1. Startseite
  2. Lokales
  3. Weilheim
  4. Weilheim

Künftig „Tempo 40“ am Öferl

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Magnus Reitinger

Kommentare

Eine der Gefahrenstellen am Öferl ist die Kurve bei der Firma Harrer – etwa für Radler, die dort die Straße Richtung Haus der Evangelischen Kirche oder Kinderhort queren.
Eine der Gefahrenstellen am Öferl ist die Kurve bei der Firma Harrer – etwa für Radler, die dort die Straße Richtung Haus der Evangelischen Kirche oder Kinderhort queren. © EMANUEL GRONAU

Auf der Straße „Am Öferl“ darf künftig maximal 40 km/h gefahren werden. Das hat der Verkehrsausschuss des Stadtrates am Dienstag beschlossen. Zahlreiche Anwohner, mehrere Gewerbebetriebe und Verkehrsreferent Manuel Neulinger hatten sogar „Tempo 30“ beantragt. Doch das wurde mit hauchdünner Mehrheit abgelehnt.

Weilheim – Eine sehr ungewöhnliche Allianz hatte sich da gebildet, um für ein Tempolimit auf den Ortsstraßen Schießstattweg 1-3 und Am Öferl zu kämpfen. An die 50 Anwohner richteten bereits im Juli eine entsprechende Petition an die Stadt. Ende September folgte ein ausführlich begründeter Antrag von Manuel Neulinger (Grüne), dem Verkehrsreferenten des Stadtrates. Zudem gingen Anträge des Montessori-Kinderhauses und von Unternehmen in diesem Bereich ein – von den Firmen Harrer, Bremicker und Autohaus Gallner sowie von den Stadtwerken, die das Parkhaus am Öferl betreiben. Sie alle fordern eine Geschwindigkeitsreduzierung für diesen Straßenzug, die meisten auf Tempo 30.

Lesen Sie auch: Modernste Technik im neuen Parkhaus am Öferl macht Ausfahrt-Yoga unnötig

Laut Neulinger gibt es dort „alle paar Dutzend Meter Gefahrenstellen“, von der unübersichtlichen 90-Grad-Kurve beim Haus der Evangelischen Kirche (neben dem auch ein Kinderhort ist) über zahlreiche gefährliche Ein- und Ausfahrten bis zum direkt an der Straße gelegenen Montessori-Kinderhaus. Dabei handle es sich um eine Hauptroute zwischen Weilheimer Westen und Bahnhof, die von vielen Radlern und Fußgängern genutzt werde.

Auch Horst Martin (SPD) hielt im Verkehrsausschuss ein flammendes Plädoyer für Tempo 30 in diesem Bereich. Denn die breite Straße verleite Autofahrer trotz Fahrradschutzstreifen auf beiden Seiten dazu, zu schnell zu fahren. Durch weitere Wohnbauten in der Umgebung werde die Zahl von Fußgängern und Radlern noch zunehmen, so Martin; ein Tempolimit wäre deshalb ein wichtiger Punkt in Weilheims Bemühen, fahrradfreundlicher zu werden.

Lärm und Luftverschmutzung treffen andere noch stärker

Weilheims Ordnungsamts-Leiter Andreas Wunder drängte darauf, diese verkehrlichen Argumente in den Vordergrund zu rücken und nicht etwa das Thema Lärm und Luftverschmutzung.

Von Letzteren seien Anwohner der Staatsstraßen in Weilheim, insbesondere der Oberen Stadt, noch mehr betroffen – und diese könnten sich benachteiligt fühlen. Diesbezüglich gelte es die laufende, coronabedingt jedoch zurückgestellte „Lärmaktionsplanung“ abzuwarten. Wunder warnte zudem vor zahlreichen Folgeanträgen: Man müsse „vorsichtig sein, dass wir nicht irgendwann auf allen Hauptverkehrsstraßen Tempo 30 haben und letztlich der Verkehr zum Erliegen kommt“.

Lesen Sie auch: Statt Lichtkunst-Festival: Kirchturm in Weilheim wird angestrahlt

Dieser Argumentation widersprach Andreas Halas (ÖDP): Das Umweltbundesamt habe belegt, dass „Tempo 30“ in den meisten Fällen keineswegs den Kfz-Verkehrsfluss vermindere. Auch CSU-Stadtrat Stefan Zirngibl, als Wirtschaftsreferent um eine Stellungnahme gebeten, fürchtet keinen gravierenden Zeitverlust („selbst wenn man dort mehrmals am Tag mit einem Servicefahrzeug unterwegs ist“) und sprach sich für eine Temporeduzierung am Öferl aus.

Weilheims Feuerwehr gab hingegen zu bedenken, mehr Tempo-30-Bereiche seien problematisch für die Helfer, die bei Einsätzen erst mal schnell zum Feuerwehrhaus kommen müssten – in Zivil.

Klaus Gast (CSU) nannte die Argumente für ein Tempolimit am Öferl „nachvollziehbar“, doch es gebe viele ähnliche Situationen in Weilheim und dürfe nicht darum gehen, wo sich gerade jemand dafür stark mache. „Wenn, dann müsste man sich das ganze Stadtgebiet anschauen und systematisch entscheiden“, so Gast, „das ist eine Frage der Gerechtigkeit“. Für Verkehrsreferent Neulinger kann das aber kein Grund für ein Nein in diesem Fall sein. Die breite Allianz der Antragsteller sei schließlich „ein sehr starkes Signal“. Auch gelte es, präventiv tätig zu sein „und nicht erst, wenn Unfälle passiert sind“, so Neulinger. Hintergrund: Der Verkehrssachbearbeiter der Weilheimer Polizei hatte bekundet, dass am Öferl keine Unfallhäufung vorliege.

Landratsamt sieht Entscheidung kritisch

Dass vor einer Tempolimit- Entscheidung eine genaue Prüfung und belastbare Zahlen nötig seien, mahnte Wolfgang Mini für die Verkehrsbehörde des Landratsamtes – und fügte an: „Das Öferl ist eine innerörtliche Hauptstraße, diese zu beschränken, sehe ich schon problematisch.“

Weilheims Verkehrsausschuss beschloss dennoch ein Tempolimit, und zwar für die gesamte Länge des Straßenzuges von der Einmündung an der Schützenstraße bis zur Firma Zarges. Allerdings wird nicht „Tempo 30“ angeordnet – das wurde mit fünf zu vier Stimmen abgelehnt. Eine Mehrheit gab es jedoch für „Tempo 40“, was Bürgermeister Markus Loth (BfW) als Kompromiss vorgeschlagen hatte; dagegen stimmte nur Gast. Hans Vollmann (BfW) betonte, dieses Tempolimit müsse dann aber auch kontrolliert werden. Dafür wäre laut Mini mittlerweile sogar ein „fester Blitzer“ zulässig – was für die Stadt eine neue Info war.

Auch interessant

Kommentare