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Hier kommen ihm die besten Gedichtzeilen: Reinhard Giebelhausen an seinem Lieblingsplatz in einem Weilheimer Café, wo er gern die „blaue Stunde“ genießt.

Künstler Reinhard Giebelhausen 

Im „Wortraum“ zuhause

Weilheim - Bisher kennt man Reinhard Giebelhausen vorwiegend als Fotografen und Ausstellungs-Organisator („Galerie auf Zeit“). Doch der Weilheimer Künstler ist auch als Dichter aktiv. Im Weßlinger Poeten-Wettstreit um den „Lyrikstier 2017“ gewann er jetzt unter 25 Teilnehmern den zweiten von drei Publikumspreisen.

„Das hat mich schon gefreut, dass das so gut geklappt hat – erwartet hätte ich das nicht“, sagt der 60- Jährige, der sich zum Interview entspannt an seinem Lieblingsplatz niedergelassen hat: In einem Weilheimer Café, wo er die „blaue Stunde“ zwischen seinem früh startenden Arbeitstag und der abendlichen Hausarbeit genießt. Hier fallen ihm auch die besten Gedicht-Anfänge ein, sagt er: „Die Grundzüge meiner Lyrik, die entwickle ich am liebsten im Café.“ Ausgearbeitet werden die Zeilen dann aber noch zuhause.

So war es auch mit „Weg“, einem 40-zeiligen Gedicht, das er vergangenen Samstag beim „Lyrikstier“-Wettbewerb vortrug. Rund 100 Gäste waren bei der ausverkauften Veranstaltung in Hochstadt bei Weßling, die der Lyriker und Verleger Anton G. Leitner bereits zum neunten Mal organisiert hatte. „Interesse am Zuhören hatten allerdings noch 200 Leute mehr“, berichtet Giebelhausen, der besonders das Rahmenprogramm sehr fruchtbar fand: „Für uns Lyriker hatte es auch Seminarcharakter, da wir uns am Vortag des Wettbewerbs sehr intensiv über unsere Gedichte austauschten und mehrfach die öffentliche Lesung erprobten.“

Obwohl Giebelhausen als Poet noch nicht einschlägig in Erscheinung getreten ist, sieht er sich nicht als Spätstarter, denn eine Neigung zum Dichten habe er schon immer gehabt: „Das ging schon damit los, dass ich die Schulhefte in meiner Gymnasialzeit mit Comiczeichnungen und mit Wortakrobatik verzierte.“ Später, als er die digitale Fotografie als künstlerisches Medium entdeckte, ergänzte er jede bildliche Arbeit auch um ein paar poetische Zeilen; deswegen nannte er seine Arbeiten auch „Fotokunst im Wortraum“. Und wer in Weilheim aufmerksam den lockeren Vernissagen-Ansprachen Giebelhausens lauschte, der bemerkte auch darin oft ein ebenso lässig wie gekonnt eingestreutes Gedicht.

„Tatsächlich habe ich sogar schon mal einen schmalen Gedichtband zusammengestellt, aber das ist bislang nur eine Art Hobby-Druck, den ich bei Ausstellungen auslege“, sagt der Wort- und Foto-Künstler, der seit 20 Jahren in Weilheim wohnt. Seinen Erfolg beim „Lyrikstier“ sieht er nun als Ermutigung, seine dichterische Ader etwas stärker zu leben. Sehr gern würde er dies zusammen mit Gleichgesinnten tun. „Eine Art Lesekreis oder Dichtergruppe, wo man sich trifft, untereinander austauscht und gelegentliche öffentliche Auftritte organisiert, so etwas könnte mir Spaß machen“, sagt er und bietet an, dass Interessenten für diese kreative Richtung auf ihn zukommen könnten. „Ich bin eben kein Mensch, der gerne etwas einzeln macht.“

Obzwar er eine wichtige Bestätigung und viele Kontakte vom „Lyrikstier“ mitgenommen habe, wolle er sich nicht in einen Produktionsdruck bringen lassen. „Es gibt Momente, da fallen mir gleich zwei Gedichtthemen auf einmal ein, und dann gibt es Zeiten, da mache ich wieder einen ganzen Monat lang nichts.“ Gleichwohl, Lyrik lesen, das tue er immer gern. Und wie zur Bekräftigung zieht er ein Buch von Jan Wagner heraus: „Selbstportrait mit Bienenschwarm“ heißt der Sammelband des Neu-Berliners, der 2015 den Preis der Leipziger Buchmesse für seine „Regentonnenvariationen“ erhielt. Auch Romane lese er regelmäßig, sagt Giebelhausen, „am liebsten leicht skurrile Geschichten“. Seine liebsten Prosa-Autoren seien daher Heinrich Steinfurt und der Finne Arto Paasilinna.

Dass der Weilheimer der Lyrik aber den höheren Stellenwert beimisst, das zeigt sein Leseverhalten. Während er Romane auch elektronisch liest, möchte er Gedichtbände gedruckt vor sich haben. Giebelhausen wirft einen fast zärtlichen Blick auf das aktuell gelesene Werk: „Lyrik hab’ ich eben gern als Buch in der Hand.“

Andreas Bretting

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