„Wer nicht verreisen darf, kauft auch keine Koffer“, sagt Michael Martinus vom Kofferladen „M7“, der wie viele andere Geschäfte unter der Corona-Krise leidet.
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„Wer nicht verreisen darf, kauft auch keine Koffer“, sagt Michael Martinus vom Kofferladen „M7“, der wie viele andere Geschäfte unter der Corona-Krise leidet.

Online-Shop teuer und aufwändig

Läden von der Krise gebeutelt - Verkauf über Internet keine Lösung

Der Weilheimer Einzelhandel leidet stark unter den wegen der Corona-Krise auferlegten Einschränkungen. Der Verkauf über das Internet stellt für die meisten Händler keine Lösung dar. Ihnen würde nur eine stark frequentierte Innenstadt helfen.

Weilheim – „Wir haben so gut wie keine Buchungen mehr“, stellt Uta Orawetz vom Reisebüro „Simader“ fest. Aufgrund der Reisebeschränkungen seien Reisen jetzt kaum möglich. Die meisten Kunden informierten sich nur über Ziele für den Sommerurlaub, buchten aber noch nichts. Orawetz hat Verständnis für die Menschen, die jetzt abwarten, und hofft, „dass es nach den Impfungen besser wird“.

Auch in dem zweiten Unternehmensbereich, dem Café mit französischem Flair, geht derzeit nicht viel. Selbst im „To-go-Bereich“, der jetzt noch geöffnet ist, herrscht Flaute. „Am besten geht der Kaffee, einige Kunden nehmen auch einen Flammkuchen mit ins Büro oder nach Hause“, so Orawetz. Das Problem liege vor allem darin, dass kaum jemand in der Altstadt unterwegs ist. Nur freitags während des Wochenmarkts, sei etwa mehr los. Bis es wieder richtig losgeht will Orawetz aber nicht die Zeit verschwenden: „Wir nutzen sie für interne Weiterbildungen.“

Indirekt von den Reisebeschränkungen betroffen ist auch der Kofferladen „M7“ am Marienplatz. „Der Sektor ist extrem eingebrochen“, so Michael Martinus. Die Erklärung dafür sei einfach: „Wer nicht verreisen darf, kauft auch keine Koffer.“ Auch die anderen Warengruppen, wie etwa Handtaschen, und das Sortiment des zweiten Ladens „Lederwaren Rumpf“ seien vom Lockdown betroffen.

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Mit einem Online-Shop haben die kleinen Geschäfte nach Einschätzung von Martinus keine Chance. Die Einrichtung sei teuer und die Pflege zeitaufwändig. Hinzu komme, dass Kunden, die im Internet nach Waren suchen, dies über Suchmaschinen machen. „Da stehen die großen Unternehmen vorne auf der ersten Seite und die kleinen weit hinten, wo sie nie gefunden werden“, so Martinus’ Erfahrung.

Die Läden in Weilheim brauchen laut Martinus eine stark frequentierte Innenstadt. Nur wenn die Menschen in die Schaufenster schauen, können sie dort etwas sehen, was ihnen gefällt. Das können sie dann telefonisch oder per E-Mail bestellen. Derzeit sei aber kaum jemand in der Altstadt unterwegs. „Ich schaue jetzt auf den Marienplatz runter. Da sind nur zwei Leute unterwegs, die zielstrebig mitten über den Platz laufen“, stellt Martinus während des Telefongesprächs fest. Nach Schaufensterbummel sehe es nicht aus.

Relativ wenig betroffen ist laut Roswitha Rauh hingegen das Juweliergeschäft „Perchermeier“, wobei sie das „relativ“ betont. Der Laden hat zwar auch keinen Online-Shop, nutzt aber „phone and collect“, das heißt, wer ein Schmuckstück kaufen will, das er im Schaufenster sieht, kann anrufen. „Dann legen wir es auf die Seite, bis er es kaufen und abholen kann“, so Rauh. Dass das Juweliergeschäft weniger betroffen ist als Geschäfte, die etwa Bekleidung oder Schuhe verkaufen, habe im Wesentlichen zwei Gründe. „Wir haben keine Saisonware“, so Rauh, „außerdem können wir immer nach Bedarf bestellen.“ Der andere Grund ist, dass zu dem Laden auch eine Werkstatt gehört, die ganz normal weiterarbeiten kann. Die Schließung des Ladens findet Rauh zwar nicht gut, da die Hygienemaßnahmen wie der Einbau von Scheiben und die Bereitstellung von Desinfektionsmittel umgesetzt worden seien. Andererseits hat sie aber auch Verständnis dafür. Die drei wichtigsten Maßnahmen seien jetzt: „Aufpassen, aufpassen, aufpassen.“ Dann werde es schon „irgendwann wieder besser“.

Im „Schuhhaus Pröbstl“ läuft das Geschäft weiter, aber in geringerem Umfang. Die Kunden können Schuhe, die sie telefonisch oder per E-Mail bestellt haben, an der Tür abholen, wobei sie eine vorschriftsmäßige Maske tragen müssen. Um das Beratungsgespräch am Telefon zu vereinfachen, hat Eva Jungwirth Nummern an den Schuhen im Schaufenster angebracht.

Konkrete Zahlen zum Umsatz und dem Rückgang desselben nennt niemand, Hartmut Bauer von „Foto Bauer“ bringt es dennoch auf den Punkt. Der Inhaber des alteingesessenen Fotogeschäfts, der seinen Laden geschlossen hat und nur noch nach Terminvereinbarung Pass- und Bewerbungsfotos macht, meint: „Uns ist es doch 30 Jahre lang gut gegangen.“ Und wer sich in dieser Zeit „ein Polster zugelegt“ habe, der komme auch durch die Krise. Unternehmen müssten derzeit also von der Substanz leben, um zu überleben.

VON ALFRED SCHUBERT

Die wichtigsten Fragen zur Corona-Schutzimpfung hat die Heimatzeitung in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt beantwortet.

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