Versammlung, bei der speziell die Anwohner der Au über den geplanten Bahn-Halt für die Pfaffenwinkelbahn (Verbindung Weilheim-Schongau) informiert wurden. Der soll im Zwickel der beiden Gleise entstehen und würde 48 Zug-Stopps an einem Werktag verzeichnen. Eine (von der Stadt bezahlte) Unterführung unter dem Gleis der Werdenfelsstrecke soll den Anschluss an den Trifthof ermöglichen. Die gut 120 Besucher hatten viele Fragen, sparten aber auch nicht mit Vorwürfen. Sie zweifelten in der Infoversammlung alles an: die prognostizierten Nutzerzahlen ebenso wie die ins Auge gefasste Erschließung rund um den Halt.

Pfaffenwinkelbahn: Beschleunigung und Ausbau der Strecke Weilheim-Schongau bis 2019? (merkur.de)

Au-Bewohner meinen: Wir brauchen die Haltestelle nicht

Im Lauf der gut zweistündigen Versammlung zeigte sich, dass die Au-Bewohner den Bahn-Halt nicht wollen, „weil wir ihn nicht brauchen“, wie einer sagte. Sie fürchten Lärmbelästigungen, Park- und Verkehrschaos, Verletzung ihrer Privatsphäre, Wertminderung ihrer Grundstücke und die negativen Auswirkungen eines Bahnhofsumfeldes.

„Wenn eine Kommune einen Bahn-Halt partout nicht will, wollen wir sie nicht zwangsbeglücken“, stellte Stefan Schell, Leiter des Sachgebiets „Schieneninfrastruktur und Eisenbahnwesen“ im Staatsministerium des Inneren für Bau und Verkehr fest. Der öffentliche Personennahverkehr erlebe eine Renaissance, und dem solle mit der „Stationsoffensive“, bei der 20 neue Halte gebaut werden sollen, Rechnung getragen werden. Prämisse sei aber immer, das es dort mindestens 100 Ein- und Aussteiger am Tag geben und der Nutzen größer sein müsse als die Investitionen. Die Züge müssen stündlich halten und es dürfe keine große Infrastruktur angelegt werden. „Wir wollen den Halt in der Au“, so Schell, „mit der Kommune und den Bürgern.“

Der neue Halt würde, so Herbert Kölbl, Vertriebsbeauftragter der „DB Netze§ für Bayern, einen rund 140 Meter langen Bahnsteig beinhalten, der barrierefrei erschlossen werde und über Zuganzeiger und Beleuchtung verfüge. Die Kosten gab er mit 700.000 Euro bis eine Million Euro an.

100 Jahre Peißenberg-Schongau: Die letzte königlich-bayerische Bahnstrecke (merkur.de)

Gelächter für die prognostizierten Zahlen

Ungläubiges Gelächter erntete Dr. Johann Niggl, Geschäftsführer der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), als er Zahlen zu den Ein- und Aussteigern für den Bahn-Halt nannte. Laut Prognose der BEG wären es 350 am Tag. Die Wirtschaftlichkeit wäre schon bei 175 gegeben. Diese Zahlen seien belastbar, so Niggl, „davon rücke ich nicht ab“. In diese 350 Ein- und Aussteiger sind laut Niggl keine Schüler eingerechnet. Allein mit dem 7-Uhr-Zug kämen 250 Fahrgäste aus Richtung Peißenberg nach Weilheim, vornehmlich Schüler. Viele könnten den neuen Bahn-Halt nutzen. Besucher der Versammlung wollten das nicht glauben. Eine Umfrage am Gymnasium habe ergeben, dass nur 25 Schüler in der Au aussteigen würden, warf eine Anwohnerin ein.

40 Sekunden mehr Wartezeit?

Thema der Versammlung waren zudem die langen Wartezeiten am Bahnübergang Geistbühelstraße, die laut Bürgermeister Markus Loth auch die Stadt „sehr kritisch sieht“. Dass sie sich durch den Bahn-Halt sehr verlängern, wollte ein Bahnsprecher so nicht bestätigen, er sprach von „30 bis 40 Sekunden“.

Neben vielen kritischen Stimmen gab es einige zustimmende Aussagen. Nobert Moy von „Pro Bahn“ sagte, dass angesichts der Verkehrsprobleme die Schiene gestärkt werden müsse. Der Bahn-Halt sei eine Chance. Schell appellierte an die Solidarität der Au-Bewohner: „Das ist ein Zukunftprojekt“.

Eine Abstimmung über den Bahn-Halt gab es in der Versammlung nicht. Laut Bürgermeister Loth werden die Einwände den Stadträten mitgeteilt. Bereits am kommenden Dienstag, 20. Februar, befasst sich der Bauausschuss mit dem Thema.

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