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Lagerfeuermusik sorgt für den perfekten Sommerabend in der Altstadt

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Einige Zuhörer lauschen den Klängen an der Stadtmauer, die (v.l.) Andrea Schütz, Rob Lange, Will Beaton, Ingo Häberlein und Stefan Hartmann spontan servieren.
Einige Zuhörer lauschen den Klängen an der Stadtmauer, die (v.l.) Andrea Schütz, Rob Lange, Will Beaton, Ingo Häberlein und Stefan Hartmann spontan servieren. © Bretting

Es ist eine gemütliche, lockere Atmosphäre. Eine, die zum Innehalten und Mitsummen verführt. Und die an Gitarrenmusik am Lagerfeuer erinnert. Mitten in Weilheims Altstadt treffen sich regelmäßig Freunde, um gemeinsam zu musizieren. Ganz inoffiziell, ganz spontan ist das. Und wohl gerade deshalb so schön.

Weilheim – Ein drückend schwüler Abend, die Aktion „Lesepause“ ist vorbei, und damit scheint die kulturelle Öde in der Weilheimer Altstadt programmiert. Doch falsch: Rund 30 Anhänger von Lagerfeuermusik finden genau diese. Ursächlich ist das Duo „MehrSaiter“, bestehend aus Ingo Häberlein (Gitarre) und Stefan Hartmann (Gesang und Gitarre).

Spontaner Gast aus den USA

„Wir treffen uns hier eigentlich inoffiziell, also nur mit befreundeten Weilheimern unserer Social-Media-Gruppe“, erläutert Häberlein, der Spiritus Rector. Wobei das „nur Weilheimer“ schon nach zwei Minuten nicht mehr stimmt, denn da biegt ein junger Mann mit Gitarre auf die Wiese ein: Will Beaton aus Minneapolis, im Norden der USA. Irgendwo habe er Häberlein und Hartmann „a few weeks ago in a beergarden“, vor ein paar Wochen in einem Biergarten also, ihre Gitarren auspacken sehen und dann mitgeklampft. Die Einladung an den Bouleplatz in Weilheim folgte prompt.

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Aber bald verbieten sich weitere Fragen, denn mit dem Easy-Surfing-Sound vom „Horse with no name“ scheint auf einmal die Schwüle zu vergehen. Man atmet leichter und befreiter mit diesem Klassiker der Band „America“ von 1971 und seinem entspannt gelängten „Laah-Laah“-Refrain. Hierbei ist Stefan Hartmann nicht nur textsicher, sondern auch stimmlich eine coole Nummer und singt so authentisch Seventies-gelagert, als habe er sich damals heimlich bei den „Eagles“ herumgetrieben.

Der Flow der Intuition

Tatsächlich wächst der Kreis der Musiker noch weiter: Rob Lange von der Greitherstraße kommt ebenfalls mit seiner Gitarre hinzu – manchmal spielt er mit, manchmal stößt er selber einen Blues an, wenn sich Hartmann und Häberlein einfach mal entspannt die Folgenummer überlegen oder sich mit Freunden unterhalten.

Entspanntheit ist tatsächlich die Zauberformel. Zwischen den Liedern, bei denen nun auch „Chopper Lady“ Andrea Schütz mitsingt, liegen oft mal fünf Minuten Pause, innerhalb derer die Gitarren gestimmt werden oder ein Songtext noch mal durchstudiert wird. Es gibt keine Programmfolge, sondern eher so etwas wie einen Free Flow der Intuition. Mit diesen inneren Antennen errät das Duo „MehrSaiter“ mittendrin auch noch eine Herzensnummer des Rezensenten: „Make me an angel that flies from Montgomery…“, eine traurige Countryballade von 1971.

Urlaubs-Atmosphäre mitten in Weilheim

Der lockere Verlauf des Abends, der an alte Lagerfeuerzeiten erinnert, dazu die eher langsamen Musikstücke: Häberlein und Hartmann haben ihre Fans, und so sind bald an die 30 Weilheimer entlang der Stadtmauer und auf den Sitz-Inseln verteilt. Viele haben sich eine kleine Brotzeit mitgebracht. Und wer keine hat, bekommt auch schon mal einen Melonen-Schnitz spendiert. Als dann noch ein paar Boule-Spieler auftauchen, ist die Urlaubs-Atmosphäre perfekt.

Passanten vergessen auf einmal ihre Terminliste

Rob fingert noch den „Cocaine Blues“ von den Saiten, der „Wind of Change“ bringt einige Umsitzende zum leisen Mitsingen, und gleich gar tut dies die „Sympathy for the devil“ mit ihrem easygoing Refrain „Hu-Huh“. Zuletzt traut sich auch kurz die junge Weilheimerin Leonie Soeffker für eine Gesangspartie an den Start. Auch Passanten wie die Peißenbergerin Julia Kliem, die einfach nur zur Tiefgarage wollte, vergessen auf einmal ihre Terminliste und lauschen mal eben zeitvergessen für eine halbe Stunde dem improvisierten Musikprogramm.

Es ist kein Abend für laute Leute, eher eine Soirée für Genießer, die sich in den Picknick-Gemälden der französischen Landschaftsmaler wiedererkennen. „Wir wollen auch niemanden stören“, betont Häberlein, und Hartmann setzt hinzu: „Es ist einfach nur der Spaß, der das vorantreibt.“ Weiterhin wollen die beiden die Stadtmauer-Konzerte auf einem niedrigen Bekanntheitslevel halten, weswegen eine Aufnahme in die Social-Media-Gruppe etwas aufwendig ist. „Am besten eine E-Mail schreiben, dann erklär ich’s“, sagt Häberlein. Wer sein Glück versuchen möchte: ingo.haeberlein@gmx.de.

Andreas Bretting

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