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Wie gut Kunst am Bau aussehen kann, sieht man an der Sparkasse in Weilheim.

Der Landkreis und die „Kunst am Bau“

„Lauwarmer Beschluss“ im Kreistag

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Neben Bund und Freistaat wollte sich auch der Landkreis Weilheim-Schongau dazu verpflichten, künftig „Kunst am Bau“ zu unterstützen. Am Ende kam im Kreistag aber nur ein Kompromiss heraus.

Landkreis – Schon die Debatte im Kreisausschuss hatte der Beschlussantrag von Karl-Heinz Grehl (Grüne/Weilheim) nicht ungeschoren überstanden. Ursprünglich hatte er beantragt, der Landkreis möge in Zukunft bei jeder größeren Baumaßnahme einen gewissen Prozentsatz, maximal aber 150 000 Euro, für „Kunst am Bau“ einplanen. Nach umfangreicher Debatte im Kreisausschuss wurde dann im Kreistag ein Kompromiss zur Abstimmung gestellt. Ab einer Bausumme von drei Millionen Euro solle „Kunst am Bau“ berücksichtigt, die Höhe der dafür ausgelobten Summe dann vom Kreistag festgelegt werden.

Das war meilenweit entfernt von der ursprünglichen Vorlage, sorgte aber dennoch für eine hitzige Diskussion im Kreistag. Gerda Walser (CSU/Obersöchering) machte schnell klar, was sie angesichts der jetzigen und künftigen Finanzlage des Landkreises von einem derartigen Vorstoß hält: gar nichts. „Kunst ist für mich Luxus und die Neuverschuldung des Landkreises ist kein Pappenstil“, sagte sie und wies darauf hin, dass der Landkreis bereits jetzt – ohne den Neubau des Berufsschulzentrums – mit rund 43 Millionen Euro bei den Banken in der Kreide steht.

Initiator Grehl wollte das so nicht stehen lassen: „Die Summen, über die wir hier reden, sind Kleckerbeträge, wenn man sich anschaut, wie viel Geld wir da verbauen.“

Manuela Vanni (Unabhängige/Peißenberg) pflichtete ihm bei: „Wir investieren 70 Millionen Euro für ein neues Berufsschulzentrum und haben keine 150 000 Euro für ein bisschen Kunst am Bau?“, fragte sie. Und setzte hinzu: „Kunst ist kein Luxus.“

Franz Reßle (Unabhängige/Schongau) witzelte daraufhin: „Das Bauwerk Berufsschule ist ein einziges großes Kunstwerk.“ Pankratia Holl (CSU/Peiting) bezeichnete die Vorlage als „lauwarmen Beschluss“. 2020 werde der neue Kreistag gewählt. Und der müsse dann ausbaden, was man gerade zu beschließen gedenke. Ähnlich argumentierte auch Max Bertl (CSU/Wildsteig): „Warum müssen wir das heute grundsätzlich beschließen? Es ist ja noch jede Menge Zeit, bis die neue Berufsschule fertig ist?“.

„Weil der Landkreis in den vergangenen Jahren bei jeder seiner Baumaßnahmen den Punkt ,Kunst am Bau’ vergessen hat“, entgegnete wiederum Karl-Heinz Grehl. Er betonte, dass es sich „keinesfalls um ein Konjunkturprogramm für die Künstler handele“, man aber gerade im Pfaffenwinkel eine Verantwortung habe, Kunst am Bau genauso zu fördern, wie es die Altvordern getan hätten.

Und so ging es noch eine ganze Weile hin und her, bis am Ende abgestimmt wurde. Bei sechs Gegenstimmen wurde der Antrag schlussendlich angenommen. In Zukunft können die Künstler im Pfaffenwinkel also darauf hoffen, dass sich der Kreistag an seine Selbstverpflichtung erinnert und einen Wettbewerb ins Leben ruft.

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