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Landkreis Weilheim-Schongau steigt selbst ins Solargeschäft ein - was dahintersteckt

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Von: Sebastian Tauchnitz

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Die Solaranlagen auf dem Dach des neuen Berufsschulzentrums erzeugen mehr Strom, als das riesige Gebäude mit all seinen Maschinen verbrauchen kann
Die Solaranlagen auf dem Dach des neuen Berufsschulzentrums erzeugen mehr Strom, als das riesige Gebäude mit all seinen Maschinen verbrauchen kann. © Ralf Ruder

Wurden Photovoltaikanlagen früher vor allem mit Blick darauf gebaut, möglichst viel Strom einzuspeisen und damit Rendite zu machen, hat sich das mittlerweile stark geändert. Dies sorgt dafür, dass auch im Landratsamt umgedacht wird.

Landkreis – Es war ein Satz, den Landrätin Andrea Jochner-Weiß im Kreisausschuss sagte, als über die Solarfassade an der neuen Gymnasiums-Turnhalle in Weilheim debattiert wurde: „Die Anlage soll nach derzeitigem Stand der Planungen vom Landratsamt selbst und nicht wie bislang durch die Erbenschwanger Verwertungs- und Abfallsentsorgungsgesellschaft (EVA) betrieben werden.“

Moment mal: Ist da dicke Luft zwischen der EVA und dem Landkreis, dem sie gehört? Schließlich betreibt die EVA im Auftrag des Landkreises seit 2009 zahlreiche Photovoltaikanlagen für das Landratsamt. Insgesamt 13 Stück, verteilt über den gesamten Landkreis: Auf den Dächern der Realschulen in Weilheim, Schongau und Peißenberg, denen der Gymnasien in Schongau und Penzberg, sowie auf den Förderschulen in Altenstadt, Penzberg, den Berufsschulen in Schongau und Weilheim und auf der Turnhalle an der Birkenstraße in Penzberg.

Keine „dicke Luft“ zwischen EVA und Landkreis

Von „dicker Luft“ zwischen EVA und Landkreis kann aber keine Rede sein, wenn man der Argumentation des Landratsamtes folgt. Vielmehr liege der Grund für das Umdenken in den geänderten rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen, wie aus der Antwort auf eine Anfrage der Heimatzeitung hervorgeht: „Das maßgebliche Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) und damit auch die Rahmenbedingungen der Stromerzeugung mittels Photovoltaik unterlagen seit 2009 vielfältigen Änderungen. Besonders erwähnenswert war die Novellierung des EEG 2014, die grundsätzliche Parameter änderte bzw. neu einführte.“

Die Verträge, die man mit der EVA geschlossen habe, orientierten sich dabei immer nach den in diesem Moment geltenden Rahmenbedingungen. So betrieb die EVA die ersten Anlagen, die 2009 ans Netz gingen, noch selbst. Das heißt, sie speiste den Sonnenstrom ins Netz ein und kassierte dafür Geld von den Netzbetreibern.

Seit 2014 sinken die Einspeisevergütungen allerdings kontinuierlich. Im Gegenzug rückte aber der Eigenverbrauch der Gebäude immer mehr in den Fokus. Warum immer teureren Strom kaufen, wenn man ihn mit der Anlage auf dem Dach selbst erzeugen kann?

Neuere PV-Anlagen werden bereits vom Landkreis betrieben

Das sorgte allerdings schon vor Jahren für einen Wechsel des Geschäftsmodells. In der Regel betreibt der Landkreis die neueren Anlagen bereits selbst und speist nur noch den Strom ein, der nicht für das jeweilige Gebäude benötigt wird. Die EVA hingegen übernimmt die „technische Betriebsführung“, also beispielsweise die Errichtung und Wartung der Anlagen, im Auftrag des Landkreises.

Nach Ansicht der Mitarbeiter des Landratsamtes ist diese Aufgabenteilung rechtlich nicht mehr möglich, wenn – vereinfacht gesagt – die PV-Anlagen nicht mehr nur einfach auf dem Dach stehen, sondern „Teil des Gebäudes“ werden. Wie jetzt bei der Gymnasiums-Turnhalle in Weilheim, wo die Photovoltaikanlage die Fassade des Gebäudes bilden soll.

Hier besteht nach Ansicht des Landratsamtes das Problem, dass „zu viele Schnittstellen“ entstehen. Denn die EVA hat auch nicht für alles Experten im Haus, sondern beauftragt Planer und technische Dienstleister. Und die Zusammenarbeit mit all diesen verschiedenen Partnern wird immer schwieriger, wenn nicht mehr klar unterschieden werden kann, ob die Solarfassade nun „bloß“ eine PV-Anlage oder „nur“ eine Fassade ist. Betreibt das Landratsamt die Anlagen komplett selbst, müsste man sich nicht permanent miteinander abstimmen.

Deswegen solle die Zusammenarbeit mit der EVA jetzt ergebnisoffen untersucht werden, heißt es weiter. „Das weitere Vorgehen wird aktuell überprüft und im Anschluss den Kreisgremien zur Beratung und Entscheidung vorgelegt.“

Weitere PV-Anlage auf Dach des Gymnasiums in Schongau?

In diesem Zusammenhang wird auch geprüft, ob für die Übernahme der Aufgaben direkt durch das Landratsamt weiteres Personal benötigt wird. Mit erheblichen Mehrkosten rechnet man in der Verwaltung dabei allerdings nicht: „Grundsätzlich würde sich der mit dem Anlagenbetrieb verbundene Aufwand lediglich von der EVA GmbH auf den Landkreis verschieben.“

Den eingeschlagenen Weg, die kreiseigenen Liegenschaften zunehmend mehr mit selbst erzeugtem Strom zu versorgen, will das Landratsamt übrigens beibehalten. So könnte beispielsweise auch noch das Dach auf dem Erweiterungsbau des Gymnasiums in Schongau in absehbarer Zeit mit Modulen belegt werden, wie das Landratsamt weiter mitteilte.

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