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Ein Bäckermeister aus dem Landkreis Weilheim-Schongau musste sich vor dem Amtsgericht Weilheim verantworten. 

Fall wurde vor Amtsgericht Weilheim verhandelt

Polizistin bei Kontrolle verletzt - Bäckermeister vor Gericht

Ein 54-jähriger Bäckermeister aus dem Landkreis Weilheim-Schongau musste sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Weilheim verantworten. Er soll bei einer Fahrzeugkontrolle eine Polizeibeamtin verletzt haben. Der Mann bestritt die Tat und legte Einspruch gegen den Strafbefehl ein. Er wurde dennoch zu einer Geldstrafe von 750 Euro verurteilt.

Landkreis – Die nächtliche Fahrzeugkontrolle Ende April dieses Jahres wurde dem Bäckermeister zum Verhängnis. Er sei in Eile gewesen, da ein Mitarbeiter nicht zur Schicht erschienen sei und er ihm entgegenfahren und abholen wollte, sagte er vor Gericht. „Mein Betrieb muss 24 Stunden schichtweise besetzt sein, damit alles läuft“, so der 54-Jährige. 

Fahrzeugkontrolle: Bäckermeister platzte der Kragen

Den beiden Polizeibeamtinnen erklärte er das auch und bat um eine schnelle Kontrolle. „Aber ich wurde gleich in einem sehr krassen Ton angeherrscht“, sagte er und gab dann auch zu, seinerseits während der gesamten, sich doch lange hinziehenden, Fahrzeugkontrolle unfreundlich gewesen zu sein.

Der Mann weigerte sich, den Motor abzustellen, telefonierte die ganze Zeit mit seinem Sohn, und als er insgesamt dreimal eine Kiste, in der sich unter anderem das Warndreieck und der Verbandskasten befanden, zeigen sollte, platzte ihm der Kragen. 

Die Kiste, die seiner Schätzung nach acht Kilogramm wiegt, sei beim letzmaligen Herausziehen aus dem Kofferraum seines Kombis an der Schließe hängengeblieben und einer Polizeibeamtin vor die Füße gekippt. „Die Kiste hat sie noch nicht einmal berührt, und sie hat auch keinen Schmerzenslaut von sich gegeben“, beteuerte der Bäcker.

Attest der Polizistin in Frage gestellt 

Die Polizistin erläuterte den Sachverhalt anders. Der Mann sei von Anfang an unkooperativ und aggressiv gewesen. Der Bäckermeister habe ihr die Kiste zum Schluss mit den Worten „Da habt ihr euren Scheiß“ bewusst auf den Fuß geworfen. Sie trug laut vorgelegtem Attest eine Fußgelenkprellung davon.

Dieses Attest stellte die Verteidigerin des Angeklagten in Frage. Die Ärztin hatte zunächst einmal die Kiste auf 15 Kilogramm geschätzt, ohne sie gesehen zu haben. Als Befund gab sie zwar eine Fußgelenkprellung an, stellte nach der Untersuchung aber keine Prellmarken, kein Hämatom, keine Abschürfungen und auch keine Schwellung fest. Ein Druckschmerz sei da gewesen. 

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„Wenn eine acht Kilo schwere Kiste auf den Fuß fällt, sollte es vermutlich aber solche Verletzungssymptome geben“, folgerte die Verteidigerin und stellte einen Beweisantrag auf Überprüfung des Attests durch einen Sachverständigen. Den lehnte die Vorsitzende Richterin Stefanie Rainer mit der Begründung ab, dass zur Erforschung der Wahrheit das Einholen eines Gutachters in dem Fall nicht erforderlich sei.

Urteil bisher noch nicht rechtskräftig

Die Verteidigerin, die einen Freispruch beantragte, wies auch auf die widersprüchlichen Angaben der Polizistinnen bei der Dauer der Fahrzeugkontrolle hin. Eine Polizistin schätzte fünf, die andere 15 Minuten. Der Sohn des Angeklagten, der die gesamte Zeit mit seinem Vater telefonierte und sich auf dem Heimweg von München in seinem Auto befand, gab an, dass die Kontrolle über eine halbe Stunde dauerte, denn es wurde auch ein Alkoholtest vorgenommen, der negativ ausfiel. Auch wurde kontrolliert, ob die Warnwesten an Bord waren, und der Mann musste seinen Personalausweis zeigen.

„Ich war schon sauer, dass es so lange dauerte“, gab der Angeklagte zu. Aber er sagte auch: „Wenn ich die Polizistin verletzt hätte, würde ich es zugeben und mich entschuldigen.“

Die Richterin hatte keinen Zweifel und war überzeugt, dass der Bäckermeister der Polizeibeamtin die Kiste auf den Fuß geworfen hat. „Es lagen Schmerzen vor, und das reicht für eine Körperverletzung“, erklärte sie. Bei 30 Tagessätzen ist der bisher unbescholtene Mann damit noch nicht vorbestraft. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.

VON REGINA WAHL-GEIGER

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