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Das „Geschichtsband“ von Andrea Kreipe aus Böbing ist mittlerweile fester Bestandteil des Stadtbildes von Weilheim und allseits beliebt. Ein gelungenes Beispiel für „Kunst am Bau“.

Auch zur Freude der Künstler

Zukünftig verpflichtend bei öffentlichen Gebäuden: Landkreis bekennt sich zu „Kunst am Bau“

  • Sebastian Tauchnitz
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Der Landkreis investiert derzeit Millionenbeträge in Sanierungen, Um- und Neubauten. Für „Kunst am Bau“ ist allerdings bisher kein einziger Euro eingeplant. Das soll sich auf Initiative der Grünen im Kreistag nun ändern.

Landkreis – Bauen der Bund oder die Länder, ist es ganz normal, dass – zumindest bei größeren Investitionen – auch „Kunst am Bau“ in Auftrag gegeben wird. Genau wie Leitungen, Putz und Farbe gehört auch die Kunst bei derartigen Großprojekten fest dazu. Das freut die späteren Nutzer der Gebäude und ihre Besucher, die – bestenfalls – in ihrem Umfeld perfekt auf die Architektur abgestimmte Kunstwerke finden und tagtäglich genießen können. Das freut aber auch die Künstler, die nicht nur spannende Aufgaben gestellt bekommen, sondern dafür auch ordentlich bezahlt werden. Selbst viele Unternehmen achten darauf, bei Neubauprojekten nicht nur auf Kosten und Energieeffizienz, sondern auch auf die die Einbindung von Kunstwerken im Blick zu behalten.

Ein prominentes Beispiel dafür ist das große, kühn geschwungene „Geschichtsband“ von Bildhauerin Andra Kreipe aus Böbing, das seit 2001 die Grünanlage vor dem Sparkassen-Neubau in Weilheim ziert.

Es ist also gute Sitte, beim Bau auch die Kunst im Blick zu haben. Nur der Landkreis Weilheim-Schongau präsentierte sich bislang bei seinen Bauvorhaben als nahezu kunstfreie Zone. Das störte nicht nur die Bildhauer aus der Region, das ging auch Kreisrat Karl-Heinz Grehl (Grüne/Weilheim) gehörig gegen den Strich.

Daher stellte er im letzten Kreisausschuss den Antrag, der Kreistag möge sich dazu verpflichten, bei den zahlreichen Neubauprojekten, die derzeit angegangen werden, auch „Kunst am Bau“ zu berücksichtigen und zu finanzieren. „Wir sind heute stolz auf unser kulturhistorisches Erbe“, schreibt Grehl in der Antragsbegründung. Der Landkreis solle daher auch heute „Vorbild bei der Förderung der Kunst sein und wie Bund und Länder Geldmittel dafür zur Verfügung stellen“.

Grehl regt eine Staffelung bei der finanziellen Ausstattung von „Kunst am Bau“ an. Bei Bausummen bis zur 5,5 Millionen Euro soll ein Prozent der Bausumme, also maximal 50 000 Euro, für „Kunst am Bau“ zur Verfügung stehen. Je höher die Investitonssumme, um so geringer wird der Anteil für die Kunst. Bei Bausummen über 30 Millionen Euro – wie etwa beim Bau des neuen Berufsschulzentrums – sollen als Höchstsumme 150 000 Euro für Kunstwerke wie Brunnen, Skulpturen oder Fassadenkunstwerke ausgegeben werden. Eine derartige Festschreibung fixer Summen behagte Kreisrat Hans Geisenberger (Unabhängige/Sachsenried) dann doch nicht.

Er sprach sich dafür aus, einen Grundsatzbeschluss zu fassen, künftig „Kunst am Bau“ zu finanzieren. Allerdings sollten die Details in einer verwaltungsinternen Richtline festgeschrieben und eine Bagatellgrenze definiert werden. Diesem Vorschlag schlossen sich der Kreis- und Finanzausschuss an. Einstimmig erklärten sie sich bereit, in Zukunft „Kunst am Bau“ zu unterstützen. Die Details müssen aber noch geklärt werden, zudem steht noch die Zustimmung des Kreistags aus.

Bildhauerin Andrea Kreipe aus Böbing begrüßt diese Entscheidung: „Besonders Zweckbauten könnten durch die Bildende Kunst um einen geistigen, sinnlichen Aspekt erweitert werden, der die Menschen auf einer ganzheitlichen Ebene anspricht, die nicht nur vom Intellekt gesteuert wird“, meint sie auf Anfrage der Heimatzeitung.

Es bringe sie als Künstlerin weiter, „mich ganz in eine meistens komplexe Aufgabenstellung zu vertiefen und Lösungen zu finden.“ Sie beteilige sich seit Jahren an Wettbewerben und habe auch schon gewonnen, berichtet Kreipe weiter. Die Bildhauerei sei durch den hohen Materialwert teuer: „Insofern sind wir neben der freien Arbeit auch auf Aufträge angewiesen.“

Ähnlich argumentiert auch Bildhauer Marinus Wirtl aus Schongau: „Kunst am Bau hat vielschichtige Funktionen im Bereich der Kultur und Gesellschaft, Politik und Heimat. Sie setzt sich mit Ort, Raum, Inhalt und Funktion auseinander, schafft einen kulturellen Mehrwert und fördert die Identifikation. In diesem Sinne ist jede Maßnahme von Seiten des Landkreises begrüßenswert und führt nicht nur zu einer Bereicherung im öffentlichen Raum, sondern fördert auch die Künstler in der Region.“

Er mache sich gerne Gedanken zur Kunst im öffentlichen Raum oder zur Kunst am Bau, so Wirtl. Die Chance zu haben, ein bestimmtes Bauwerk oder einen besonderen Platz mit künstlerischen Mitteln zu bearbeiten, sei spannend und könne in Zusammenarbeit mit einem Bauherrn oder Architekten sehr reizvoll sein.

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