Elterninitiative fordert Luftfilter für Schulen
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Ein Luftfiltergerät steht in einem Fachraum eines Gymnasiums

Kreisausschuss und Schulausschuss einig

Reine Luft für die Schulen im Landkreis: 190 Räume bekommen Raumluftreiniger

  • Kathrin Brack
    VonKathrin Brack
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Der Landkreis will in Luftfilteranlagen für seine Schulen investieren. Das haben Schul- und Kreisausschuss jeweils einstimmig beschlossen. Während sich die Kreisräte in der Sache einig waren, hatte die Verwaltung mit widersprüchlichen Vorgaben zur Umsetzung zu kämpfen.

Landkreis – Als für die Schülerinnen und Schüler im Landkreis die Sommerferien begannen, ging es für die Kreisverwaltung direkt ins Klassenzimmer. Über 600 Räume galt es, mithilfe einer Firma aus Baden-Württemberg binnen kurzer Zeit zu begutachten. Und die Frage zu klären, in welchen Schulräumen Raumluftreinigungsgeräte zum Einsatz kommen sollen, weil sie sich schlecht lüften lassen.

Der Kreistag hatte nach hitziger Debatte in seiner Sitzung Ende Juli entschieden, dass zum einen künftig bei Neubauten und Generalsanierungen Raumluftaustauschanlagen geplant werden sollen. Und dass zum anderen für den Bestand mobile Geräte angeschafft werden (wir haben berichtet). Dafür erhält der Landkreis Fördermittel vom Freistaat, 1750 Euro pro förderfähigem Raum. Plus eine neue, noch nicht im Detail bekannte Förderung des Bundes.

Die Förderrichtlinie, das betonte Kreiskämmerer Norbert Merk bei der gemeinsamen Sitzung von Schulausschuss und Kreisausschuss in Peiting, besagt nicht, dass der Landkreis Geräte anschaffen muss. „Sie besagt: Schaut euch den Bedarf an und trefft die richtige Entscheidung.“

Am Ende ging es nicht ums Geld, das war Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU) wichtig. „Es geht darum, sinnvoll zu entscheiden. Wir wissen leider heute weder, wie zuverlässig die Anlagen unsere Kinder schützen, noch, ob sie erneuten Distanzunterricht verhindern können“, schickte sie zu Beginn voraus. Bevor die Mitglieder der Ausschüsse entscheiden sollten, ob sie dem Vorschlag der Verwaltung folgen und einer Ausschreibung zustimmen, stellten der Kreiskämmerer und Mario Eberspächer von der gleichnamigen Firma die Ergebnisse der Begehungen vor.

Eine zentrale Erkenntnis: „Stoßlüften geht nicht immer“, erklärte der Experte. Vor allem im Sommer finde nur schlecht Luftaustausch statt. „Dann ist das Lüften keine verlässliche Methode.“ Die Fachleute haben in den Schulräumen diverse Faktoren untersucht: Kann man querlüften? Wie problematisch ist die Lautstärke bei offenem Fenster? Welche Sicherheitsaspekte müssen bedacht werden?

Ausgehend von der Empfehlung des Experten lautet der Vorschlag nun, dass rund 190 Räume mit Luftreinigern ausgestattet werden, 55 größere Räume mit mehr als einem Gerät – wobei nach Eingang der Angebote zu entscheiden wäre, ob der Landkreis HEPA- oder UV-C-Geräte anschafft. In Summe soll es um Investitionen in Höhe von rund einer Million Euro gehen, der Freistaat schießt 330 000 Euro zu. Blieben etwa 660 000 Euro Eigenmittel, die der Landkreis über einen Nachtrag zum Haushalt und die angekündigte Haushaltssperre aufbringen will.

„Die Schulen haben wir im Boot“, sagte Norbert Merk. Lediglich die Realschule Penzberg hätte sich eine flächendeckende Installation gewünscht. Die Verwaltung hatte zuvor alle Schulleiter angeschrieben und Stellungnahmen eingeholt. Und auch die Ausschreibungen sind bereits vorbereitet. „Wir könnten sie ab Freitag veröffentlichen“, erklärte der Kreiskämmerer. Wobei Merk dringend eine europaweite Ausschreibung empfahl, weil „eine rein nationale Ausschreibung risikobehaftet“ wäre und zusätzliche Probleme bringen könnte.

Ohnehin waren die Pläne, Schulräume mit Luftreinigungsanlagen auszustatten, von allerlei Unwägbarkeiten begleitet. Neben der unklaren Lage in Sachen Bundesförderung gab es unterschiedliche Vorgaben. So sieht die Förderrichtlinie andere Werte für den Luftdurchsatz sowie die erlaubte Lautstärke der Geräte vor, als die gesetzliche Unfallversicherung vorgibt. Heißt im Klartext: „Richten wir uns nach der Förderrichtlinie und die Geräte sind am Ende lauter, als es der Arbeitsschutz vorsieht, können sich die Lehrer beschweren.“

Um die Beschaffung zu beschleunigen und da man derzeit auch keine Klarheit schaffen könne, empfahl der Kämmerer, dennoch einen Beschluss zu fassen. Das taten beide Ausschüsse und votierten einstimmig für die Ausschreibung, was Landrätin Andrea Jochner-Weiß wohlwollend zur Kenntnis nahm: „Das ist ein starkes Zeichen für unsere Schulen und unsere Kinder.“

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