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So soll das neue Dienstgebäude des Landratsamtes an der Pütrichstraße nach der Fertigstellung aussehen.

Kreishaushalt 

Landkreis Weilheim-Schongau investiert heuer Millionen: Wohin fließt das Geld?

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Man kennt das von Zuhause: Wird zu wenig in Wartung und Unterhalt des eigenen Besitzes investiert, dann kann das sehr schnell sehr teuer werden. Kreiskämmerer Norbert Merk kann ein Liedchen davon singen.

Landkreis – Etwa 10,5 Millionen Euro müsste der Landkreis Weilheim-Schongau Jahr für Jahr ausgeben, um seine bestehenden Gebäude zumindest auf dem Zustand zu erhalten, in dem sie sich heute befinden. Das rechnete Merk bei der Vorstellung des Haushaltes 2019 im Kreis- und Finanzausschuss vor.

Heute nähere man sich zumindest diesen Beträgen an, sagte er. Aber in der Vergangenheit seien nicht einmal ansatzweise genügend Gelder eingeplant gewesen, um die Substanz zu erhalten.

Das kommt den Landkreis nun teuer zu stehen. Denn neben dem normalen Unterhalt müssen auch Generalsanierungen und Neubauten finanziert werden, die bei vernünftiger Pflege der Gebäude in den vorherigen Legislaturperioden eventuell nicht nötig gewesen wären.

Allein heuer wird der Landkreis 54 Millionen Euro in Neubauten und Sanierungen stecken. Das sind 11 Millionen Euro weniger als 2018. „Das liegt allerdings vor allem daran, dass wir im vergangenen Jahr die Ausschreibung für das neue Berufsschulzentrum aufheben mussten, weil die Gebote viel zu hoch waren“, erklärte Merk im Kreisausschuss.

Dies verursache eine Verzögerung beim Bau und dadurch auch eine Verzögerung bei der Fälligkeit der Rechnungen, sagte der Kreiskämmerer. Doch auch so sollen heuer noch 11,5 Millionen Euro in den Neubau der Berufsschule Weilheim investiert werden. Mit geschätzten Gesamtkosten von 69,8 Millionen Euro sei dies „die größte Einzelinvestition, die der Landkreis je getätigt hat“, so Merk. Weitgehend abgeschlossen und abgerechnet ist die Generalsanierung des Gymnasiums Weilheim. Ganz anders sieht es beim Gymnasium Schongau aus, das heuer durch drei Quaderneubauten erweitert werden soll. Rund neun Millionen Euro sind dafür eingeplant, nachdem im vergangenen Jahr die Erweiterung der Realschule Schongau übergeben werden konnte.

„Das meiste Geld fließt in die Schulen“

Ebenfalls kurz vor der Fertigstellung steht das Dienstgebäude des Landratsamtes in der Pütrichstraße 10a, das demnächst eröffnet werden soll. Die ersten Mittel für die Planung der neuen Turnhallen am Weilheimer Gymnasium müssen heuer bereitgestellt werden, ein hoher Millionenbetrag fließt in die Generalsanierung des Gymnasiums Penzberg, die bereits läuft. „Es wird immer behauptet, der Landkreis stecke all sein Geld in die Krankenhaus GmbH“, meinte Merk. Das sei falsch: „Der Blick in den Haushalt zeigt: Das Geld fließt vor allem in die Schulen.“ Dennoch werde, nachdem bereits in den vergangenen Jahren rund 37 Millionen Euro in die Modernisierung der Krankenhäuser gesteckt wurden, 2018 weitere 7,4 Millionen Euro in die Kliniken in Weilheim und Schongau investiert. Fünf Millionen Euro fließen zudem in die Sanierung der Kreisstraßen – etwa die Bergstraße in Hohenpeißenberg (wir berichteten).

8,2 Millionen Euro neue Schulden

Um all diese Investitionen zu stemmen, muss der Landkreis erneut Schulden machen. Merk plant mit einer Nettoneuverschuldung von rund 8,2 Millionen Euro. Wird der vom Kreistag vorgegebene Kreditrahmen vollständig ausgeschöpft, was laut Merk nicht zu erwarten ist, dann würde der Landkreis am Ende dieses Jahres mit knapp 51 Millionen Euro in der Kreide stehen. Merk wies darauf hin, dass man heuer die Schuldenobergrenze, die sich der Kreistag zu Beginn der Legislaturperiode selbst auferlegt hat, einhalte. Im kommenden Jahr werde das wahrscheinlich nicht zu schaffen sein.

Aufgabenliste bis 2026 wird noch viel länger

Denn die lange Liste der Vorhaben, die eigentlich auch noch im Zeitraum zwischen 2021 und 2026 angegangen werden müssten, die aber noch nicht vom Kreistag beschlossen wurden, ist im vergangenen Jahr weiter gewachsen. Neu darauf finden sich der Teilabriss und die Generalsanierung der FOS-BOS Weilheim, die wohl mindestens 28 Millionen Euro kosten wird, eine Generalsanierung und/oder ein Neubau von Hallenbad und Jahnhalle in Weilheim, die 30 Millionen Euro verschlingen würde. Dazu komme laut Merk der Ersatz des Pavillons und eine Generalsanierung der Realschule in Peißenberg für rund 4 Millionen Euro, ein Ersatzneubau für das Landratsamtsgebäude an der Angerkapellenstraße für 10 Millionen Euro und ein Betrag von rund 18 Millionen Euro, der in die Kreisstraßen investiert werden müsste.

Das bedeutet, dass auf den neuen Kreistag, der 2020 gewählt wird, eine Aufgabenliste wartet, deren Abarbeitung rund 90 Millionen Euro kosten würde. Wohlgemerkt: Die Investitionen in die Krankenhäuser sind da nicht mit eingerechnet.

Im Anschluss an Merks Vorstellung des Haushalts wurde intensiv nachgefragt und diskutiert. Dabei wurde auch darüber gestritten, ob wir bald griechische Verhältnisse im Landkreis haben.

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