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Am Landgericht München läuft der Prozess gegen den 51-Jährigen.

Landkreis Weilheim-Schongau: 51-Jähriger wegen Kindesmissbrauchs  vor Gericht

  • Kathrin Hauser
    VonKathrin Hauser
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Wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen muss sich derzeit ein 51-Jähriger vor dem Landgericht München II verantworten. Ihm werden mindestens 40 Fälle des Missbrauchs an den Kindern seiner ehemaligen Lebensgefährtin vorgeworfen.

Landkreis – Der Angeklagte war vor ziemlich genau einem Jahr verhaftet worden und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft – so schwer wiegen die Vorwürfe gegen ihn: Mindestens 40 Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs hat er nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft begangen. Die Taten spielten sich alle im Haus der Familie im Landkreis ab, in das der Angeklagte ein paar Monate, nachdem er die Frau kennengelernt hatte, eingezogen war. Laut Anklage verging er sich in der Regel im Schlafzimmer an den Kindern, wenn die Mutter wegen eines regelmäßigen wöchentlichen Termins außer Haus war.

Der 51-Jährige zwang die Kinder, die damals im Grundschul- und Kindergartenalter waren, sexuelle Handlungen an ihm vorzunehmen, und nahm sexuelle Handlungen an den Kindern vor. Zunächst nur an dem älteren Kind, dann auch an beiden Geschwistern gemeinsam. Zudem hat er ihnen laut Anklage Filme mit pornographischem Inhalt gezeigt. Nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft beging der 51-Jährige die Taten von Oktober 2015 bis Dezember 2017 und hat den Kindern laut Anklage damit jedesmal „unendliche Schmerzen“ zugefügt. Erst acht Monate, nachdem die Mutter sich vom Angeklagten getrennt hatte, erzählten ihr die Kinder von dem Missbrauch. Die Mutter erstattete Anzeige.

Lange schwieg der Angeklagte

Der Angeklagte äußerte sich am ersten Prozesstag vor dem Landgericht München II zunächst gar nicht. Nicht zu den Vorwürfen, nicht zu seinem Lebenslauf und seinen Lebensverhältnissen und nicht zu seinen Beweggründen. Der Verteidiger des 51-Jährigen bat ziemlich schnell nach Verlesung der Anklageschrift um ein Rechtsgespräch. Später verlas die Vorsitzende Richterin Regina Holstein ein Protokoll über das, was die Kammer, der Vertreter der Mutter der Kinder als Nebenklägerin, der Staatsanwalt und der Verteidiger des Angeklagten hinter verschlossenen Türen besprochen hatten:

Falls sich im Prozess nicht noch andere Tatsachen ergeben, könnte der Angeklagte mit einer Gefängnisstrafe von siebeneinhalb Jahren rechnen, wenn er beiden Kindern im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs ein Schmerzensgeld in Höhe von jeweils 5000 Euro zahlt und ein vollumfängliches Geständnis ablegt, damit seinen Opfern die Aussage vor Gericht erspart bleibt. Dieser Vereinbarung stimmten alle zu.

Statt des Angeklagten verlas der Verteidiger das Geständnis

Statt des Angeklagten gab der Verteidiger eine Erklärung ab: Alle Vorwürfe, bis auf den der Körperverletzung, würden voll eingeräumt. Sein Mandant übernehme die volle Verantwortung für das, was er getan habe. „Er macht sich Erklärungsmodelle nicht mehr zu eigen, die die Schuld oder Mitschuld anderen geben“, sagte der Verteidiger. Es sei klar, dass die Taten durch nichts ungeschehen gemacht werden könnten und sein Mandant eine Therapie machen müsse und wolle. Bislang werde davon ausgegangen, dass keine Pädophilie vorliege, dass vielmehr eine „stark ausgeprägte Sexualität dazu geführt hat, dass die Taten begangen wurden“.

Verteidiger: Bislang wird nicht von Pädophilie ausgegangen

Die Erklärung des Verteidigers genügte der Vorsitzenden als Geständnis nicht. Sie fragte den Angeklagten, ob das in seinem Sinne sei. Und dieser äußerte sich zum ersten Mal: „Ich möchte die volle Verantwortung für meine Taten übernehmen“, sagte er. Und: „In der Zeit meines Versagens war eine übersteigerte Sexualität vorhanden, ein ungewohnt hoher Druck.“ Weitere Einlassungen unterband sein Verteidiger.

Bis dahin hatte der Angeklagte die Verhandlung ohne erkennbare Gefühlsregung verfolgt. Das änderte sich, als die Vernehmungen der Kinder, die aufgezeichnet worden waren, auf einer Leinwand vorgeführt wurden. Die des älteren Kindes hörte er sich noch relativ unbeteiligt an, beim jüngeren Kind brach er in Tränen aus und schluchzte laut. Die Geschwister schilderten in kindlichen Worten – vieles umschrieben sie – glasklar und ohne Belastungseifer, was der Angeklagte mit ihnen immer wieder gemacht hatte und wie das für sie war: „schrecklich“ und „eklig“. Der Prozess dauert an.

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