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Tipps vom Profi fürs Weihnachtsgeschäft: „Kunden sollten sich frühzeitig entscheiden“

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Von: Boris Forstner

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„Man darf sich von der schlechten Stimmung nicht runterziehen lassen“: Josef Wiedemann, Weilheims Ortsvorsitzender und Vize-Kreischef des Handelsverbands Bayern. gro
„Man darf sich von der schlechten Stimmung nicht runterziehen lassen“: Josef Wiedemann, Weilheims Ortsvorsitzender und Vize-Kreischef des Handelsverbands Bayern. © Foto: Gronau

Wie geht es in der unsicheren Corona-Lage mit dem Einzelhandel weiter? Vor der Adventszeit, in der die Geschäfte traditionell einen großen Teil ihrer Jahresumsätze machen, sprachen wir mit Josef Wiedemann (54) vom gleichnamigen Musikhaus in Weilheim, Ortsvorsitzender und Vize-Kreischef des Handelsverbands Bayern.

Herr Wiedemann, wie war der Sommer für den Einzelhandel?

Die Stimmung war gut, weil der Handel trotz unheimlich vieler Hürden mit einem blauen Auge über den Lockdown davongekommen war und man nach dem Sommer gedacht hat: Richtung Weihnachten geht es wieder aufwärts. Manche Branchen wie Lebensmittel-Händler und Fahrradgeschäfte haben das ganze besser durchgestanden, andere wie beispielsweise Souvenirläden nicht. Dafür hat einfach die Frequenz in den Innenstädten gefehlt.

Jetzt dachten Sie, ein tolles Weihnachtsgeschäft startet – und plötzlich geht es mit Corona wieder los. Wird es den Einzelhandel erneut treffen?

Ich denke schon. Wichtig ist, sich nicht von der schlechten Stimmung mit abwärts ziehen zu lassen. Die Kunden dürfen nicht skeptisch werden, fernbleiben und letztlich im Internet bestellen. Die vermehrte Entwicklung des Onlinehandels kennen wir schon viele Jahre. Auch der Weihnachts-Boom hat sich nach hinten verlagert. Früher ging es fünf Wochen vorher los mit dem Verkauf von Weihnachtsgeschenken, jetzt erst viel später. Manchmal war es im November noch so warm, dass niemand daran gedacht hat, Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Früher konnte man auch noch reagieren, da wurde etwas bestellt und kam rechtzeitig vor dem Fest. Das ist derzeit bei den weltweiten Lieferproblemen utopisch.

Gibt es da noch andere Branchen, die betroffen sind?

Der Einzelhandel, der sich auf einen kleinen Bereich spezialisiert, hätte heute keine Chance mehr. Manche haben ein Lottogeschäft oder Paketdienste dabei, andere Gastronomie, sonst würde es für viele nicht funktionieren. Auch bei Schuhhändlern ist es so, dass manche Marken oder ein gewünschter spezieller Schuh nicht da sind oder nicht in der passenden Größe – der kauft dann auch wieder online ein.

Sie haben den Weihnachtsmarkt angesprochen, der sonst ein Startschuss fürs Geschäft war. Wie schwer trifft Sie der erneute Ausfall?

Das ist immer relevant, weil vielleicht jemand aus dem Umland dorthin fährt, sich einen Glühwein holt und mit einem Bummel verbindet. Es ist wie beim Regen: Wenn man mal draußen ist, ist es dann doch schön. Aber sich ohne Anreiz aufzuraffen, bei der derzeitigen Stimmung, da sagt der ein oder andere: Lieber nicht.

Haben Sie bemerkt, dass die Leute wieder vorsichtiger werden und sich zurückziehen?

Ja, sicher.

Wenn man auf Maßnahmen zurückschaut wie Einlasskontrollen und -beschränkungen in Geschäfte: Denken Sie, dass so etwas wieder kommen wird? Das hat viele Kunden abgehalten.

Ja, das haben wir tatsächlich gemerkt. Da war aus unserer Sicht das Click und Collect besser, der stationäre Online-Handel hatte sich ganz gut entwickelt, auch wenn wir natürlich nicht mit Amazon mithalten können. Aber der Zugang in Geschäfte nur mit Tests, das war völlig daneben. Meine Prognose: Es muss Sinn machen, eine klare Linie, kein hin und her. Dann wird sich etwas entwickeln in den Geschäften, damit kommen wir klar, wenn man beispielsweise Daten über ein Handy kontrolliert. Aber natürlich haben dann viele Leute, die beispielsweise nicht so Technik-affin sind, ein Problem. Ich glaube nicht, dass Zugangsbeschränkungen im Einzelhandel kommen werden, aber wenn, hätten wir ein Problem. Ich hoffe aber, dass angekommen ist, dass es kein Problem ist, wenn mehrere Leute in einem Geschäft sind. Im Supermarkt war das ja auch fast nie ein Thema.

Es gab staatliche Entschädigungszahlungen. Wie war Ihre Erfahrung damit?

Anfangs lief es sehr schleppend, nur die Erstzahlung kam zügig. Aber es hat bei vielen Wochen und Monate gedauert, da wurde es für einige wirklich eng. Manche mussten auf Rücklagen zurückgreifen. Einige, vor allem Einzelkämpfer, haben auch aufgehört. Für viele war der Lockdown ein Knackpunkt, wenn sie sowieso schon am Kämpfen waren.

Können Sie sich vorstellen, dass es erneut Zahlungen geben könnte, auch wenn die Geschäfte nicht schließen müssen?

Es ist im Gespräch, das bestehende Programm bis März zu verlängern. Das Problem: Auf welcher Basis soll das erfolgen? In Modegeschäften etwa ist ein großer Vorlauf da, da muss zum Teil lange im Voraus geordert und bezahlt werden. Da muss die alte Ware erst einmal verkauft werden. Oder auch Reisebüros, die fallen irgendwann in ein Loch, wenn zwischendurch wieder nichts möglich ist.

Was wäre für Sie wichtig?

Dass sich die Kunden im Weihnachtsgeschäft schon frühzeitig informieren und entscheiden mögen. Da sollte man auch durchaus die lokalen Online-Shops nutzen. Und es ist so, dass sich alle Geschäftsinhaber wahnsinnig viel Mühe geben, die Hygiene-Maßnahmen umzusetzen, um für die größtmögliche Sicherheit der Kunden zu sorgen. Und zum Schluss: Vielen Dank an die treuen Kunden.

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