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Blick von Osten auf das Areal am Krumpperplatz. Rechts die große Linde, die laut Stadt nic ht zu erhalten ist. 

Krumpperplatz in Weilheim: Erneut massive Kritik am Ausmaß der Verdichtung

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Mit viel Kritik muss sich die Stadt Weilheim bezüglich der  geplanten Bebauung südlich des Krumpperplatzes beschäftigen. Nun kommt das Ganze noch einmal in den Stadtrat.

Weilheim – Die geplante Bebauung des gerodeten Gartens südlich des Krumpperplatzes sorgt weiter für Zündstoff. Vergangene Woche hat sich der Bauausschuss des Stadtrates erneut mit zahlreichen Einwendungen zur Änderung des dort geltenden Bebauungsplanes „Obere Stadt IIIb befasst: Nachdem dieser im März noch mal öffentlich auszulegen war, gingen 18 Stellungnahmen ein. Neben Fachbehörden und Agenda-21-Gruppen bringen viele Anwohner teils massive Einwände gegen das Nachverdichtungsprojekt vor, das allein auf der Osthälfte des Grundstücks vier neue, meist dreigeschossige Wohnblöcke vorsieht. Das Regensburger „Immobilien Zentrum Oberbayern“ will dort insgesamt 30 Wohnungen schaffen.

Eigentlich hätte der geänderte Bebauungsplan diesmal gleich vom Bauausschuss beschlossen werden sollen. Doch 2. Bürgermeister Horst Martin (SPD) schlug als Sitzungsleiter vor, das Thema noch einmal im Gesamt-Stadtrat zu behandeln – was einstimmig angenommen wurde. So steht der strittige Bebauungsplan bei der öffentlichen Stadtratssitzung am Donnerstag, 30. April, 19 Uhr, in der Stadthalle erneut auf der Tagesordnung.

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Im Ausschuss gab es wieder eine rege Diskussion über das Projekt – wobei die vielen Kritikpunkte aus den Stellungnahmen meist zurückgewiesen wurden. Trotz einzelner Verschlechterungen für Nachbarn, so die Bewertung des Stadtbauamts, sei die geplante Bebauung „zumutbar“, die Verdichtung „maßvoll“. Von den bestehenden Häusern am Meisteranger seien die geplanten Neubauten mindestens 17 Meter entfernt. Im Neubaugebiet selbst ergäben sich zwischen den Blöcken nun Abstände von mindestens 7,75 Metern. Das bedeute „ausreichend Lichteinfall für gesunde Lebensverhältnisse“.

Öffentliche Grünfläche „nicht nötig“

Die Forderung des Agenda-AK „Stadtentwicklung“, die Bebauung zugunsten einer Grünfläche um ein Drittel zu reduzieren, beschied das Stadtbauamt so: Eine öffentliche Grünfläche sei dort nicht nötig, und generell obliege die Nutzung den Grundeigentümern.

Laut Stadt besteht auch keine Chance, die große, noch nicht gefällte Linde am Nordrand des Areals zu erhalten: Beim Bau der Erschließungsstraße werde diese zwangsläufig beschädigt, und eine andere Wegeführung gebe es nicht, um die gewünschte Bebauung zu ermöglichen – „die Stadt hat das gewusst“, so Bauverwaltungsleiter Manfred Stork, weshalb die Linde im geänderten Bebauungsplan nicht mehr als „zu erhalten“ gelte. Hingegen habe der Investor seine Tiefgaragenplanung leicht geändert, um einen Mammutbaum am Rand des westlichen Nachbargrundstücks zu erhalten.

Auf Drängen von Alfred Honisch (Grüne) und Romana Asam (FW) soll in den Bebauungsplan jetzt explizit auch die Geschossflächenzahl (GFZ) von maximal 0,85 aufgenommen werden – während die Stadt darin nur die Grundflächenzahl (GRZ) festschreiben wollte. Zudem wird vorgeschrieben, 30 Prozent der Fassaden an den Neubauten zu begrünen. Ansonsten aber bleibt die Bebauungsplan-Änderung wohl wie vorgesehen. Der Ausschuss votierte mit 6:3 Stimmen dafür. Dagegen stimmten Asam und Honisch – die darum baten, den Plan „noch mal zu überdenken“ – sowie CSU-Vertreter Klaus Gast („Ich sehe da nur noch Gewinnmaximierung“).

Asam (FW) will Baumschutzverordnung

Anders Claus Reindl (BfW), der klar bekannte: „Ich bin nach wie vor für dieses Bauprojekt, so wie es jetzt geplant ist.“ BfW-Sprecherin Brigitte Holeczek wünscht vom neuen Stadtrat einen „Grundsatzbeschluss, was maßvolle Nachverdichtung ist“. Und Asam kündigte an, sie werde demnächst eine Baumschutzverordnung beantragen.

Kritisch verfolgte Anwohner Norbert Müller die Sitzung: Seine Einwendung sei „nur zu einem Teil behandelt worden“, so Müller gegenüber unserer Zeitung. „Den anderen, auch entscheidungsrelevanten Teil, in dem es um detaillierte Zahlen geht“, habe das Stadtbauamt nicht vorgetragen – „daraus ziehe ich den Schluss, dass der Bauausschuss unzureichend informiert wird“. 

mr

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